Essl Museum: Diversity of Voices

November 30, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Junge Künstler zeigen mit Bildern ihren Blick auf Europa

Júlia Végh, Balance (part of Fiction of the reality), 2014, Collage painting, acrylic on plastic sheet Copyright & Bild: Júlia Végh

Júlia Végh, Balance (part of Fiction of the reality), 2014, Collage painting, acrylic on plastic sheet. Copyright & Bild: Júlia Végh

Ab 4. Dezember zeigt die Ausstellung „Diversity of Voices“ die Neuentdeckungen des Essl Museum aus ganz Europa, 21 Werke, zusammengesetzt aus denen der 16 Preisträger des Essl Art Award Cee 2015 und den fünf Collector’s Invitations. Die Schau ist eine Spurensuche nach künstlerischen Strategien und neuen Ansätzen in Bulgarien, Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Türkei und Ungarn.

„Diese neue, junge Generation von Künstlerinnen und Künstlern ist in eine Zeit hinein geboren, die von gesellschaftlicher wie politischer Veränderung geprägt ist. Viele reagieren aktiv auf die Auswirkungen dieser Umbrüche. Das Kunstschaffen der jungen Leute kann als zukunftsweisend betrachtet werden und bestimmt werden wir von einigen bald öfter hören“, sagt Kuratorin Viktoria Calvo-Tomek. Die Fragestellungen, mit denen sich die Künstler beschäftigen, sind nicht in Länderklischees zu pressen, sondern immer öfter global. Es sind dies Institutions- und Gesellschaftskritik, Identität, kunstimmanente Themen oder der subversive Umgang mit künstlerischem Material.

Interessant zu beobachten ist, dass viele der ausgestellten Arbeiten Schönheit und Poesie ausstrahlen, jedoch gleichzeitig durchaus kritische Fragen aufwerfen. So bei der Fotoserie „Fregoli Cotard“ von Irina Ghenu: Einerseits unglaublich schön anzuschauen, versucht die Künstlerin die oftmals sinnentleerten Abbildungen aus Hochglanzmagazinen kritisch zu hinterfragen und mit ihren persönlichen Inhalten zu füllen. In der komplexen installativen Arbeit „I (don’t) want to be a Polish artist“ thematisiert sie den Themenkomplex Identität und den Sinn und Unsinn von nationaler Zugehörigkeit. Die Beschäftigung mit der eigenen Person und lange zurückliegenden Erinnerungen spielt eine wichtige Rolle im Schaffen von Maruša Meglič, Kalina Mavrodieva und Iveta Čermáková. Ihren Werken gemeinsam ist die Sicht, dass Erinnerungen flüchtig sind und oft sehr individuell interpretiert werden. Nina Kamenjarin versucht ihre eigene Identität in ihren Videos zu verbergen, obwohl sie gleichzeitig deren Protagonistin ist.
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Gesellschaftskritik üben Angel Chobanov, Daniel Ghercă, Kristián Németh und Baran Çağınlı in ihren Arbeiten, die zu aktuellen politischen Themen Stellung nehmen. Die Themen spannen sich dabei von häuslicher Gewalt, über das allgegenwärtige Flüchtlingsdrama bis hin zu heftiger Institutionskritik an der katholischen Kirche. Bei Dániel Bernáth, Dáriusz Gwizdala, Peter Sit und Júlia Végh scheint zusätzlich die Grenze zwischen Realität und Surrealität zu verschwimmen. Mit einer Faszination für das Exotische werfen die Arbeiten von Monika Pascoe Mikyšková und Evrim Terkeşli feministische Fragestellungen auf.
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Wien, 30. 11. 2015