Die Albertina bestückt ab Herbst 2018 das Künstlerhaus

November 17, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Ausstellungen im Auftrag der Haselsteiner Privatstiftung

Klaus Albrecht Schröder Bild: © Albertina, Wien

Klaus Albrecht Schröder
Bild: © Albertina, Wien

„Ich freue mich über das klare Votum der Künstlerhausvereinigung bei der gestrigen außerordentlichen Hauptversammlung“, sagt Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Die vergangene Woche angesprochene „Jahrhundertchance“ ist nun fixiert: Die Albertina wird nach der mit 30 Millionen Euro veranschlagten Sanierung des Künstlerhauses durch die Haselsteiner Familienprivatstiftung ab Herbst 2018 das Erdgeschoß des Hauses am Karlsplatz bespielen, also jenen Teil, den die Stiftung innerhalb der gemeinsam gehaltenen Besitzgesellschaft hält.

Die restlichen Flächen im Obergeschoß werden weiterhin von der Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs genützt. Sowohl das Stadtkino im Künstlerhaus als auch brut Wien bleiben bestehen. Die Albertina wird mit dem Künstlerhaus erstmals die Gelegenheit haben, große Teile ihrer Sammlungen österreichischer Kunst gemeinsam mit anderen österreichischen Kollektionen zugänglich zu machen. Der Name Künstlerhaus bleibt dabei erhalten.

Erst am 14. November hatte Künstlerhaus-Präsident Michael Pilz mit Vehemenz „alle Anwürfe und Einmischungen von falsch informierten Außenstehenden, die die Kooperation mit der Haselsteiner Familienprivatstiftung als ,feindliche Übernahme‘ darstellen wollen“ zurückgewiesen: „In Wirklichkeit ist es in einem großartigen Verhandlungserfolg gelungen, nicht nur das Künstlerhaus für die Künstlerinnen  und Künstler zu erhalten, sondern darüber hinaus die GBKKÖ erstmals seit Jahrzehnten des zähen Überlebenskampfes in die Lage zu versetzen, für die Kunst und die Künstler im eigenen Haus und weit darüber hinaus aktiv zu werden, wie es ihrer Bestimmung entspricht.“

Nach Schröders Plänen soll das Künstlerhaus nun wieder zu einem Brennpunkt des Ausstellungsgeschehens in Wien werden; er denkt an eine „Nutzung als prominentester Schauplatz für die österreichische Kunst des 20. Jahrhunderts, präzise: jener der Ersten und Zweiten Republik“. Viele Strömungen seien von den nachkommenden verdrängt worden, ihnen will man mehr Aufmerksamkeit schenken. Konkret schwebt Schröder vor, in die Kunst nach 1945 „klare Referenzpunkte der österreichischen Kunst der Zwischenkriegszeit einzubauen“, auch in Hinblick auf das 100-Jahr-Jubiläum der Republiksgründung 2018. Gezeigt werden sollen neben Werken aus der Sammlung Essl, an der Haselsteiners Stiftung mit 60 Prozent beteiligt ist, auch Werke „aus vielen anderen Sammlungen“, so Hans Peter Haselsteiner zur APA. Konkrete Sammler-Namen wollte er vorerst nicht nennen. Einen eigenen Direktor zu ernennen, hält er für „nicht sonderlich sinnvoll“, die Albertina sei schließlich sein „Wunschpartner“ gewesen.

Schröder: „Wien wird mit der gestrigen Entscheidung in drei Jahren ein neues Museum und damit ein führendes Haus für die Präsentation österreichischer Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts erhalten.“ Die Kuratoren für die drei bis fünf geplanten Ausstellungen pro Jahr werden aus der Albertina sein. Die Besucher seines Hauses, das im Herbst 2018 eine große Monet-Schau programmiert hat, könnten mit dem selben Ticket dann auch ins Künstlerhaus gehen. Wenn das nur ein Prozentsatz wahrnehme, würde das Künstlerhaus zum dritt- oder viertbest besuchten Museum werden, hofft der Albertina-Chef.

www.k-haus.at

www.albertina.at

Wien, 17. 11. 2015