Albertina: Welten der Romantik

November 5, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Auf der Suche nach der blauen Blume

Nachfolge von Francisco José de Goya y Lucientes: El Coloso, 1818–1825 Bild: Museo Nacional del Prado, Madrid

Nachfolge von Francisco José de Goya y Lucientes: El Coloso, 1818–1825
Bild: Museo Nacional del Prado, Madrid

Die Romantik war mehr als eine Kunstrichtung, sie war eine Geisteshaltung, die sich bis weit in das 19. Jahrhundert in Malerei, Literatur und Musik äußerte. Die Romantik entstand als Reaktion auf das Monopol der vernunftgerichteten Aufklärung, ihre Themen sind Gefühl, Leidenschaft, Individualität und die Seele, vor allem die gequälte Seele. Die blaue Blume wurde ihr Symbol für das – „was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe“, wie die Poetin Ricarda Huch schreib. Wien gilt als einer der Geburtsorte dieser künstlerischen Bewegung, und so gestaltet nun die Albertina gemeinsam mit dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste die Ausstellung „Welten der Romantik“. Ab 13. November sind 160 Werke der wichtigsten Vertreter dieser Strömung zu sehen, von Caspar David Friedrich bis Francisco de Goya.

Zwei Themenschwerpunkte werden ins Zentrum gerückt: Einerseits die pointierte Gegenüberstellung von nordisch protestantischer und katholischer Romantik, die sich in unterschiedlicher Spiritualität, Motivik und Bildsprache zeigt, andererseits die Fokussierung auf den Beitrag Wiens und Österreichs. Schließlich formierte sich hier in Ablehnung der protestantischen Bilder die Bewegung der Lukasbrüder, die nach Rom zogen und dort als „Nazarener“ für Tumult sorgten.

Neben Landschaften als verklärten Daseinsmetaphern und der bildlichen Verklärung der Vergangenheit sind in der Schau auch Arabesken und Pflanzenstudien zu sehen. Diesem „freundlichen“ Anblick von Moritz von Schwind bis Kuppelwieser steht die dunkle Seite eines Goya oder eines Johann Heinrich Füssli vis-à-vis, die wie abgründige Boten von einer Anderswelt berichten.

www.albertina.at

Wien, 5. 11. 2015