Essl Museum: Faszination Fotografie

November 5, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Der Moment, für immer festgehalten

Lisl Ponger: No Futures!, 2009 Bild: Lisl Ponger, © BILDRECHT, Wien 2015

Lisl Ponger: No Futures!, 2009
Bild: Lisl Ponger, © BILDRECHT, Wien 2015

Könnt‘ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch, ich mach‘ ein Bild … Die Fotografie ist das Medium der Gegenwart, die Wahrnehmung der Umwelt und der Gesellschaft heute durch sie geprägt. Das Essl Museum widmet sich ab 13. November mit der Schau „Faszination Fotografie“ der Magie der Bilder. Zu sehen sind Werke von einigen der bedeutendsten lebenden Fotografen und auch interessante Neuentdeckungen.

Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Bereiche. Gezeigt werden Werke, die den Blick des Menschen auf die Natur thematisieren: Fotografien mit wilder, ungezügelter Natur stehen Arbeiten gegenüber, in denen der menschliche Eingriff in die Landschaft kritisch betrachtet wird. Das fotografische Porträt ist spätestens seit der Erfindung des Selfie allgegenwärtig. Bilder in nüchterner Passfotoästhetik treffen auf pathetisch aufgeladene Sujets, Kinderfotos und Fotos junger Liebender auf eine Werkserie, die die Schönheit des Alters zeigt. Daneben sind auch Fotoarbeiten von Südafrika über den Iran bis nach Israel zu sehen, in denen die kulturelle Identität und das gesellschaftliche Umfeld der Dargestellten im Mittelpunkt stehen. Architektur ist immer mit Geschichte aufgeladen. Kirchliche Interieurs und Museumsräume stehen in Dialog mit kommunistischen Versammlungsräumen, inszenierten Künstlerateliers und digital manipulierten Innenräumen.

Schon mit den ersten Fotoapparaten im 19. Jahrhundert begann deren künstlerische Nutzung. Lange Zeit blieb der künstlerische Wert der Fotografie umstritten und sie wurde auf ihren rein dokumentarischen oder auch dienenden Charakter reduziert. Mittlerweile hat sich viel in der Kunstrezeption verändert und so gehört die Fotografie heute ohne Zweifel zu den wesentlichen Medien der bildenden Kunst. Unterschiedlichste fotografische Arbeitsmethoden, die Bandbreite reicht von digital manipulierten Bildern bei Andreas Gursky bis zu dokumentarischen und gesellschaftskritischen Ansätzen bei Ricarda Roggan oder Tal Adler, zeigen welch visuelles und sinnliches Erlebnis Fotografie darstellt. Am Ende der Schau steht die Auflösung des Fotomotivs. Hier sieht man etwa eine Werkserie des Künstlers Mike Kelley, der 2012 verstorben ist. Darin verschwimmen die Konturen und die Landschaft verschwindet in der Dunkelheit.

Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von David Lurie, Miao Xiaochun, Shirin Neshat, Lucia Papčo, Lisl Ponger, Bettina Rheims und Serge Bramly, Shao Yinong, John Silvis, Ana Sluga und Massimo Vitali.

www.essl.museum

Wien, 5. 11. 2015