MAK: Stefan Sagmeister „The Happy Show“

Oktober 28, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Mother’s Little Helpers für den Topdesigner

MAK-Ausstellungsansicht, 2015 Stefan Sagmeister: The Happy Show, rechts: Everybody Always Thinks They Are Right [Jeder denkt immer, er hat recht], 2007. In Zusammenarbeit mit Monika Aichele, Matthias Ernstberger und Sportogo. MAK-Säulenhalle Bild: © MAK/Aslan Kudrnofsky

Stefan Sagmeister: „Everybody Always Thinks They Are Right, 2007“ in der MAK-Säulenhalle. In Zusammenarbeit mit Monika Aichele, Matthias Ernstberger und Sportogo. Bild: © MAK/Aslan Kudrnofsky

Die Eröffnung der MAK-Ausstellung „Stefan Sagmeister: The Happy Show“ sorgte gestern Abend für ein volles Haus am Ring. Für die Schau lotete der Großmeister des Grafikdesigns die Grenzen zwischen Kunst und Design aus und überschreitet sie. Die Ausstellung dokumentiert seine zehn Jahre andauernde Untersuchung des Glücks anhand von Videos, Drucken, Infografiken, Skulpturen und interaktiven Installationen. Sie führt die Besucher auf eine Reise durch die Gedankenwelt des Designers und seine Versuche, das eigene Glück zu steigern, indem er seinen Geist trainiert wie andere ihren Körper. Getaucht in ein symbolträchtiges Smiley-Gelb eröffnen Sagmeisters Interventionen, die sich über Gänge, Treppen und Ausstellungsräume erstrecken und auch die „Zwischenräume“ des Museums einbeziehen, Einblicke in seine Gedankenwelt und Glückserfahrungen. „The Happy Show“ ist nach 2002 die zweite Ausstellung des gebürtigen Bregenzers im MAK.

In handschriftlichen Kommentaren an Wänden, sehr schön etwa der Hinweis, im Dachgeschoß ging es weiter „Und das wird super!“, Geländern und in den Toilettenräumen des Museums erläutert er seine Gedanken und Beweggründe zu den gezeigten Projekten. Diese persönlichen Notizen ergänzt er durch sozialwissenschaftliche Daten der Psychologen Daniel Gilbert, Steven Pinker und Jonathan Haidt, des Anthropologen Donald Symons und bedeutender Historiker, um seine Experimente mit Psyche und Typografie in einen größeren Kontext setzen. Sagmeister testete alles Glückversprechende am eigenen Körper. Die Präsentation zeigt die Erfahrungen des Designers während eines dreimonatigen Experiments mit Meditation, kognitiver Therapie und stimmungsändernden Medikamenten. Und man erfährt, dass Sagmeister Alkohol und Nikotin durchaus sehr zugetan ist. „Eine der Hauptintentionen von angewandter Kunst und Design ist die Verbesserung unserer Lebensqualität und unseres Wohlbefindens. ‚The Happy Show‘ ist eine beeindruckende Inszenierung der uns alle bewegenden Frage nach dem persönlichen Glück“, so MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein. Die Ausstellung für alle,  die sich die Little Helpers einmal bildlich vorstellen möchten. Obwohl, ein wenig Glücksubstanzen gibt es in der Ausstellung tatsächlich: Kaugummi für alle!

Über den Künstler:

Stefan Sagmeister, Designer, geboren 1962 in Bregenz, lebt und arbeitet in New York, mischt Typografie und Bildsprache auf verblüffende, erfrischende, anspruchsvolle und verstörende Weise. Sagmeister arbeitete kurze Zeit für den Designer Tibor Kalman bei M&Co., bevor er seine eigene Agentur, Sagmeister Inc., gründete. Er beeinflusste die Designkultur des vergangenen Jahrzehnts maßgeblich – am bekanntesten sind wohl seine Albumcover für Musiker wie die Talking Heads, David Byrne, Lou Reed, OK Go oder The Rolling Stones sowie innovative Kampagnen für Unterehmen wie HBO und Levi’s, die sich ins öffentliche Bewusstsein eingebrannt haben. Sagmeister gewann zahlreiche Preise, darunter zwei Grammys für Albumdesigns, den Lucky Strike Designer Award und den Communications Award des Cooper-Hewitt National DesignMuseum, New York. Seit 2012 ist Jessica Walsh Partnerin im Studio Sagmeister & Walsh.

www.mak.at

Wien, 28. 10. 2015