Forum Frohner: Das Prinzip Collage

Oktober 5, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Geklebte Bilder über das Tabuthema Sex

Adrian Marc: Optic Destruction No. 3, 1967 Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien – MUSA, © Bildrecht, Wien, 2015, Bild: Michael Wolschlager

Adrian Marc: Optic Destruction No. 3, 1967
Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien – MUSA, © Bildrecht, Wien, 2015, Bild: Michael Wolschlager

Ab 10. Oktober zeigt das Forum Frohner in Krems die Ausstellung „Das Prinzip Collage“. In Adolf Frohners Schaffen spielte die Kombination der Medien eine zentrale Rolle. Obwohl er mit seinem Werk vorwiegend als Maler und Zeichner international rezipiert wurde, zeigt sich heute, dass der Dialog von Zeichnung, Malerei, Plastik und Fotografie mittels Collage und die Integration faktischer Werkstücke seine Bedeutung maßgeblich bestimmte. Er nutzte das Verfahren während seines gesamten Schaffens und erprobte die Variationen dieser Technik anhand spezieller Themenkomplexe. Diese bilden den Ausgangspunkt dafür, dem Prinzip Collage in zeitgleichen österreichischen Positionen nachzuspüren und Impulse bis in die Gegenwart zu skizzieren.

In den sechziger Jahren erlebte das papier collé – Erfindung von Kubismus, Surrealismus und Dadaismus der 1920er-Jahren – im Kontext von Pop-Art und Fluxus international eine Wiederbelebung. Die zweidimensionale Ausweitung der Darstellung durch das Aufkleben, „collé“, wurde zum combined painting und zur Objektcollage erweitert, das Gefundene als direkte Aneignung von Wirklichkeit zum Objekt transformiert. Die Erweiterung der Collage zur Assemblage gilt als zentrale Innovation der 1960er-Jahre. Die Arbeit mit gefundenem Material bietet die Möglichkeit, einen kritischen Umgang mit dem „Realen“ zu entwickeln und dem Illusionismus entgegenzuwirken. Die Beschäftigung mit historischen Prinzipien der Collage stellt dabei einen wichtigen Aspekt dar.

Parallel dazu entstand im Kontext der konkreten Kunst der Versuch, das Subjektive mittels Objektivierung der Bildmittel zu verweigern. Kunst über die Bedingungen von Kunst ist das Motto.  Künstler wie Adolf Frohner, Padhi Frieberger, Otto Muehl, Hermann Nitsch oder Hermann Painitz reflektierten diese Verfahrensweise und entwickelten abseits des Illusionistischen neue Möglichkeiten der Interpretation des Wirklichen. Beispiele dafür sind das Objekt „Hier wohnt Max Ernst“ aus dem Jahr 1964 von Adolf Frohner, bei dem er Schrift, Bild und Gefundenes verbindet und seine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Collage sichtbar wird, sowie Padhi Friebergers combined painting „Für mich gemacht“ aus dem Jahr 1970, bei dem Frieberger Autobiografisches einbringt.

Das kritische Potenzial des Prinzips Collage wird in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Diskursen und politischen Mechanismen deutlich. Durch die Verbindung mit Texten und Schriftfragmenten und die Ausweitung zum collagierten Objekt werden politische Ereignisse mittels Verfremdung reflektiert. Einen Schwerpunkt stellt die Beschäftigung mit Tabubereichen wie Sexualität und Erotik dar, für die neue mediale Ausdrucksformen wie die Typocollage oder die Fotomontage verwendet werden. Besonders für weibliche Kunstschaffende wurde die Auseinandersetzung mit dem Rollenbild der Frau zu einem Anliegen. Sie greifen geschlechtsspezifische Diskurse auf und analysieren das Bild der Frau in Medien und Gesellschaft. Der Blick auf Normatives steht hier im Zentrum.

In der Schau gezeigte Künstler sind unter anderem: Marc Adrian, Alexandra Baumgartner, Franz Beer, Elfriede Mejchar, Otto Muehl, Oswald Oberhuber, Ingeborg Pluhar, Gerhard Rühm, Judith Saupper und Daniel Spoerri.

www.kunsthalle.at/de/forumfrohner/

Wien, 5. 10. 2015