Strategien für das „Haus der Geschichte“ vorgestellt

September 9, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Natürlich ein eigener Direktor

14982919088_4560db5114_b„Wir haben im gemeinsamen Dialog eine Lösung gefunden“, sagte Kanzleramtsminister Josef Ostermayer Mittwoch Vormittag bei der Präsentation seiner Pläne für das neue Haus der Geschichte. Die sind: Das Museum soll im ersten Obergeschoß der Neuen Burg errichtet werden und eine Publikumsfläche von 3.000 Quadratmeter umfassen. Es soll ein Kompetenzzentrum sein, in dem die Besucherinnen und Besucher der Geschichte Österreichs auf die Spur kommen können – über Sonderausstellungen, Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und interaktive Vermittlungsformate.  „Konsensual“ sei die Umsetzungsstrategie des Internationalen Beirates unter Vorsitz des Zeithistorikers Oliver Rathkolb; der Ausdruck ist Ostermayer deshalb wichtig, weil die Platzfrage im Vorfeld heftig diskutiert wurde. Das Kunsthistorische Museum hatte Bedenken, ob in der Neuen Burg genug Raum für alle und alles sei (mehr dazu: www.mottingers-meinung.at/?p=13345). Nun ist klar, dass dessen Sammlung Alter Musikinstrumente von 1.900 auf 1.600 Quadratmeter reduziert und künftig zum Teil im ersten Obergeschoß, zum Teil im Mezzanin gezeigt werden wird.

Das Haus der Geschichte soll einerseits organisatorisch an die Österreichische Nationalbibliothek andocken, es sollen so „Synergien genutzt werden“. Andererseits soll es aber natürlich einen eigenständigen Direktor, ein eigenes Budget, einen eigenen wissenschaftlichen Beirat und auch einen Publikumsbeirat haben. Der inhaltliche Hauptschwerpunkt des Hauses werde der Zeitraum 1918 bis jetzt sein, jedoch ausgehend von 1848. Ostermayer: „Mit dem Haus der Geschichte in der Neuen Burg, dem Bekenntnis, die Neue Burg und den Standort Heldenplatz neu zu denken, setzen wir ein starkes Signal. Ich bin davon überzeugt, dass es eine wichtige Aufgabe unserer Generation ist, einem möglichst breiten Publikum eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Österreichs im europäischen und internationalen Kontext zu ermöglichen.“ Verwiesen wurde auch darauf, dass bereits bei den Eingangsbereichen klar erkennbar sein soll, worum es in den verschiedenen Ausstellungsbereichen der Neuen Burg – Haus der Geschichte, das neue Weltmuseum Wien, die neu präsentierte Sammlung Alter Musikinstrumente, das Ephesos- und das Papyrusmuseum, die Hofjagd- und Rüstkammer und die Österreichische Nationalbibliothek – geht.

Zu den Kosten gibt es keine Angaben, Schätzungen würden erst angestellt. Für alles Weitere werde es einen Architektenwettbewerb geben, bei dem darauf geachtet werden soll, „dass es innovative Vorschläge geben wird“. Am 12. Oktober werden vierzehn Museumsexperten in einer Enquete über den Sinn des geplanten Museums Haus der Geschichte – „Es wird ein Ort der Vernunft, der Reflexion und des Blicks in die Zukunft sein.“ – diskutieren. Als nächster Schritt aber, so Ostermayer, werde eine Änderung des Bundesmuseengesetzes vorbereitet. „Ziel ist, dass wir im November 2018 fertig werden. Dieses Ziel ist extrem ambitioniert.“

Ostermayers Pläne erwecken das Missfallen von FPÖ und NEOS. Beide Parteien orten mit diesem Konzept vergebene Chancen.

www.weltmuseumwien.at

Wien, 9. 9. 2015