Der Dschungel Wien setzt sich für Menschenrechte ein

September 2, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ab sofort gibt es sogar Theater für Babys ab 6 Monaten

Die Legende von Schillers Räubern Bild: © Ani Antonova

Die Legende von Schillers Räubern
Bild: © Ani Antonova

Heute Vormittag präsentierte Direktor Stephan Rabl gemeinsam mit seinem Team das Programm für die Saison 2015/16 im Dschungel Wien. Als Thema im Mittelpunkt stehen noch deutlicher als bisher die Menschenrechte. „Das Recht auf Kunst ist ein Kinderrecht und in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben. Diesem Grundsatz wollen wir für die ganze Stadt Wien und ihren Kindern und Jugendlichen gerecht werden“, so Rabl, der damit auch den Standort des Hauses auf dem Platz der Menschenrechte rund um das Marcus-Omofuma-Denkmal betonte. „Es geht darum, den Kindern die Welt nicht vorzuenthalten, sondern ihren Blick zu schärfen und ihnen Lösungswege für ihre Fragen anzubieten. Ihre Ängste ernst zu nehmen und die Möglichkeiten des Lebens zu zeigen. Ihre Individualität zu unterstützen, aber nicht Egoismus zu säen. Theater kann eine Möglichkeit bieten, um dies zu erfahren.“

Eng zusammenarbeiten will man deshalb mit Shams Asadi, der bei der Programmpräsentation anwesenden neuen Menschenrechtsbeauftragten der Stadt Wien.  Warum? „Kinder sind besonders von Menschenrechtsverletzungen betroffen. Deshalb befasst sich Wien bei der Umsetzung der Deklaration zur Menschenrechtsstadt derzeit vor allem mit Kinderrechten. Ihre Einhaltung ist ein Barometer für die Gesellschaft“, erklärt Asadi. „Gerade in diesem Zusammenhang ermöglicht der Dschungel Wien als Drehscheibe und als Ort für Dialoge einen Zugang zu Kunst und Kultur für junges Publikum“. Mit dem aktuellen Programm werden aktuelle Themen wie Migration und Rassismus aufgegriffen. Durch Stücke wie „schwarzweißlila“ über das elfjährige Mädchen Lila mit einer weißen Mutter und einem afrikanischen Vater, den sie nicht kennt, für Kinder ab zehn Jahren. Oder „La Linea – der Traum vom besseren Leben“ über Geschwister, die von Mexiko in die USA wollen, für Jugendliche ab 13 Jahren.

Mit sieben Premieren im September startet der Dschungel Wien in die Saison 2015/16. Von und mit Ensemblemitglied Mira Tscherne eröffnet „Höflich wie ein Löwe“ (ab 5 /10. Sep.) die neue Spielzeit. In einem Schauspiel mit Musik werden Themen wie Mut, Höflichkeit und das „Anderssein“ humorvoll behandelt. Dem Witz und der Poesie der Straße verschreibt sich nur einen Tag später das Clowntheater „Totò macht Mittagspause“ (ab 6 / 11. Sep.). Michael Moritz inszeniert ein artistisches, akrobatisches und clowneskes Spiel, in dem er selbst die Hauptrolle spielt. Der noch warmen Jahreszeit entsprechend kommt es an diesem Tag mit „Das Postgirl“ (ab 4 / 12. Sep.) mit Figurentheaterspielerin Myriam Rossbach zur dritten Uraufführung in drei Tagen. Gespielt wird unter freiem Himmel mit dem Dschungel-Fahrrad im MQ-Fürstenhof. Das zum Postfahrrad umgebaute Vehikel birgt dabei so einige Überraschungen. In der darauffolgenden Woche kehrt Breakdance, in der von Ákos Hargitay choreografierten Produktion „Break.out“ (ab 13 / 16. Sep.), an seinen Ursprungsort zurück – auf die Straße. Open air vor dem Theaterhaus treffen ein Hip-Hop-Girl, ein zeitgenössischer Tänzer und ein Choreograf aufeinander, um eine „Show“ aus dem Nichts aufzustellen. Mit dem Schauspielsolo „Titus“ (ab 12 / 23. Sep.) begeht Sven Kaschte sein Debüt als Ensemblemitglied. Der bereits als Klassiker des Jugendtheaters verstandene Monolog eines Jugendlichen von Autor Jan Sobrie wird von Hausregisseurin Julia Burger inszeniert. „Ein Orkan rast durch meinen Schädel“ – unverkitscht, klischeefrei und sensibel zeichnet das Stück Gedankengänge, Nöte und Ängste eines Jungen in der Pubertät nach. Teil einer Abenteuernacht mit Abendessen und Übernachtung im Theater ist am 3. Oktober „Die Legende von Schillers Räubern“ (ab 11).

Mit einer „Babyschiene“ für Babys ab 6 Monaten geht der Dschungel Wien ab Herbst neue Wege. Mit Schauspiel, Tanz, Musik und Objekttheater begeben sich bereits die Allerkleinsten auf eine spannende theatrale Entdeckungsreise. Stephan Rabl selbst zeichnet für Idee und Konzept verantwortlich.

www.dschungelwien.at

Wien, 2. 9. 2015