ZDF: Ottfried Fischer und sein Freund Parkinson

Februar 23, 2015 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Start in ein neues Leben mit neuem Kabarettprogramm

Bild: ZDF/ Christian Ernst

Bild: ZDF/ Christian Ernst

Seit mehr als zehn Jahren weiß Ottfried Fischer, dass mit seinem Körper etwas nicht stimmt. Im Herbst 2013 steht Ottfried Fischer zum letzten Mal als „Pfarrer Braun“ vor der Kamera. Die langen Drehtage fallen ihm sichtlich schwer, immer wieder droht die Müdigkeit ihn zu überwältigen. Wegen seiner Parkinson-Erkrankung wird die Erfolgsserie eingestellt, genau wie ein Jahr zuvor die Kabarettsendung „Ottis Schlachthof“. Als die Dreharbeiten für 37 Grad beginnen, scheint Fischers Fernsehkarriere beendet. Parkinson, diese „feige Sau“, wie er die Krankheit nennt, hat ihn ausgebremst. Er geht an die Öffentlichkeit. Er bereut diesen Schritt nicht: Endlich fließt ein Großteil seiner Energie nicht mehr in das Verstecken der Symptome, sondern wieder in seine Kreativität. Für die ZDF-Dokumentation „Ottfried Fischer und sein Freund Parkinson“ in der Reihe „37°“ am 24. Februar, 22.15 Uhr, haben Andrea Schramm und Jana Matthes den gewichtigen Schauspieler und Kabarettisten ein Jahr lang begleitet. Im Anschluss an die Sendung ist Ottfried Fischer um 22.45 Uhr zu Gast bei Markus Lanz.

Für Ottfried Fischer fand die Begegnung mit den „37°“-Autorinnen genau zum richtigen Zeitpunkt statt: Er konnte zeigen, dass er seine Fernsehrollen krankheitsbedingt aufgeben musste, aber als Künstler noch da ist. Der Schauspieler und Kabarettist ohne Talent zum Selbstmitleid will sich von „Freund Parkinson“ nicht diktieren lassen, was er noch kann und was nicht. Er geht mit einem neuen Bühnenprogramm auf Tour, veröffentlicht seine Biografie „Das Leben ein Skandal“ und tanzt mit seinem „Otti Dance“ die Bewegungslosigkeit weg. Seit Oktober 2014 hat er mit „Ottis Aquarium“ sogar wieder eine eigene Kabarettsendung. Humor und Intelligenz sind seine Waffen gegen die Krankheit, die ihm körperlich immer mehr zusetzt. Kraft gibt ihm auch seine Familie im niederbayerischen Ornatsöd. Er besucht Mutter und Bruder im gemeinsamen Elternhaus und erinnert sich an seine Kindheit auf dem Bauernhof. Schon als kleiner Bub wollte er von der Stallarbeit nichts wissen, sondern parodierte lieber den Pfarrer und predigte aus dem Kuhstallfenster. Von der Robustheit seiner bäuerischen Herkunft zehrt Ottfried Fischer bis heute.Täglich steigt er in den Ring gegen die tückische Nervenkrankheit, die seine Mimik verändert und ihn immer öfter nuscheln lässt. Kann Fischer den Kampf mit seiner Willenskraft gewinnen, oder wird Parkinson doch der Stärkere sein? Auf jeden Fall überrascht Fischer am Ende nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen.

Die Dokumentation zeigt Fischer mit den Menschen, die zu seinem privaten und beruflichen Leben gehören. Sie beschönigt nicht die Einschränkungen, die die Krankheit Parkinson mit sich bringt, zeigt aber vor allem den humorigen, kreativen und wortgewaltigen Künstler, der zu neuen Ufern aufbricht.

www.ottfried-fischer.de

Wien, 23. 2. 2015