Essl Museum: Aboriginal Art

Januar 29, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Ausstellung mit Werken der Ureinwohner Australiens

Tracey Moffatt, Adventure Series, 2004, C-Print (aus der 10-teiligen Serie), 132 x 114 cm, Bild: © Sammlung Essl Privatstiftung, Tracey Moffatt, courtesy L. A. Galerie, Frankfurt

Tracey Moffatt, Adventure Series, 2004, C-Print (aus der 10-teiligen Serie), 132 x 114 cm, Bild: © Sammlung Essl Privatstiftung, Tracey Moffatt, courtesy L. A. Galerie, Frankfurt

Mit „Aboriginal Art“ präsentiert das Essl Museum ab 30. Jänner eine umfangreiche Ausstellung mit Werken der Aboriginal Art, der Kunst der Ureinwohner Australiens. Es werden Werke der Sammlung Essl von bedeutenden und einflussreichen Künstlerinnen und Künstlern zu sehen sein, darunter Arbeiten von Emily Kame Kngwarreye, Rover Julama Thomas und Queenie McKenzie Nakarra sowie auch jüngere Positionen, wie Destiny Deacon. Das Essl Museum besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen von Aboriginal Art in Europa. Die Grundlagen dazu bilden mehrere Reisen des Sammlers Karlheinz Essl nach Australien, im Rahmen derer er sich mit der Kunst und Kultur der Aboriginal People intensiv auseinandersetzte. Das Essl Museum gab mit den von Michael Eather kuratierten Ausstellungen „Dreamtime“ (2001) und „Spirit & Vision“ (2004) bereits tiefe Einblicke in die zeitgenössische Aboriginal Art.

„Aboriginal Art“ zeigt erstmals ausschließlich Werke aus Sammlungsbeständen in einem neuen inhaltlichen Kontext: Der besondere Fokus wird auf das Spannungsfeld zwischen Tradition, Überlieferung und künstlerischer Innovation vor dem Hintergrund der großen spirituellen Kraft der Arbeiten gelegt. Die Ausstellung beginnt mit den frühen Werken der Aboriginal Art der 1970er Jahre. Nachdem Bilder in dieser Jahrtausende alten Kultur immer flüchtig waren, sind erst auf Initiative des Kunsterziehers Geoffrey Barden 1970 erste Arbeiten auf Leinwand entstanden, die Aboriginal-People nennen sie „Reisende Bilder“. Diese frühen Werke entwickeln sich formal aus den „Ground Paintings“ und Körperbemalungen, inhaltlich bilden sie stark abstrahiert einzelne „Dreamings“ ab. Dreamings sind Teile des Wissens der Aboriginal-People, die mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich viele Zentren, Schulen und einzelne Künstlerpersönlichkeiten etabliert. Auffällig ist die große künstlerische Weiterentwicklung vom Repetieren der traditionellen Formensprache hin zu einem sehr freien Umgang mit spirituellen Inhalten. Besonders hervorzuheben sind die scheinbar abstrakten Werke von Paddy Bedford, Queenie McKenzie Nakarra und Rover Julama Thomas, die durch die ausschließliche Verwendung von Erdpigmenten ihre kontemplative Kraft entfalten.
Ein Star unter den australischen Künstlerinnen und Künstlern ist Emily Kame Kngwarreye, die mit zahlreichen großformatigen Arbeiten in der Sammlung Essl vertreten ist. Als über 80-Jährige begann diese Künstlerin zu malen und hatte in nur wenigen Jahren eines der beeindruckendsten Werke der abstrakten Kunst in Australien geschaffen.

www.essl.museum

Wien, 29. 1. 2015