Theater Nestroyhof Hamakom: Sam’s Bar

Dezember 4, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Jüdisches, Persisches, Jazziges

Geva Alon  Bild: (c) Ariel Efron

Geva Alon
Bild: (c) Ariel Efron

Sam’s Bar geht in die zweite Runde! Von 6. bis 20. Dezember zelebriert die Etablissement-Tradition den Nestroyhof und verwandeln den Theatersaal in eine Bar. Einen Raum, der vielerlei Perspektiven ermöglicht, der zum Gespräch, zum Hören und Entdecken, zum Genießen und Denken einlädt. In den acht Konzerten, die für sich selbst sprechen, wird unter anderem  bewiesen, dass kulturelle Diversität eine Bereicherung ist und dass Grenzen auch mit Achtung und Freude an der Entdeckung des Unbekannten überschritten werden können. Vielleicht eine mögliche Antwort auf die Frage  „Was Tun?“, das diesjährige Spielzeitmotto. „Was tun?“ ist auch der Titel eines an drei Tagen in Sam´s Bar stattfindenden szenischen Abends, der diese zu jeder Zeit zu befragende Frage erkundet und umkreist.

Programm:

6. Dezember: David Orlowsky Trio (DE) „Klezmer Kings – A Tribute“. Das David Orlowsky Trio hat sich als Erneuerer des Klezmer weltweit einen Namen gemacht. Sie haben die Klänge verfeinert, verfremdet und weiterentwickelt und so eine ganz eigene Version dieser lebensbejahenden Musik geschaffen. Sie nimmt einen schon im ersten Stück des Konzertes mit auf die Reise in den magischen Realismus, sie ist wie ein Seiltanz in den Mond, wunderbar, fast unschuldig, poetisch. Mit seinem neuen Programm „Klezmer Kings – A Tribute“ begibt sich das Trio auf  eine  Reise in die Klezmerszene des schillernden New York des frühen 20. Jahrhunderts.
David Orlowsky – Klarinette
Jens-Uwe Popp – Gitarre
Florian Dohrmann – Kontrabass

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7. Dezember: Sehrang (IR). Musikalische Grenzen sind da, um überschritten zu werden. Zu diesem Schluss kann man getrost kommen, lauscht man der musikalischen Vielfalt Sehrangs, in der sich die Charaktere, Instrumente und Lebensgeschichten der drei jungen iranischen MusikerInnen spiegeln. Der Mix aus Worldmusic, Jazz, Folk, Rock, Latin und afrikanischer Musik schafft es auf eine neue spielerische Art, die iranische Musik und die Sprache Farsi mit anderen Genres zu verbinden.
Golnar Shahyar – Stimme
Mahan Mirarab – Gitarre
Shayan Fathi – Schlagzeug, Percussion

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10., 12. und 17. Dezember:  „Was tun?“ Mit geborgten Worten von Kafka, Röggla, Brecht, Schnitzler … umkreisent und befragt das Ensemble mit diesem szenisch/musikalischen Abend eine der wesentlichsten und gleichzeitig banalsten Fragen unserer und jeder Zeit. Eine gültige Antwort für ein wahrhaftig sinnvolles Handeln zu finden ist auszuschließen. Wer weiß schon, was wahr und sinnvoll ist, wenn die erste Schwierigkeit schon darin liegt, herauszufinden, ob wir etwas für real oder fiktiv, gut oder schlecht halten, weil das Wesen dieser Sache so ist oder weil andere wollen, dass wir glauben es wäre so. Und was wäre denn gut und für wen? Und wenn man bei allem, was man tut, nicht wissen kann, ob es sinnvoll ist, sollte man nicht besser nichts tun? Aber wie tut man nichts? Gibt es etwas dazwischen?
Eine Performative Collage mit Claudia Kottal, Burak Uzuncimen, Eduard Wildner
Special Guest: Alex Miksch
Konzeption und Regie: Ingrid Lang

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11. Dezember: Troica. Der Gewinn des „Austrian World Music Award 2007″ war der Auftakt für das im Juli 2008 erschienene Debütalbum „Dor“ (Sehnsucht), das im Oktober des gleichen Jahres für den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ nominiert wurde. Musik kann wahrscheinlich nicht Heimat sein, aber sie kann eine Identität  ermöglichen. Wenn nun die in Rumänien geborene, seit einigen Jahren in Wien lebende Sängerin Claudia Cervenca einige Lieder aus ihrer Heimat arrangiert, dann kann das identitätsstiftende Wirkung haben. Wunderbar klingt es jedenfalls, wie Cervenca mit zwei feinfühligen Kollegen, die beide meisterlich über ihre Instrumente gebieten, aus dem traditionellen Material eine zeitlose Kammermusik geformt hat: Das kitzelt die Ohren, das geht zu Herzen.
Claudia Cervenca (RO) – Stimme
Jan Roder (DE) – Kontrabass
Uli Soyka (AT) – Schlagzeug und Spielsachen

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13. Dezember: Peter Ponger (AT) „Die Farben der Stille“, Solopiano:  „…was sich beim Improvisieren musikalisch entfaltet geschieht fast automatisch…ähnlich dem „Automatischen Schreiben“ oder Zeichnen der Surrealisten. Strukturen des Wissens und des Unbewussten werden so in neue Zusammenhänge gebracht…das Netz der Assoziationen auf die innere Reise geschickt…so soll es gelingen, der Stille am Grund der Ordnung Raum und Farbe zu verschaffen, diesem unsagbaren Schimmern des Klanges…“ (Peter Ponger) Während seines Aufenthaltes und Studiums in New York, arbeitete Ponger unter anderem mit Steve Grossman und Wynton Marsalis zusammen. Er komponierte die Musik für mehrere Filme, unter anderem für „Gebürtig“ von Robert Schindel oder „Himmel unter Steinen“ von Peter Patzak. Ein Meister der harmonischen Farben!

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14. Dezember: Madame Baheux. World/Jazz/Rock/Cabaret: Obwohl die Musikerinnen ihre Wurzeln in Südosteuropa haben (außer „Gastarbajterka“ aus Klosterneuburg Lina Neuner) und ein Teil ihres Repertoires  sich dazu bekennt, weist das Quintett sowohl in seinem Repertoire als auch in seinem künstlerischen Ausdruck weit darüber hinaus. Nach allen Richtungen offen zeigt es sich, Jazz, Rock, kritisches Lied in Serbokroatisch, Bulgarisch, Englisch und „Weanarisch“. Madame Baheux bringen etwas Neues auf die Bühne, das mitreißt, verführt, zum Lachen reizt, in Hirn, Herz und Beine geht.
Band members from Bosnia, Serbia, Bulgaria & Klosterneuburg
Jelena Popržan – Viola, Gesang
Ljubinka Jokic – E-Gitarre, Gesang
DeeLinde – Cello
Lina Neuner – Kontrabass
Maria Petrova – Drums, Percussion

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18. Dezember: Schmieds Puls (AT) „Play Dead“:  Schmieds Puls ist der Beweis dafür, dass weniger mehr ist, so viel mehr, dass  man sich anhalten muss. Das Trio rund um Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Mira Lu Kovacs, mit Walter Singer am Kontrabass und Christian Grobauer am Schlagzeug, hat perfektioniert, was man ein musikalisches Destillat nennen könnte. Wo andere 1000 Töne spielen, machen sie Pause – man selbst steht vor dem Zerplatzen, schreit innerlich, masochistisch beglückt, denn so eine Spannung muss man einmal aufbauen können, so muss einen Dramaturgie ohrfeigen. Erst noch Mira Lu Kovacs gehört haben, dann möglicherweise sterben. Was diese Frau aus ihren beiden Instrumenten, sowohl ihrer virtuos wandelbaren Stimme als auch ihrer mit klassischer Fingertechnik gezupften akustischen
Gitarre herauszuholen versteht, ist auf die ruhigste vorstellbare Weise spektakulär.
Mira Lu Kovacs – Gesang & Gitarre
Walter Singer – Kontrabass
Christian Grobauer – Schlagzeug

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19. Dezember:  Molden/Soyka/Wirth: „Waren die früheren Songs eher in Wien und auf seinen vielen poetischen Ebenen verhaftet, so nimmt ‚Ho Rugg‘ die diesem Titel implizierte Aufforderung ernst und geht nach draußen, auf Reisen in die Finsternisse und Sonnenflecken des weiten Landes, durch das diese Band in den vergangenen fünf Jahren hundertfach gefahren ist.“ So Ernst Molden über sein aktuelles Album „Ho Rugg“, das den Preis der deutschen Schallplattenkritik bekam und dessen Titelsong monatelang auf Platz 1 der deutschen Liederbestenliste war.

des is a liad ibas losziagn
ibas leichdbleim ibas boggig sei
ibas amoe no hibiagn
iba di und mi
(Ernst Molden, liad ibas losziagn)

Ernst Molden – Stimme, Gitarre
Walther Soyka – (großmeisterliche) Knöpferlharmonika
Hannes Wirth – Gitarre, Messingröhrl

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20. Dezember: Geva Alon (IL) Solo: In Israel ist der Singer Songwriter und Gitarrist Geva Alon schon lange kein Unbekannter mehr. Sein 2006 erschienenes erstes Soloalbum „Days of Hunger“ machte ihn zu einem der wichtigsten Künstler in Tel Avivs Folk und Indie Szene. Das auf seiner zweiten Platte „The Wall of Sound“ erschienene Bowie Cover „Modern Love“ stürmte die israelischen Charts. Nach einer langen Amerika-Tour entstand Alons bis dahin persönlichstes Album „Get Closer“, das ihm Gold und viel Lob der israelischen Kritik einbrachte. 2011 erschien seine 4. Platte „In the  Morning Light“ . 2014 begann Geva Alon seiner Setlist neue Songs auf Hebräisch hinzuzufügen. „Persönliche Lieder, die ich über Dinge schrieb, die ich durchgemacht habe, vom inhärenten Widerspruch, vom hier Weglaufen und Zurückkommen wollen, etwas, dass mich immer beschäftigt. Wenn man so viele Jahre auf Englisch singt und man sieht einen Ausweg von diesem nervenzerreißenden Ort…Wenn man lange weg ist, dann weiß man, dass man dort nicht hingehört, dass man hier hin gehört, und das ist wirklich stark. Und es gehört nur dir. Am Ende des Tages bringt es mich zurück nach Hause.“ (Geva Alon)
„Tihi Iti“ („Be with Me“) wird sein Album heißen.

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Wien, 4. 12. 2014