Schauspielhaus Graz: Wolf Haas und Yael Ronen

Dezember 3, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Zwei Uraufführungen im Dezember

Bild: Lupi Spuma

Bild: Lupi Spuma

Wolf Haas‘ Roman VERTEIDIGUNG DER MISSIONARSSTELLUNG ist am 12. Dezember erstmals auf der Bühne zu sehen: die österreichische Regisseurin und Nestroy-Preisträgerin Susanne Lietzow hat die Bühnenfassung für die Uraufführung am SCHAUSPIELHAUS GRAZ erarbeitet. Benjamin Lee Baumgartner (Marc Fischer als Senior und das neue Ensemble-Mitglied Jan Gerrit Brüggemann als Junior) hat in der Liebe nichts als Pech – denn jedes Mal wenn er sein Herz verliert, erkrankt er an einer Seuche. Die Uraufführung von VERTEIDIGUNG DER MISSIONARSSTELLUNG erfolgt am 12. Dezember, 20 Uhr, Probebühne.

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Benjamin Lee Baumgartner kämpft einen aussichtslosen Kampf gegen die Liebe: „Als ich mich das erste Mal verliebte, war ich in England, und da ist die Rinderseuche ausgebrochen. Als ich mich das zweite Mal verliebte, war ich in China, und da ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Und drei Jahre später war ich das erste registrierte Opfer der Schweinegrippe.“ Der preisgekrönte Roman Verteidigung der Missionarsstellung von Wolf Haas ist ein virtuoses, literarisches Vexierspiel, das auf der Bühne mit verschiedenen Videoebenen gespiegelt wird. Regisseurin Susanne Lietzow gewann bereits 2006 einen Nestroy und konnte ihn auch in diesem Jahr für ihre Inszenierung von Nestroys Höllenangst am Theater Phönix Linz in der Kategorie „Beste Bundesländer-Aufführung“ erringen. VERTEIDIGUNG DER MISSIONARSSTELLUNG ist ihre erste Inszenierung am Schauspielhaus Graz.

Es spielen Jan Gerrit Brüggemann, Marc Fischer, Evi Kehrstephan, Steffi Krautz und Seyneb Saleh.

 

Am 20. Dezember kommt die israelische Theaterregisseurin Yael Ronen bereits zum dritten Mal ans SCHAUSPIELHAUS GRAZ: Nach HAKOAH WIEN und NIEMANDSLAND begibt sie sich auch in COMMUNITY (AT) wieder gemeinsam mit dem Ensemble auf Theaterrecherche. Die Ausgangslage: Gemeinschaften von damals und heute, von der klassischen bis zur modernen Familie über Liebesgeschichten bis hin zu Arbeitsbeziehungen. Altbewährtes wird auf den Kopf gestellt und Neues wird ausgelotet. Das Ergebnis ist ab 20. Dezember um 19.30 Uhr auf der Hauptbühne zu sehen.

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Die bürgerliche Gesellschaft wartet mit mehreren Institutionen auf, um das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft zu befriedigen: von der Verfassung über Religionsgemeinschaften bis zur Kleinfamilie. Und doch bleibt da diese Sehnsucht nach Lebensformen, die dem Einzelnen mehr Freiheit und Sinnhaftigkeit bieten. Mit fröhlicher Unerschrockenheit stellen die SchauspielerInnen gemeinsam mit der Regisseurin Yael Ronen bislang unverrückbare Tatsachen in Frage: Wirtschaftskreisläufe, Währungen, Familienkonstruktionen und die Behauptung der monogamen, ewig währenden, romantischen Liebe. Ein spannungsvoller Selbstversuch mit ungewissem Ausgang.

Es spielen Katharina Klar, Sebastian Klein, Kaspar Locher, Michael Ronen, Birgit Stöger und Jan Thümer.

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 3. 12. 2014