Karikturenmuseum Krems: Rudi Hurzlmeier

November 24, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Sagenhaft und komisch

Rudi Hurzlmeier: Frühes Tor Bild: © Rudi Hurzlmeier / Bildrecht, Wien, 2014

Rudi Hurzlmeier: Frühes Tor
Bild: © Rudi Hurzlmeier / Bildrecht, Wien, 2014

Das Karikaturenmuseum Krems präsentiert unter dem Titel „Sagenhaft und komisch“ Werke von Rudi Hurzlmeier. Hurzlmeier, 1952 in Niederbayern geboren, arbeitete nach Abbruch seiner Schullaufbahn als Tankwart, Dressman, Obduktionsassistent, Hotelbuskoch, Kulissenbauer und Antiquitätenhändler, bevor er in den frühen 1980er-Jahren begann, die komische Zeichenkunst als Autodidakt zu studieren. Kenner und Verehrer nennen ihn ganz unbescheiden „Großmeister der komischen Malerei“.

Der Künstler selbst sieht sich in der Tradition der komischen Kunst – ein Überbegriff für bildkünstlerische Arbeiten, die vor allem dem Zweck der Komik dienen – also den Rezipienten zum Lachen bringen.Das Karikaturmuseum Krems präsentiert in seiner Winterausstellung Werke aus der Serie „Meisterwerke der goldigen Periode“, die in Lichtführung und Thematik an berühmte Werke der Kunstgeschichte erinnern. Seine rätselhaften, irritierenden, eben komischen Werke sind altmeisterlich ausgeführt und in Technik und Opulenz mit Tafelbildern vergangener Jahrhunderte vergleichbar. Pastoser Farbauftrag, meisterhafte Lichtführung oder Perspektiven, die an Rembrandt erinnern, zeugen von der Auseinandersetzung mit der niederländischen Malerei. Nichtsdestotrotz ist sein Humor zeitgemäß und seine Kritik tagesaktuell. Der Begriff „goldig“ wird von Hurzlmeier satirisch verwendet und darf als Persiflage auf die klassische Kunstgeschichte verstanden werden.

„Der Akt, bevorzugt in Gestalt von Frau, Weib oder Nymphe, ist ein Fanal gegen die Torheit, denn Kleidung kommt schnell aus der Mode und wirkt dann schrecklich lächerlich (vgl. Achtzigerjahre, Barock, Steinzeit). Außerdem enthüllt der Akt mehr vom Gesundheitszustand des Modells, und hervorragende Körperpartien kommen glänzender zur Geltung. Der erotische Aspekt wird hingegen gern schamlos überschätzt. Menschen sind rein optisch weit weniger reizvoll als andere Nacktwesen, etwa Pfeilgiftfrösche oder Tiefseeschnecken,“ so Rudi Hurzlmeier, aus dem Vorwort des Buches „Meisterwerke der goldigen Periode“. Der Künstler kopiert jedoch keine bekannten Werke, sondern lässt durch ironisch geprägte Zitate ganz neue Arbeiten entstehen, so ziehen beispielsweise im Gemälde „Aquarium“ Fischschwärme, begleitet von Pinguinen und Flügeltieren, an heroischen Berglandschaften vorbei. In seinen Gemälden führt der Künstler die Betrachter in eine Welt der verbotenen Lust und derschockierenden Einblicke, von der auch seine Zeichnungen, Aquarelle, Sketchbooks und Comicstrips zeugen. Darüber hinaus sprengen seine Formate die traditionelle Karikatur. Rudi Hurzlmeiers komische Malerei schafft damit neue Perspektiven auf Satire- und Humorzeichnung und bietet somit den Liebhabern der Malerei einen eigenen Zugang zur Karikatur.

 Neben der komischen Malerei zeichnete Hurzlmeier auch Comic-Strips für Underground-Blätter und war mit zahlreichen Beiträgen in Magazinen wie Titanic, Eulenspiegel, Pardon, Nebelspalter, Penthouse, Gong, und FAZ vertreten. Hurzlmeier illustrierte unter anderem Bücher von Truman Capote, Wiglaf Droste, Robert Gernhardt, Thomas Gsella, Peter Hacks, Hans Zippert, Elke Heidenreich und Harry Rowohlt und Nic Schulz. Er veröffentlichte bisher rund etwa 50 Bücher und Kataloge. Seit den 1990er-Jahren trat er zunehmend auch als von der Kunstkritik gelobter Maler in Erscheinung, wobei er teilweise das Pseudonym RuDiHu gebrauchte. Seine Bilder waren in an die 100 Einzel- und Themenausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Hurzlmeier wurde bereits zweimal mit dem Deutschen Karikaturenpreis sowie mit dem Sondermann-Preis für Komische Kunst der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet. Mit seinen beiden Söhnen, die ebenfalls künstlerisch tätig sind, richtet Hurzlmeier unter dem Namen „The Hu“ unregelmäßig Ausstellungen aus. Das Karikaturmuseum Krems präsentiert  30, teilweise noch nie gezeigte Meisterwerke der goldigen Periode aus Hurzlmeiers Werkstatt.
Wien, 24. 11. 2014