Die geliebten Schwestern

November 11, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Altmeister Dominik Graf rittert um den Auslands-Oscar

Henriette Confurius, Florian Stetter, Hannah Herzsprung Bild: © Senator Film

Henriette Confurius, Florian Stetter, Hannah Herzsprung
Bild: © Senator Film

Die Dichter von einst, auf den Bühnen nie „out“, sind auf der Kinoleinwand plötzlich in. Während Jessica Hausner in „Amour Fou“ eine an Heinrich von Kleist angelehnte Geschichte erzählt www.mottingers-meinung.at/jessica-hausner-im-gespraech/, wandte sich der deutsche Kinodino Dominik Graf Friedrich Schiller zu. In „Die geliebten Schwestern“ (Filmstart in Österreich: 14. 11.) schildert er wie der aufrührerische Dramatiker und zwei mittellose Schwestern aus dem thüringischen Adel im Sommer 1788 in Rudolstadt eine unvergessliche Zeit verbringen, die sie für immer aneinander binden wird. Die unglücklich verheiratete Caroline von Beulwitz und ihre schüchterne Schwester Charlotte von Lengefeld nehmen ihren Schwur ernst, alles miteinander zu teilen, auch den Autor der „Räuber“. Charlotte geht die Ehe mit Schiller ein, sodass die ménage à trois unter dem Deckmantel der Konvention fortgesetzt werden kann. Doch Caroline verlässt ihren Mann. Als sie schwanger wird, zerbricht das fragile Gleichgewicht des Liebesdreiecks. Schiller ringt um beide Schwestern … Angeblich soll Goethes „Stella“ von der Story inspiriert worden sein.

Dominik Graf stellt in seinem ersten abendfüllenden Kinofilm seit acht Jahren nicht den wilden „Starschreiber“ in den Mittelpunkt, sondern die ewig aktuelle Frage: Kann man eine ungewöhnliche Liebe leben? Das kulturelle Zentrum Weimar, die Entwicklung des Buchdrucks und die Französische Revolution liefern den Hintergrund zu der leidenschaftlichen Liebesgeschichte. Ein Film mit heller, leichter Kamera, nah an seinen Figuren, modern im Denken, Handeln und Fühlen, perfekt verkörpert von Hannah Herzsprung (als umwerfend gute Caroline), Florian Stetter und Henriette Confurius. Die Handlung ist historisch nicht belegt, da – wie am Schluss des Films erzählt wird – Caroline kurz vor ihrem Tod alle Dokumente vernichtete, und nur eine einzige Mitteilung Schillers an sie erhalten geblieben ist, in der eine intime Beziehung angedeutet ist. Durch die Handlung führt ein von Dominik Graf selbst gesprochener Erzähler.

Die Dreiecksgeschichte geht für Deutschland ins Rennen um den Auslands-Oscar. Bei der diesjährigen Berlinale waren „Die geliebten Schwestern“ ja leer ausgegangen. Einige Kritiker hatten die Länge von 139 Minuten bemängelt, andere dagegen euphorisch gelobt, Graf habe die prächtig ausgestattete Geschichte poetisch und kunstvoll in Szene gesetzt. Der Regisseur ist nun zufrieden: „Großartig! Schiller goes to Hollywood!“

www.senator.de/movie/die-geliebten-schwestern

Trailer: www.youtube.com/watch?v=RIuz6_ipl6o

Wien, 11. 11. 2014