Hundsturm: Anfechtungen! San Ignacio – eine Dschungeloper

September 12, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine zeitgenössische Konfrontation mit einer originalen südamerikanischen

Barockoper aus den Jesuitenmissionen in Bolivien

Bild: Markus Kupferblum

Bild: Markus Kupferblum

Ab 18. September ist im Hundsturm „Anfechtungen! San Ignacio – eine Dschungeloper“ zu sehen. Sie wurde im 17. Jahrhundert von einem Guarani Indianer geschrieben, nachdem der Tiroler Jesuitenpater Anton Sepp kurz nach dem 30-jährigen Krieg nach Südamerika ausgewandert war. Er hatte diese Reise auf sich genommen, um dort die zeitgenössische Musik zu verbreiten (Guarani ist eine Sprache, die in Teilen Boliviens gesprochen wird).  So entstanden dort Werke originärer, meist kirchlicher Barockmusik. Diese Oper erzählt die versuchte Verführung des Hl. Ignatius durch einen Dämon. Dichter Bodo Hellund Komponist Renald Deppe schaffen mit ihren Anfechtungen einen aktuellen Bezug zu diesem Werk und befreien es von jeglicher „Scheinheiligkeit und Missionierungslust“.

Regisseur Markus Kupferblum: „Im Jahre 1655 wurde Pater Anton Sepp in Tirol geboren, der als junger Jesuitenpater in die Missionen seines Ordens nach Paraguay, Brasilien und dem heutigen Bolivien reiste, um den dort ansässigen Guarani Indios die damalige zeitgenössische österreichische Musik näherzubringen. Dabei entstand eine große Anzahl originärer Barockmusik, die auf den dafür extra eingeführten Instrumenten aufgeführt wurde. Zahlreiche dieser Kompositionen wurden von anonymen Komponisten indigener Abstammung verfasst, einige Komponisten aus dem Stamm der Guaraní-Indianer signierten ihre Werke mit Namen. Der Großteil der so entstandenen Werke war Sakralmusik, jedoch wurden einige wenige Barockopern komponiert, die der Bevölkerung die Lebensgeschichte der unterschiedlichen Heiligen näherbringen sollten. Seit 18 Jahren lebt der polnische Priester Piotr Nawrot in Bolivien und leitet die dortigen jesuitischen Archive. Im April 2013 bin ich in den bolivianischen Dschungel gereist, um Manuskripte solcher Opern ausfindig zu machen. Dort habe ich von Piotr Nawrot die Partitur der Oper eines anonymen Komponisten, „San Ignacio“, erhalten und nach Österreich gebracht, mit dem Recht, sie hier erstmals aufzuführen. Mittlerweile war diese Oper jedoch bereits konzertant bei der „Langen Nacht der Kirchen“ in Wien zu hören und wir haben uns deshalb entschlossen, eine radikale Neupositionierung dieser Oper zu versuchen. Bodo Hell hat einen neuen Text dazu geschrieben, Renald Deppe hat diese Partitur bearbeitet und zeitgenössisch instrumentiert. Die Geschichte handelt vom heiligen Ignatius von Loyola, dem Ordensgründer der Jesuiten. Sie erzählt seine Lebensgeschichte als Zaubermärchen, seine Verführung durch Dämonen und dem heiligen Xaver, der ihm bei seinem Glaubenskampf beistand. Die Oper „San Ignacio“ ist nach dem „Kaiser von Atlantis“, den wir im Dezember 2013 in der Sporthalle der Maria Theresien Kaserne gezeigt haben, die zweite größere Opernproduktion des Ensembles „Schlüterwerke“, das im Februar 2013 gegründet wurde und seit dem eine Vielzahl an Capriccios zur Aufführung brachte, die auf enormes öffentliches Interesse stießen.“

Ensemble: Schlüterwerke.

www.schlüterwerke.at

Wien, 12. 9. 2014