Helen Mirren ist auch in der Küche die Queen

August 26, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Madame Mallory und der Duft von Curry

Hassan (Manish Dayal) und Madame Mallory (Helen Mirren) Bild: © 2014 Constantin Film Verleih GmbH

Hassan (Manish Dayal) und Madame Mallory (Helen Mirren)
Bild: © 2014 Constantin Film Verleih GmbH

Hassan Kadam (Manish Dayal) ist ein junger, talentierter Koch mit dem Äquivalent zum „absoluten Gehör“ – dem „absoluten Geschmack“. Die Familie Kadam verlässt ihre Heimat Indien, angeführt von Familienoberhaupt „Papa“ (Om Puri), und landet über Umwege in dem idyllischen Dörfchen Lumière im Süden Frankreichs – genau der richtige Ort, um ein indisches Restaurant zu eröffnen, entscheidet Papa. Das wiederum gefällt Madame Mallory (Helen Mirren) gar nicht: Die unterkühlte Französin ist Chefin des „Le Saule Pleureur“, einem mit dem Michelin Stern ausgezeichneten französischen Restaurant, nur wenige Schritte entfernt von dem neuen, lebhaften indischen Lokal der Familie Kadam. Und so findet Hassan sich plötzlich in einer handfesten Restaurantfehde zwischen seiner indischen Großfamilie und ihrem „Maison Mumbai“ auf der einen Seite und der alteingesessenen Madame Mallory auf der anderen Seite wieder. Bis sich Hassans Leidenschaft sowohl für französische Haute Cuisine als auch für Madame Mallorys bezaubernde Sous-Chefin Marquerite (Charlotte Le Bon) vereint mit seiner wunderbaren Gabe, die Köstlichkeiten beider Kulturen zu verbinden und Lumière mit unwiderstehlichen Aromen zu durchdringen, die selbst Madame Mallory nicht ignorieren kann. Anfangs noch Madame Mallorys kulinarischer Rivale, erkennt sie schon bald Hassans einzigartiges Talent als Koch und nimmt ihn unter ihre Fittiche…

Zugegeben, das liest sich wie das Déjà-vu sämtlicher Küchen-Drehbücher mit ein bisschen Clash of Cultures, gewürzt mit einer Prise Romantik, wäre da nicht Regisseur Lasse Hallström, der schon mit „Chocolat“ bewiesen hat, dass er mit Kneten und Rühren berühren kann. Und die wunderbare Hauptdarstellerin Helen Mirren, die als gestrenger Kuchldragoner dem Bestsellerbuch „The Hundred-Foot Journey“ von Richard Morais jeglichen Kitsch wegklopft. Steven Spielberg und Oprah Winfrey haben dieses Schauspielerkino, dem man wohl als schönstes Kompliment machen kann, dass es wie das Hollywood-Remake einer kleinen, europäischen Filmköstlichkeit schmecke, produziert.

Dass man nahezu sämtliche Wendungen der Story vorausahnt, ändert nichts an ihrer Wohltemperiertheit. Die Dialoge, im Original wechselnd zwischen Französisch und Englisch mit indischen Einsprengseln, sind pointiert und witzig, die Ausstattung ist opulent bis ins Detail und das Essen – mit einem Wort beschrieben: sinnlich. Natürlich macht sich Helen Mirren den Film zu eigen. Die Verwandlung von der eifersüchtigen Zicke zur empathischen Gönnerin meistert sie virtuos; der Grande Dame des britischen Kinos genügt eine leichte Straffung des Körpers und eine kaum sehbare Kopfbewegung, um die Emotionen ihrer Figur auszudrücken.

Was man sich am Ende des Films dringend wünscht? Fusion-Food in der Nähe. Damit nach dem Augenschmaus auch Geruch- und Geschmackssinn endlich was von der Sache haben. „Gehen Sie nicht zum Abendessen, bevor Sie den Film gesehen haben“, empfiehlt auch Helen Mirren. „Und danach essen Sie in einem schönen Restaurant.“

www.madame-mallory.de

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Wd2uDfDFia8

Wien, 26. 8. 2014