Monsieur Claude und seine Töchter

August 12, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Hurra, ist das politisch unkorrekt!

teaser.largeKlischee as Klischee can. Kalauern bis der Arzt kommt. Jede Figur hemmungslos auf ihre ethnische Abstammung reduziert.Kein Ressentiment, das ausgelassen würde. Aber irgendwie macht das nichts, weil sie hier jeder gegen jeden hegt. Alltagsrassismus zum Lachen? Ohne, dass man sich dafür genieren muss? Weil man sich beim einen oder anderen Vorurteil selbst ertappt? Sie sind immerhin gerecht zwischen Darstellern und Publikum aufgeteilt. Das ist Regisseur Philippe de Chauveron mit seinem französischem Sommerkinohit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelungen.

Monsieur Claude und seine Frau Marie sind ein zufriedenes Ehepaar in der französischen Provinz und haben vier ziemlich schöne Töchter. Am glücklichsten sind sie, wenn die Familientraditionen genau so bleiben wie sie sind. Erst als sich drei ihrer Töchter mit einem Muslim, einem Juden und einem Chinesen verheiraten, geraten sie unter Anpassungsdruck. In die französische Lebensart weht der raue Wind der Globalisierung und jedes gemütliche Familienfest gerät zum interkulturellen Minenfeld. Musik in den Elternohren ist da die Ankündigung der jüngsten Tochter, einen – Halleluja! – französischen Katholiken zu heiraten. Doch als sie ihrem vierten Schwiegersohn,  Charles, dessen Vorfahren einst von der Elfenbeinküste kamen, gegenüberstehen, reißt Claude und Marie der Geduldsfaden. Geschwächt durch Beschneidungsrituale, Hühnchen halal und koscheres Dim Sum ist ihr Toleranzvorrat restlos aufgebraucht. Doch auch Charles‘ Familie knirscht über diese Partie mächtig mit den Zähnen. Die Franzosen kennt man noch als Verbrecher aus der Kolonialzeit! Weniger um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen als sie zu sabotieren, lassen sich die Eltern auf ein Kennenlernen ein. Was folgt ist ein Gemetzel der nationalen Ressentiments und kulturellen Vorurteile. Bis das familiäre Federnrupfen dem Brautpaar die Lust an der Hochzeit zu verderben droht…

Mit radikalem Witz und schonungslosen Provokationen ist „Monsieur Claude und seine Töchter“ heiteres und buntes Komödienkino. Der grandiose Christian Clavier (auch bekannt als Asterix) als Monsieur Claude beweist erneut riesiges Komödientalent auf seiner Odyssee durch vier Hochzeiten zwischen Kulturschock und Völkerfreundschaft. Er lebt die Xenophobie der französischen Bourgeoisie. Doch fortan muss Claude seine vom Geist des Republikanismus und Gaullismus durchtränkten Hoffnungen begraben, wobei er sich und seiner Frau einmal die keineswegs rhetorisch gemeinte Frage stellt: Was haben wir dem lieben Gott bloß getan? „Qu’est-ce qu’on a fait au bon dieu?“ war auch der Originaltitel des Films.

Als leichtfüßiger Mutmacher für die ernsthaften Probleme in den Pariser Vorstädten, der Banlieue, taugt der Film nicht. Das ist klar. Als Multikulti-Komödie geht der Film aber allemal durch. Ein spielfreudiges Ensemble und eine gut durchkomponierte Story dürfen auch einmal Grund genug sein, es sich im Kinosessel bequem zu machen.

www.monsieurclaude.de

Trailer: www.youtube.com/watch?v=r6-yl5MZCHw

Wien, 12. 8. 2014