Salzburger Festspiele: Die letzten Tage der Menschheit

August 6, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ja oder Nein oder auch Vielleicht

Gregor Bloéb, Dietmar König Bild: © Georg Soulek

Gregor Bloéb, Dietmar König Bild: © Georg Soulek

In der großartigen „Pension Schöller“-Bearbeitung von Hugo Wiener aus der 70er-Jahren sagt Max Böhm von Marianne Chappuis zu deren künstlerischem „Werk“ befragt: „Dazu kann man sagen Ja oder Nein oder auch Vielleicht.“ Darauf sie: „Fabelhaft, wie Sie die Situation beurteilen.“ Ähnlich ergeht’s einem nun mit Georg Schmiedleitners Inszenierung der „Letzten Tage der Menschheit“ am Salzburger Landestheater. Weder ist dem Zuschauer zuzustimmen, der den „heiligen Qualtinger“ beschwört, noch jenem Sitznachbar, der meint, nicht umsonst seien die letzten Worte von Karl Kraus‘ Marstheater Gottes „Ich habe es nicht gewollt“, noch solchen, denen ein „Stadttheater“ zu klein fürs große Ganze scheint. Dass das geht wurde erst eindrucksvoll bewiesen: www.mottingers-meinung.at/volkstheater-die-letzten-tage-der-menschheit/ . Und auch Schmiedleitner gibt das Beste. Und lässt einen doch irgendwie unbefriedigt zurück. Erst im April hat er die Arbeit, die im Herbst am Burgtheater zu sehen sein wird, von Matthias Hartmann übernommen. Da gab’s nicht einmal noch eine Textfassung. Schmiedleitner hat sich für 50 Szenen in dreieinhalb Stunden entschieden. Natürlich fehlt’s da am einen oder anderen.

Das Schöne: Der Regisseur verlässt sich nicht nur auf Burgkräfte. Er holte sich unter anderem Gregor Bloéb (als unverschämt breit grinsender Optimist; Bloéb wird von Rolle zu Rolle überzeugender, man freut sich schon auf seinen Boxer „Rukeli“ an der Josefstadt www.mottingers-meinung.at/theater-in-der-josefstadt-spielzeit-201415), Christoph Krutzler (sehr schön als süffisanter Hofrat oder brutaler Viktualienhändler) und Thomas Reisinger dazu. Der Regisseur enthält sich jeder nachfahrigen Besserwisserei. Er ist in diesem Sinne weniger kraus-lich. Dass es aber gerade derzeit wieder einmal an allen Ecken und Enden der Welt kracht, dass die letzten eigentlich nur die vorletzten Tage waren und sind, darauf – nur ein Vorschlag! – hätte man durchaus Bezug nehmen können, dürfen, sollen … Schmiedleitner hat sich statt eines allumspannenden Bogens für einen Reigen aus unzähligen „netten“ Einfällen entschieden. Dass dazu auch der Auftritt der Blasmusikkapelle Postmusik Salzburg gehört, ist Geschmackssache. Dass er sich bei der Zeichnung der Figuren nicht zwischen Karikatur und Kaltschnäuzigkeit entscheiden konnte (oder wollte?) nicht. So spielt die Burgtruppe brillant routiniert vor sich hin. Sie kann’s ja. Was soll da schief gehen?

Wenn Dietmar König den Nörgler gibt. Oder Elisabeth Orth den Kriegstreiber Conrad von Hötzendorf. Oder Stefanie Dvorak, Bernd Birkhahn, Petra Morzé … spielen, als ob es um ihr Leben ginge. Oder Peter Matić als Kaiser Franz Joseph dem Leichenwagen entsteigt. Oder Dörte Lyssewski die Kriegsberichterstatterin Schalek ist. Dreizehn Burgschauspieler in jeweils mehreren Rollen. Bumsti! Möchte man sagen. Doch es fehlt der Zunder, die Lunte, die diese Inszenierung zur Explosion bringt. Viel verpufft in lauer Luft. Was kann man da sagen? Ja oder Nein oder auch Vielleicht.

Salzburg, 31. 7. 2014

www.salzburgerfestspiele.at

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-2014/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-jedermann/