Rolando Villazón ist neuer Intendant der Mozartwoche

Juni 26, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Startenor kommt mit Juli 2017 nach Salzburg

Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum Salzburg und Rolando Villazón, Mozartwochen Intendant ab 2019. Bild: ISM/Wolfgang Lienbacher

Montagvormittag gab die Stiftung Mozarteum Salzburg eine Sensation bekannt: Sie präsentierte Rolando Villazón als neuen Intendanten der Mozartwoche Salzburg. Der weltweit gefeierte Opernsänger, Regisseur und Schriftsteller übernimmt zum 1. Juli 2017 die künstlerische Leitung des renommierten Festivals und verbindet damit seine internationalen Aktivitäten als Mozartbotschafter mit der Planung und Umsetzung der Mozartwoche. Dis erste komplett von Villazón konzipierte Festival wird 2019 stattfinden, sein Vertrag läuft zunächst über fünf Mozartwochen bis 2023.

Rolando Villazón beschäftigt sich seit über einem halben Jahrzehnt intensiv mit Mozarts Werk und Leben. Neben Auftritten in szenischen Produktionen in Salzburg, Wien, Mailand, London und Berlin hat er alle Konzertarien für Tenor aufgenommen und diese auf einer europaweiten Konzerttournee präsentiert. Er ist Initiator und künstlerischer Motor des von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen und mehrfach Grammy-nominierten „Mozart-Zyklus“ der Deutschen Grammophon, der die letzten sieben Opern Mozarts dirigiert von Yannick Nézet-Séguin umfasst.
.
Rolando Villazón: „Wolfgang Amadé Mozart ist einer der liebsten Freunde der gesamten Menschheit. Es gibt keinen anderen Komponisten, der gleichermaßen so bewundert und geliebt wird. Ich fühle mich glücklich, geehrt und dankbar mich der enormen Verantwortung zu stellen, dem Meister als neuer Intendant der Mozartwoche, dem bedeutendsten Mozart-Festival der Welt, zu dienen. Dass dies in Salzburg passiert, Mozarts Geburtsort und eine Stadt, die solch wunderbaren Einfluss auf mein Leben und meine Karriere genommen hat, macht dieses Abenteuer noch besonderer. Viva Mozart!“
Wien, 26. 6. 2017

Volksoper: Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit

Juni 13, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Hohepriester des Glamrock

Drew Sarich als Antonio Vivaldi und Morten Frank Larsen als Kardinal Ruffo mit dem Jugendchor der Volksoper. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Es ist schwer, etwas zu schreiben, wenn ringsum alles ständig in frenetischen Jubel ausbricht. Aber ehrlich, „Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit“, das ist, als wäre die Wallgasse explodiert, und große Brocken davon hätten die Währinger Straße applaniert. Die Neuerfindung BaRock-Oper ist nicht einmal ein One-Hit-Wonder, einfach, weil nicht einer drin ist. Christian Kolonovits hat einen wabernden Soundteppich komponiert.

Achtziger-Jahre-Glamrock-Bombast, aus dem ab und zu ein Stückl Vivaldi hervorlugt. Die vier Jahreszeiten, meist der – Achtung, doch ein Ohrwurm – Frühling, weil der ja aus Werbung und Fahrstühlen bestens bekannt. Dazu hat Angelika Messner ein Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Libretto verfasst. Es ist ein Glück, dass es in Brocken oft edle Einschlüsse gibt, und als ein solcher entstieg Drew Sarich der musikalischen Tonnenlast und brachte die Volksoper zum Funkeln.

Die Handlung von „Vivaldi“ ist nicht nur ein Mix aus Fakt und Fiktion, sondern gleichsam die Skript gewordene Matrjoschka-Puppe: Es gibt nicht eine Klammer, sondern zwei. Eine venezianische Girl Group kommt nach Wien, wo Vivaldi 1741 gestorben ist, um die Partitur zur mysteriösen „Fünfen Jahreszeit“ zu suchen. Stattdessen findet sich ein Tagebuch von Paolina Girò, Vivaldis Haushälterin und Schwester seiner Muse und großen Liebe Annina. Die Mädchen lesen – und treffen auf einen gealterten Vivaldi, der Goldoni seine Lebensgeschichte erzählt, damit der daraus ein Theaterstück macht. Wirklich war Goldoni zwei Mal Librettist für Vivaldi – und beide Male ging’s nicht ohne Reibereien ab.

Vivaldis Lebensbericht beginnt bei seinen Jahren als Wunderknabe, Priesterweihe, Leitung des Mädchenorchesters des Ospedale della Pietà, die Girò-Schwestern, Ruhm, Hochmut, Fall – weil seine Musik im Laufe der Jahre aus der Mode kam, Rom, Demütigung, Wien in Hoffnung auf den Kaiser, der stirbt erst, dann Vivaldi. Goldoni ist dem Geschehen zu diesem Zeitpunkt bereits irgendwie abhanden gekommen. Aber die Mädchen! Haben erkannt! „Die fünfte Jahreszeit“ sind … na? na? – genau! Dass sich das Ganze allem Anschein nach bierernst nimmt, macht die Sache nicht besser, eine tatsächlich witzige Szene von halbnackten römischen Kardinalen in der Sauna (in der sich „heiß“ sehr günstig auf „Schweiß“ reimt) wirkt dadurch wie ein Fremdkörper.

Rebecca Nelsen (Annina Girò), Drew Sarich (Antonio Vivaldi). Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Boris Pfeifer (Carlo Goldoni / Kaiser), Drew Sarich (Antonio Vivaldi), Rebecca Nelsen (Annina Girò), Julia Koci (Toni / Paolina Girò), Chor. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Drew Sarich (Antonio Vivaldi), Komparserie. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Der historisch belegte Umstand, dass da ein geweihter Priester jahrelang eine ménage à trois lebte, wird als Reibefläche verschenkt. Ebenso die – nicht belegten – pädophilen Neigungen von Vivaldis Mentor Kardinal Ruffo. Auch der in Rom verlangte Sangeswettstreit Koloratursopran vs Kastrat wird nicht ausgereizt. Seufz. Mehr Steilvorlagen hat der Stoff nicht. Vivaldis Leben, lucky him, ist ungefähr so konfliktbelastet wie eine gutbelegte Quattro Stagioni. Um das wenige, das da ist zu unterstreichen, stürzt sich die Regie auf greifbare Stereotype:

Drew Sarich steigt direkt aus dem Totenkopf-Tank-Top in die Soutane. Huch, welch ein Rebel! Christoph Cremers weitere Kostüme schwelgen in grellen Pink-Gelb-Kombinationen von Minirock und Krinoline, dazu schrille Falco/Amadeus-Perücken.

Wer’s tatsächlich rausreißt, sind die Darsteller. Drew Sarich ist ein sexy Priester-Punk, der sich, wenn recht gehört, bis zum Hohen H emporschraubt. Sein spitzbübischer Charme, mit dem er den Prete Rosso ausstattet, sein Bühnencharisma sind wie immer unübertroffen. Boris Pfeifer brilliert als pfiffiger Goldoni, ein Spielmacher, der über die Bühne turnt – und in Ermangelung des echten, die Persiflage eines Kaisers gibt. Rebecca Nelson und Julia Koci sind schön stimmgewaltig als Annina und Paolina, Koci rockt als Toni auch noch als Teil der Girl Group.

Der Mädchenchor der Volksoper ist musikalisch hinreißend und teenagerzickig sympathisch. Und Countertenor Thomas Lichtenecker als Paradiesvogel-Kastrat Cafarelli holt einen im Wortsinn aus dem Sitz. Schade, dass er nur einen Song hat. Morton Frank Larsen ist als Kardinal Ruffo der sinistre Bösewicht des Stücks, allerdings erscheint die Partie für ihn ein wenig zu tief.

Der vielleicht schönste Auftritt in „Vivaldi“ ist der von Annina beim Vorsingen. Da kommt sie „verkleidet“ als große Diva, bis Vivaldi ihr sagt, sie solle die Perücke runterräumen und aus dem Fummel steigen: „Du musst dich von allen Klischees befreien!“ Was soll man sagen? Annina hat’s getan …

www.volksoper.at

Wien, 13. 6. 2017

Wiener Festwochen: Mondparsifal Alpha 1-8 (Erzmutterz der Abwehrz)

Juni 5, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Jonathan Meese und der Urknall im Universum Wagnerz

Die Gralsritter sind auf dem Mond gelandet und haben gleich einen Eiskasten (re.) aufgestellt: Wolfgang Bankl, Sven Hjörleifsson und Johanna von der Deken. Bild: 2017 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM

Im Vorfeld hatte man sich zwei Mal versprochen und gemeint, man gehe in „Mondbasis Alpha 1“, für alle, die diese alte Science-Fiction-Serie noch kennen. Peinlich? War’s dann nicht mehr. Der österreichische Komponist Bernhard Lang und Universalkapazunder Jonathan Meese haben Wagners „Parsifal“ in der Tat auf den Mond geschossen. So kam bei den Festwochen „Mondparsifal Alpha 1-8 (Erzmutterz der Abwehrz)“ zur Uraufführung. Eine Überschreibung.

Der Grüne Hügel hatte eine ohnedies Light-Produktion des Originals nicht gewollt, Intendant Tomas Zierhofer-Kin schnell zugegriffen und das Projekt zu einem eigenständigen weiterentwickeln lassen – und man kann sich nun beruhigt zurücklehnen und sagen: Solange es einen Kulturmanager wie ihn in dieser Stadt gibt, wird Wien nicht Bayreuth werden.

Denn die Aufführung ist genialisch-großartig. Der Urknall im Universum Wagnerz sozusagen. Und wurde vom Publikum – das bis auf eine Handvoll Flüchtlinge bis zum Schluss gespannt und erwartungsfröhlich blieb – mit Riesenjubel und noch mehr Applaus bedankt. Jonathan Meese empfing es mit Standing Ovations, der, so sichtlich gerührt, dass er die (beschlagene?) Brille abnehmen musste, küsste sich durch seine Künstler und sein Leading Team. Es ist unwahrscheinlich, dass auch nur einer auf der Bühne seinem Schmatz entkam.

Tómas Tómasson leidet als irre gewordener Amfortas als wirbelnder Lollipopallergie. Bild: 2017 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM

Wohnsitz der Ritter ist die Villa Wahnfried. In der Mitte Daniel Gloger als Parzifal-Zed mit Gralsholzgliederpuppe. Bild: 2017 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM

„Mondparsifal Alpha 1-8“ ist erstaunlich viel Wagner, ist echt Oper, nicht Performance. Bernhard Lang, der auch das Libretto verfasste, hielt sich ziemlich exakt an die Handlung des Bühnenweihfestspiels. Bis auf einen Schlusspunkt: Kundry darf bei ihm leben. Ein Akt der Emanzipation, wäre doch auch ein noch so hehres Erlösungsfrauenopfer im 21. Jahrhundert irgendwie seltsam. In seiner Komposition fehlt keine Wagnernote, er hat sie neu arrangiert, dekonstruiert und wieder zusammengesetzt.

Und das Ergebnis sind teil lyrische Töne gleich Sphärenklängen, dann muten Passagen jazzig an, wobei verstärkt Schlagwerk und Synthesizer zum Einsatz kommen. Die persönlich liebste Stelle ist das Vorspiel zum zweiten Aufzug: eine Reverenz an die Musik von 1970-Jahre-Krimiserien, sehr suspense-ig und rasant.

Das korreliert naturgemäß mit Meeses Konzept. Der führt nämlich eine Menge neuer Figuren ein, beziehungsweise definiert er die vorhandenen neu. Der Individualmythologe – und in dieser Funktion ist er durchaus Wagner-Epigone – geht auch diesmal dieser seiner Lieblingsfunktion nach. In roter Schrift (in weißer darüber der gesungene Text) verkündet er sein Manifest, und das switcht zwischen Kunst conquers all und Mach‘ Kunst or die trying.

Sein Parsifal wird später auf der Bühne die Diktatur der Kunst ausrufen. Meese nimmt Richard Wagner so ernst, dass er an ihm Spaß haben kann – und das muss man mit dem Humor nehmen, den der Abend versprüht. Keine politische Kraft ist stärker als das Lachen, und Narren sind so frei, wie die Kunst es zu sein hat. Das hat das Premierenpublikum erkannt und amüsiert sich prächtig.

Meese zitiert alles, was nicht bei drei im dritten Rang ist. Er bedient sich aus der Trash- und Popkultur, aus Schundheftchen, bei alten Filmen und noch früheren Fernsehserien. Sein Bühnenbild ist erst eine explodierte Mondlandschaft (mit Rieseneiskasten, denn schließlich geht’s unter den Rittern sehr um Fressen und für Amfortas ums Gefressenwerden), er zeigt seine Version der Villa Wahnfried als Gralshort und einen Wicker Man, in der Menschenopferburg residiert Klingsor. Im dritten Aufzug lässt er zum Karfreitagszauber Fritz Langs „Die Nibelungen“ laufen. Der Meister selbst residiert in Loge eins und zeichnet, schreibt und collagiert live.

Die Figuren hat er sich auf seine Weise anverwandelt: Parsifal ist im heißen roten Höschen und mit Proletenschnäuzer der Zed aus „Zardoz“, ein Sean-Connery-Lookalike, und man muss sagen, dass der Sir nie einen schlechteren Film gemacht hat. Kundry ist Barbarella, und als sie Parsifal täuschen will und sich als Herzeleide ausgibt, kommt sie mit einem Indianerkanu aus den Ewigen Jagdgründen. Meese hat für eine Minute seiner Inszenierung mehr Ideen (und noch dazu lauter logische), als andere Regisseure im ganzen Leben.

The writing on the wall. In der Loge rechts der Chef beim Livezeichnen, -schreiben und collagieren. Bild: 2017 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM

Und endlich Erlösung: Daniel Gloger als C3PO-Parzifal mit Zardoz-Maske lässt sich von den Mangamädchen feiern. Bild: 2017 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM

Gurnemanz ist ein etwas beleibterer Meese-Klon, natürlich er der Spielmacher. Amfortas hat was von Captain Kirk und leidet an wirbelnder Lollipopallergie, nein, natürlich, die Wunde ist eine Hypnosescheibe. Klingsor schließlich schaut aus wie ein abgefuckter Elvis, und seine bösen Mädchen wie einem Mangamärchen entsprungen. Am Ende wird Parsifal ein goldener C3PO-König sein, mit Zardoz-Maske, auch diese Kombination stimmt: Der Sklave, der sich selbstermächtigt, der „Brutale“, der ein „Ewiger“ wird. Und, dass er mit der Frage „Würdest du Gott töten?“ konfrontiert wird, passt auf Meese wie hingespuckt, der durch Kunst alle Herrschaftssysteme und ergo auch Religionen vernichten will. „Entmitläufert euch!“ ist seine schönste Message.

Gesungen wird in Deutsch, Englisch, Französisch und einer Kunstsprache, die mit Hojotoho! und Wallala, weiala weia! ohne Weiteres mithalten kann. Die Solistinnen und Solisten sind in dieser exaltierten Arbeit allesamt auf der Höhe, getragen von der höchst inspirierten Dirigentin Simone Young, den wunderbaren Klangforum Wien und Arnold Schoenberg Chor.

Countertenor Daniel Gloger ist als Parsifal darstellerisch wie sängerisch eine Sensation, der Mann hat offenbar Kondition ohne Ende – und Improvisationstalent, als die Hynosewunde nicht am heiligen Speer haften bleiben will. Magdalena Anna Hofmann gibt der Kundry mit ihrem sicher geführten Sopran Kraft. Die Bassbaritone Wolfgang Bankl als Gurnemanz, Tómas Tómasson als Amfortas mit dem irren Blick und Martin Winkler als Klingsor überzeugen mit jedem Ton. Winkler, wie man ihn kennt und schätzt, bringt natürlich schauspielerisch eine komische Note ein.

Am Ende gibt’s für alle Eis. Vanille, Erdbeer und Schokolade retten die Welt als Quadrat, Kreis und Dreieck. Dramaturg Henning Nass hat’s in der Werkeinführung erklärt, eine Hommage an Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Es folgt der Unendlichachter und Parsifals Aufforderung an Kundry: Ruf mich an! Weiter geht’s nun im Oktober in Berlin mit „Mondparsifal Beta 9-23 (Von einem, der auszog, den „Wagnerianern des Grauens“ das „Geilstgruseln“ zu erzlehren …)“. Thomas Oberender war schon spicken, und er wird wohl daheim berichten, dass man sich freuen kann.

www.festwochen.at

Wien, 5. 6. 2017

Seefestspiele Mörbisch 2017: Der Vogelhändler

April 24, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum 60-Jahr-Jubiläum ein Operettenklassiker

Staatsoperntenor Thomas Ebenstein singt – hier umringt von seinen gefiederten Freundinnen – den Vogelhändler Adam. Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Es ist ein Klassiker der Operette, den Intendantin Dagmar Schellenberger ihrem Publikum mit dem „Vogelhändler“ 2017 präsentiert. Nach beinah zwei Jahrzehnten Abwesenheit, finden und lieben Christel und Adam einander ab 7. Juli wieder auf der Seebühne in Mörbisch. Die Hits „Grüß enk Gott, alle miteinander“, „Ich bin die Christel von der Post“ und „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ sind Operettenliebhabern bestens bekannt.

Genau das richtige Werk also für die Jubiläumssaison – 60 Jahre, die die Seefestspiele heuer begehen. „Ich freue mich sehr, dass wir unser Jubeljahr mit diesem wunderbaren Werk von Carl Zeller feiern“, so Schellenberger bei der Programmpräsentation am Montagvormittag im Wiener Theatermuseum – wo „Adam“ Thomas Ebenstein, der Kärntner ist Staatsopernbesuchern seit 2012 als Ensemblemitglied bekannt und derzeit in der Alvis-Hermanis-Inszenierung des „Parzifal“ zu sehen, auch gleich eine Kostprobe seines Könnens gab.

Frank Philipp Schlößmann, Mirko Mahr, Gerrit Prießnitz, Dagmar Schellenberger und Axel Köhler bei der Pressekonferenz. Bild: © Seefestspiele Mörbisch

Flix, flux, flax, Florian! Thomas Ebenstein gibt bei der Präsentation im Wiener Theatermuseum eine erste musikalische Kostprobe. Bild: © Seefestspiele Mörbisch

„Im ,Vogelhändler‘ werden Themen verhandelt, die zutiefst menschlicher Natur sind und die in der Vergangenheit genauso relevant waren, wie sie es in der Zukunft sein werden, denn es geht um die Sehnsucht nach der großen ehrlichen und ausschließlichen Liebe, die dunklen Seiten der Macht und die lächerlichen Auswirkungen übergroßer Eitelkeit“, sagt Axel Köhler, der für die Inszenierung verantwortlich zeichnet. „Die amüsante Erzählweise und die hochemotionale Musik haben diese Operette zu den beliebtesten Werken ihres Genres werden lassen. Und eben diese Leichtigkeit, das permanente Augenzwinkern der Verfasser gilt es, auf der Bühne sichtbar und zum Erlebnis werden zu lassen. Mein Ziel ist es, unseren Zuschauern ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, das sie nach dem Genuss des Abends in Mörbisch mit in den Schlaf nehmen werden.“

Das Bühnenbild wird wieder opulent – mit riesiger Kukucksuhr, Singvögeln, einem Jagdfalken und einer waschechten Wildsau (re.). Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Frank Philipp Schlößmann

„Das Bühnenbild stellt sich wie ein großes Pop-up-Buch dar, das durch bewegliche Elemente das Publikum überrascht. Ein Beispiel dafür ist die überdimensionale Kuckucksuhr, die im Fokus der Seebühne steht“, erklärt Frank Philipp Schlößmann, der das Bühnenbild entworfen hat.  Der spielerische Umgang mit dem Stück setzt sich auch bei den Kostümen fort. „Dieses Jahr werden es 100 Kostüme für Statisterie, 200 Kostüme für Ballett und 32 Kostüme für Solisten sein. Alleine für die Damen-Kostüme der Hofgesellschaft werden gerade 160 Laufmeter Tüll für 25 pastellfarbene „Tüllbomben“ verarbeitet, die so groß sind, das alle Türen ausgehängt werden müssen und ein Handkuss nur aus gebührenden Abstand möglich wird“, gibt Armella Müller von Blon Einsicht in ihre Kostümentwürfe.

Die Choreographie sieht sich beim „Vogelhändler“ mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert, da in der Operette keine Balletteinlage im herkömmlichen Sinn vorgesehen ist. „Da eine Operette ohne Ballett auf der Seebühne Mörbisch undenkbar ist, war es also unsere Aufgabe, nach Möglichkeiten zu suchen, um das wunderbare Ballett der Seefestspiele Mörbisch wirkungsvoll und erfrischend in die Inszenierung zu integrieren. So werden zum Beispiel Adam, dem Vogelhändler, eine Schar erotisch anmutender Vögel zur Seite gestellt und die Christel von der Post ist von tollpatschigen Brieftauben umgeben. Außerdem wird unser Publikum zünftige Tiroler Trachtenpaare zu Gesicht bekommen und nicht zuletzt ein prunkvolles „Rosenballett“ erleben dürfen. Aber ich will nicht zu viel verraten“, so Choreograph Mirko Mahr.

Zu sehen sind in dieser Inszenierung Sieglinde Feldhofer alternierend mit Martina Fender als Christel, Thomas Ebenstein und Paul Schweinester als Adam, Cornelia Zink beziehungsweise Elena Puszta als Kurfürstin Marie, Dagmar Schellenberger als Adelaide, Wolfgang Dosch und Gerhard Ernst als Professoren Süffle und Würmchen, Horst Lamnek oder Rupert Bergmann als Baron Weps und Maximilian Mayer im Wechsel mit Philipp Kapeller als Graf Stanislaus.

Intendantin Dagmar Schellenberger singt die Adelaide. Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Tschank

Sieglinde Feldhofer als Postbotin Christel, Thomas Ebenstein als Vogelhändler Adam und Cornelia Zink als Kurfürstin Marie. Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Anlässlich 60 Jahre Mörbisch haben sich auch Stars vergangener Jahre angesagt. Allabendlich wird Dagmar Schellenberger mit einigen von ihnen plaudern, danach stehen die Publikumslieblinge ihren Fans für Autogramme und Gespräche zur Verfügung. Angekündigt sind unter anderem: Guggi Löwinger und Gerhard Ernst am 14. Juli, Adolf Dallapozza und Susanne Kirnbauer-Bundy am 15. Juli, Sona Ghazarian und Heinz Zednik am 20. Juli, Helga Papouschek und Kurt Schreibmayer am 22. Juli, Gabi Bischof und Sandor Nemeth am 27. Juli. Am 17. August tritt der  Gründungschor der Seefestspiele Mörbisch auf, am 18. August Dagmar Koller.

www.seefestspiele-moerbisch.at

Wien, 24. 4. 2017

Volksoper: Das Programm der Saison 2017/18

April 23, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Maria Happel gibt ihr Debüt als Musicaldarstellerin

Ein bunter Premierenreigen erwartet das Publikum der Volksoper in der Saison 2017/18. Bild: © Johannes Ifkovits

Acht Premieren, eine europäische und eine österreichische Erstaufführung, vier Wiederaufnahmen, dazu 20 Repertoirestücke sowie zahlreiche Sonderprogramme stehen in der 11. Saison der Direktion Robert Meyer auf dem Spielplan der Volksoper.

Zum Saisonauftakt bringt das Haus Jule Stynes Broadway-Hit Gypsy nach Wien. Die Lebensgeschichte von Rose Louise Hovick, die unter dem Namen Gypsy Rose Lee als schillernder Burlesque-Star weltberühmt wurde, zählt zu den Klassikern des amerikanischen Musicals. Nun kommt die Geschichte von Mama Rose, die alles nur Erdenkliche tut, um die Theaterkarrieren ihrer Töchter June und Louise voranzubringen, erstmals auf die Bühne der Volksoper. Werner Sobotka inszeniert, Lorenz C. Aichner übernimmt die musikalische Leitung. Burgschauspielerin Maria Happel gibt als ehrgeizige Gypsy ihr Musicaldebüt, ihre Töchter Louise und June werden von den Hausdebütantinnen Lisa Habermann und Marianne Curn verkörpert. Premiere ist am 10. September.

Mit Giuseppe Verdis Oper Die Räuber (I masnadieri) setzt die Volksoper ihre Tradition fort, das Repertoire um selten gespielte Werke zu erweitern. Verdi komponierte das Stück 1847 nach Friedrich Schillers gleichnamigen Sturm-und-Drang-Drama für das Haymarket Theatre in London. Der Ideengeber für das Werk war Verdis langjähriger Freund, der Dichter Graf Andrea Maffei, und der Komponist, der eine Vorliebe für explosive Vater-Kind-Beziehungen hatte, fand Gefallen an dem Stoff rund um den Konflikt des ungleichen Brüderpaars Karl und Franz Moor. Alexander Schulin inszeniert Verdis Frühwerk mit Kurt Rydl als Graf Moor und Vincent Schirrmacher und Boaz Daniel als dessen Söhne Karl und Franz. Premiere ist am 14. Oktober.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von der Holzpuppe, die zum Leben erwacht und deren Nase wächst, wenn sie lügt? Inspiriert durch den gleichnamigen Kinderbuchklassiker Carlo Collodis schufen der italienische Komponist Pierangelo Valtinoni und sein Textdichter Paolo Madron 2001 für das Teatro Olimpico in Vicenza die Kinderoper Pinocchio. In der österreichischen Erstaufführung singt die junge Sopranistin Juliette Khalil die Titelpartie. Philipp M. Krenn gibt als Regisseur sein Hausdebüt, Guido Mancusi dirigiert das Orchester der Volksoper Wien. Zu sehen ab 19. November.

Dem wohl berühmtesten Liebespaar aller Zeiten widmet Choreograph Davide Bombana seine neue Auftragsarbeit für das Wiener Staatsballett, Roméo et Juliette, zur gleichnamigen Symphonie dramatique von Hector Berlioz. Für Bombana ist es nach „Ballett: Carmen“ die zweite abendfüllende Uraufführung an der Volksoper. Für eine spektakuläre Ausstattung garantiert die Stuttgarter Bild- und Lichtkünstlerin rosalie. Premiere ist am 9. Dezember.

„Gehen wir ins Chambre séparée“, so lautet die verführerische Devise in Richard Heubergers Der Opernball. Gemeinsam mit den Librettisten Victor Léon und Heinrich von Waldberg gestaltete er aus dem Lustspiel „Die rosa Dominos“ eine Operette. Das Ergebnis des kongenialen Trios: ein virtuos komponiertes amouröses Verwirrspiel rund um zwei lebenslustige Gatten (Carsten Süss und Marco Di Sapia), die von ihren Frauen (Kristiane Kaiser und Ursula Pfitzner) auf die Treueprobe gestellt werden. 216 Mal war die Operette seit 1945 in drei verschiedenen Inszenierungen an der Volksoper zu sehen. In der aktuellen Neuproduktion verlegt Regisseur Axel Köhler die Handlung von Paris nach Wien und in die heutige Zeit. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Alfred Eschwé, Anita Götz zieht als freches Kammermädchen Helene alle Fäden und Heinz Zednik kehrt als Theophil Almpichler auf die Bühne zurück. Premiere ist am 17. Februar.

Rebecca Nelsen als „Marily Forever“ im Kasino am Schwarzenbergplatz. Bild: © Johannes Ifkovits

Familie Moor: Vincent Schirrmacher, Kurt Rydl und Boaz Daniel. Bild: © Johannes Ifkovits

Burgschauspielerin Maria Happel gibt als „Gypsy“ ihr Musicaldebüt. Bild: © Johannes Ifkovits

Fußballfans kennen ihn in- und auswendig – den Song „You’ll Never Walk Alone“. Seit mehr als 50 Jahren gilt er in der Interpretation der britischen Popband „Gerry & the Pacemakers“ als die ultimative Stadionhymne. Dabei wissen wahrscheinlich nur die wenigsten, dass das Lied eigentlich von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein stammt und für das Musical Carousel entstanden ist. Die tragische Liebesgeschichte von Billy Bigelow und Julie Jordan basiert auf Molnárs Bühnenstück „Liliom“. Regisseur Henry Mason setzt den Klassiker gemeinsam mit seinem Ausstatter Jan Meier in Szene. Das Regieduo hat bereits 2014 die Erfolgsproduktion „Der Zauberer von Oz“ für das Haus erarbeitet und trifft nun erstmals auf Musicalspezialisten Joseph R. Olefirowicz am Pult des Volksopernorchesters. In der Titelpartie gibt Daniel Schmutzhard als Karussell-Ausrufer Billy Bigelow sein Musicaldebüt, Mara Mastalir singt seine Julie. Premiere ist am 17. März.

Im Kasino am Schwarzenbergplatz kommt das Leben von Hollywood-Legende Marilyn Monroe auf die Bühne. Gavin Bryars‘ Kammeroper Marilyn Forever wurde 2013 in Victoria, Kanada, uraufgeführt und seither zwei weitere Male, im australischen Adelaide und in Kalifornien, nachgespielt. Die Volksoper produziert nun in der Regie von Christoph Zauner die europäische Erstaufführung des Stücks. Ausgehend von der letzten Nacht im Leben Marilyn Monroes, dem 5. August 1962, entfalten sich vor dem Publikum die Szenen der Oper wie Puzzleteile, die den Mythos Marilyn abbilden. Ein Regisseur (Morten Frank Larsen) konfrontiert Marilyn (Rebecca Nelsen) in einer fiktiven Probensituation mit den Widersprüchen ihres Lebens und schlüpft in die Rollen ihrer Männer. Ein kleiner Chor kommentiert das Geschehen. Das achtköpfige Kammerorchester unter der Leitung von Wolfram-Maria Märtig wird durch ein Jazztrio auf der Bühne ergänzt. Zu sehen ab 14. April.

Als Gasparone 1884 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde, war das Publikum begeistert und Carl Millöcker bereits weltberühmt. Paul Knepler und Ernst Steffan adaptierten Millöckers Original für Superstars wie Johannes Heesters, Marika Rökk und Leo Slezak und orientierten sich dabei musikalisch stark an den Revue-Operetten der 1920er-Jahre. Die Volksoper zeigt nun diese Fassung aus dem Jahr 1932 mit dem bekannten Lied „Dunkelrote Rosen“ in der Regie von Olivier Tambosi, der hier zuletzt das Musical „Der Mann von la Mancha“ brillant in Szene setzte. Sebastian Geyer gibt als geheimnisvoller Fremder sein Debüt an der Volksoper Wien, Mara Mastalir spielt seine Angebetete, die schöne verwitwete Gräfin Carlotta. Premiere ist am 2. Juni.

Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Johann Strauß‘ „Eine Nacht in Venedig“, Dvořáks Märchenoper „Rusalka“, dem mörderischen Barbier „Sweeney Todd“ und Jorma Elos „Ein Sommernachtstraum“. Im Repertoire bleiben unter anderem die Erfolgsproduktionen „Axel an der Himmelstür“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23082), „Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24112) und „Hoffmanns Erzählungen“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23452). Das umfangreiche Kulturvermittlungsprogramm wird weiter ausgebaut und firmiert nun unter dem Namen „Junge Volksoper“. Zum Schluss präsentierte die Volksoper noch ihre Zahlen der Saison 2015/16: Mit insgesamt 315.382 Besuchern konnte eine Sitzplatzauslastung von 83,24 Prozent erreicht werden; die Einnahmen aus dem Kartenvertrieb betragen 9,68 Millionen Euro.

www.volksoper.at

Wien, 23. 4. 2017