Die Volksoper probt und spielt wieder

Juni 10, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

An den Juni-Wochenenden gibt es drei Konzerte

Bild: © Volksoper Wien

Nach vielen Wochen der #Corona-bedingten Schließung ist wieder Leben und Musik in die Volksoper zurückgekehrt. Bereits seit 2. Juni wird intensiv für die Eröffnungs- premiere „Sweet Charity“ und die Wieder- aufnahmen von „Kiss me, Kate“ und „Die lustige Witwe“ im September geprobt. Doch schon im Juni will das Haus fürs Publikum spielen: An den kommenden Juni-Wochenenden sind

jeweils drei Konzerte für maximal 100 Besucherinnen und Besucher mit dem Orchester der Volksoper Wien geplant. An den Samstagen finden jeweils zwei Konzerte um 15.30 Uhr und 18 Uhr statt, an den Sonntagen jeweils ein Konzert um 18 Uhr.

Am 13. und 14. Juni spielt das Orchesters der Volksoper Wien unter der Leitung von Guido Mancusi und mit den Solistinnen Bettina Gradinger und Vesna Stanković-Moffatt Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Rezitation: Robert Meyer. Das Salonorchester unter der Leitung des Volksopernoboisten Josef Bednarik präsentiert am 20. und 21. Juni gemeinsam mit den Solisten Anita Götz und Christian Drescher Werke von Joseph Lanner, Franz Lehár, Hermann Leopoldi und Josef Strauss. Moderation: Christoph Wagner-Trenkwitz Den Abschluss bilden drei Operetten- und Musicalkonzerte am 27. und 28. Juni unter der Leitung von Lorenz C. Aichner. Johanna Arrouas, Rebecca Nelsen, Elisabeth Schwarz, Ben Connor, Michael Havlicek und Vincent Schirrmachter singen Werke von Franz Lehár, Johann Strauß, Emmerich Kálmán, Harold Arlen und Lerner & Loewe. Moderation: Magdalena Hoisbauer.

Karten zum Einheitspreis von € 15,– sind seit heute erhältlich. Aus Sicherheitsgründen werden ausschließlich Einzel-Sitzplätze im Parkett angeboten. Die Konzerte haben keine Pause.

www.volksoper.at

10. 6. 2020

Bühne Baden: Hurra, wir spielen!

Juni 10, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Die blaue Mazur“ mit Oliver Baier als Conférencier

Bild: Lukas Beck

„Hurra, wir spielen!“, heißt es vonseiten der Bühne Baden, wo man dank der #Corona-Lockerungen ab dem 31. Juli wieder Operette live präsentieren will. Hausherr und Regisseur Michael Lakner hat die für diesen Sommer geplante Hommage an Franz Lehár – „Die blaue Mazur“ – neu bearbeitet. Daraus entstanden ist eine komplett andere Fassung:

Eindreiviertel Stunden ohne Pause, ohne Chor und Ballett – aber dafür mit enormen Schwung und Wortwitz. Mit dabei ist Publikumsliebling und  TV-Star Oliver Baier als Conférencier und Comedian, der mit seinem unvergleichlichen Humor durch das Stück führen wird.

„Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, diese Würdigung Lehárs doch noch diesen Sommer zu spielen. Wir feiern doch heuer gleich zwei wichtige Geburtstage: Zum einen den 150. Geburtstag dieses großen Komponisten,

der rast- und ruhelos immer wieder neue exotische musikalische Welten entdeckt hat, die er dann in sein Werk einfließen ließ. In unserem Fall holte sich Lehár seine Inspirationen aus dem Sehnsuchtsort Polen und all seinen betörenden polnischen Rhythmen und Tänzen“, so Lakner. „Zum anderen feiert ,Die blaue Mazur‘ just auch in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen.“

Genug Anlass für Lakner also, dies Bijou von seiner Patina zu befreien. Lakner: „Die exklusiv für Baden geschriebene Fassung ist ein spritziges, kammermusikalisches Lustspiel im modernen Kleid einer „well made comedy“ – also ein lustvolles Tür auf/Tür zu-Verwechslungsspiel mit schwungvoller Musik.“ Gemäß des diesjährigen Spielzeitmottos „Religion und Glaube“ ist die Handlung im Wiener jüdischen Milieu Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt – und erzählt eine On/Off-Liebesbeziehung zwischen einem polnischen Grafen jüdischer Herkunft, gespielt von Clemens Kerschbaumer und einem Wiener Mädel, dargestellt von Sieglinde Feldhofer.

Um das richtige Maß an Authentizität für die jüdische Kultur und den berühmten jüdischen Witz zu erlangen, hat sich Lakner Ezzes von Ruth Brauer-Kvam geholt. Die humoristische Würze erhält das Stück durch die Doppelrolle des Buffotenors: Der brave, angepasste Studiosus, der in einem bizarren Männerhaushalt lebt, verwandelt sich nächstens in einen leidenschaftlichen Draufgänger. „Eine wunderbare Rolle für Ricardo Frenzel Baudisch, um sein komödiantisches Können unter Beweis zu stellen,“ ist sich Lakner sicher. Zusätzliche Komödiantik ergebe sich dadurch, „dass wir in dieser neuen Fassung nicht alle handelnden Personen mit Darstellern besetzen können“.

„Deshalb wird Oliver Baier als Conférencier immer wieder in verschiedene Rollen – von Freyhoff, Alois Putz, Galina Vodkarova, aber auch in die eines Chaffeurs – schlüpfen, um auszuhelfen“, erklärt Lakner. Das, in Verbindung mit den schwungvollen, mitreißenden Lehármelodien, verspricht ein amüsanter Abend zu werden.

www.buehnebaden.at

10. 6. 2020

Wiener Staatsoper: Das Haus am Ring öffnet wieder

Juni 5, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Konzerte mit Michael Schade und Juan Diego Flórez

Die Künstlerinnen und Künstler des Hauses. Bild: © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Nach vielen Wochen der #Corona-bedingten Schließung freut sich das Haus am Ring, schon bald wieder für sein Publikum öffnen zu dürfen: In insgesamt 14 Konzerten für maximal 100 Besucherinnen und Besucher wird wieder Musik in der Wiener Staatsoper erklingen. Geplant ist eine abwechslungsreiche Reihe von klavierbegleiteten Lieder- und Arienabenden im Großen Haus.

Vor dem Eisernen Vorhang, die von Ensemblemitgliedern des Hauses sowie von internationalen Gastsolistinnen und -solisten gestaltet werden. Auch ein Termin der beliebten Reihe „Kammermusik der Wiener Philharmoniker“ wird nun nachgeholt. Den Auftakt macht am 8. Juni ein Liederabend von Günther Groissböck, es folgen die Publikumslieblinge Tomasz Konieczny am 11. Juni, Camilla Nylund am 15. Juni, Michael Schade am 18. Juni, Juan Diego Flórez am 20. Juni und Krassimira Stoyanova am 25. Juni.

Am 9. Juni steht ein Ensemblekonzert mit Werken von Mozart auf dem Programm, es folgen Werke des Belcanto am 12. Juni sowie Konzerte aus dem französischen, deutschen und slawischen Repertoire am 16., 19. und 22. Juni. Am 24. Juni gibt man Werke von Puccini und des Verismo. Als Abschluss findet am 27. Juni das „Galakonzert des jungen Ensembles“ statt. Dabei treten all jene Sängerinnen und Sänger auf, die in der Direktion von Dominique Meyer eine besondere Rolle spielten und im Ensemble waren: eine Art musikalischer Rückblick – auch mit dem Orchester der Wiener Staatsoper.

Alle Konzerte werden als Livestream auf www.staatsoperlive.com kostenlos übertragen.

www.wiener-staatsoper.at

5. 6. 2020

Russkaja-Frontmann Georgij Makazaria singt Anatevka

Juni 1, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Bühne Baden: Das Programm der Spielzeit 2020/21

Anatevka: Georgij Makazaria spielt den Milchmann Tevje. Bild: Lalo Jodlbauer

Nachdem zuletzt „Im Weißen Rössl“ und „Sunset Boulevard“ #Corona-bedingt abgesagt werden mussten, immerhin noch die Hoffnung keimt, dass die Premiere von „Die Blaue Mazur“ doch noch wie geplant am 31. Juli stattfinden kann, stellte Michael Lakner, künstlerischer Leiter der Bühne Baden, nun sein Programm für die Spielzeit 2020/21 vor. „Als ich an die Konzeption der Saison heranging, konnte ich nicht ahnen, wie brandaktuell ihr Motto sein würde: Arm und Reich“, so Lakner. „Die Brisanz des Themas ist überbordend.

Viele Menschen werden ihre Arbeit verlieren. Es wird Monate, ja Jahre dauern, bis wir die gesamte Tragweite dieses Weltenbrandes ermessen werden können. Deswegen finde ich es gut und richtig, dass auch die Bühne Baden als Unterhaltungstheater sich mit diesem Thema auseinandersetzt.“ Dies mit Stücken, die allesamt Klassenunterschiede und/oder prekäre wirtschaftliche Verhältnisse zum Inhalt haben, in die Menschen unverschuldet geraten sind oder in denen sie leben müssen.

Lakner: „Und damit nicht alle Festveranstaltungen zu Beethovens rundem Geburtstag entfallen müssen, werden wir gleich zu Beginn der neuen Saison für Tanzbegeisterte Beethovens Lebens- und Liebesgeschichte zu seiner unsterblichen Geliebten als Ballettabend präsentieren: in neuem musikalischen Gewand wird das Ballett der Bühne Baden – unterstützt durch das Europaballett St. Pölten – einen für die ganze Familie geeigneten Theaterabend bieten. Die schönsten Musikstücke Beethovens werden dabei als muskalischer Leitfaden dienen.“ „Ludwig van tanzt“, ein poetischer Ballettabend von Michael Kropf wird am 3. Oktober uraufgeführt. Den Beethoven gibt Beethoven Daniel Greabu.

„Anatevka“ in einer Inszenierung von Volker Wahl und Michaela Ronzoni folgt am 24. Oktober. Dieser absolute Musicalklassiker beschreibt das Dorfleben im Schtetl Anatevka im Russischen Reich. Alles dreht sich um den armen Milchmann Tevje, der sich mit seiner Frau Golde um gleich fünf Töchter kümmern muss, die ihre eigenen Vorstellungen haben, was das Heiraten betrifft. „Wenn ich einmal reich wär’“ wird man von Russkaja-Chef Georgij Makazaria hören, der den Tevje spielt, Maya Hakvoort die Golde. Und mutmaßlich unvergesslich wird Tania Goldens Erscheinen als Oma Zeitel sein.

Ludwig van tanzt: Daniel Greabu als Beethoven. Bild: Lalo Jodlbauer

Robin Hood: Matthias Trattner als grüner Bogenschütze. Bild: Lalo Jodlbauer

Neun: Drew Sarich als Guido Contini im Fellini-Musical. Bild: Lalo Jodlbauer

Für den 14. November bereitet Robert Persché das von ihm mit Walter Raidl verfasste Familienmusical „Robin Hood“ zur Badener Erstaufführung vor. Robin aka Matthias Trattner, ein junger Mann aus Nottingham, führt mit seinen fröhlichen Gesellen, unter anderem Caroline Vasicek und Florian Resetarits, ein abwechslungsreiches, spannendes Leben im Sherwood Forest. Das wäre ganz wunderbar, hätte Robin nicht Freude daran, die Reichen zu berauben und die Beute unter den Armen zu verteilen. Prinz John ist fuchsteufelswild. Er hat den Platz von König Richard Löwenherz eingenommen, der sich gerade auf Kreuzzug befindet und ist ganz versessen darauf, mit Hilfe des skrupellosen Sheriffs von Nottingham seinen Reichtum zu vermehren. So plant er ein großes Bogenschützenturnier, bei dem die bezaubernde Maid Marian dem Sieger einen goldenen Pfeil überreichen soll …

Cornelia Horak ist ab 19. Dezember die „Gräfin Mariza“. Ihr folgt am 23. Jänner Patricia Nessy als clevere Heiratsvermittlerin Dolly Gallagher Levi: „Hallo, Dolly!“ inszeniert von Michael Lakner. Dem wohlhabenden Kaufmann Horace Vandergelder, den es unter die Haube zu bringen gilt, wird Andreas Steppan Format verleihen. Isabella Gregor übernimmt die Regie bei „La Traviata“ mit Premierentermin 27. Februar. Gespannt sein darf man auf Sebastian Reinthaller als Alfred Germont, seine Violetta ist Jay Yang. „Der Vetter aus Dingsda“ mit Gerhard Ernst als Onkel Josse ist ab 24. April zu sehen. Mit „Eine Nacht in Venedig“, Premiere am 18. Juni, verlagert sich das Geschehen in die Sommerarena.

Zwei bemerkenswerte Premieren gibt es im Juli: „Neun“ ab 9. Juli im Stadttheater und „Eva“ ab 30. Juli in der Sommerarena. „Neun“ ist ein Musical von Arthur Kopit und Maury Yeston nach dem Film „8 1/2“ von Federico Fellini, bei dem Ramesh Nair Inszenierung und Choreografie übernehmen wird. Der vom Erfolg verwöhnte Drehbuchautor und Filmregisseur Guido Contini musste einige Niederlagen einstecken: Neben seinen persönlichen Problemen als Womanizer waren seine letzten Filme allesamt Misserfolge. Seiner einstmals reichen Kreativität beraubt und durch seine zahlreichen Liebschaften innerlich zerrissen, gerät er in eine Midlife-Crisis.

La Traviata: Jay Yang und Sebastian Reinthaller. Bild: Lalo Jodlbauer

Hallo, Dolly! mit Patricia Nessy als clevere Witwe. Bild: Lalo Jodlbauer

Eva: Sieglinde Feldhofer in Lehárs Operettenrarität. Bild: Lalo Jodlbauer

Als er in dieser angeschlagenen Situation gedrängt wird, einen Film zu machen, gerät er vollends in geistige Verwirrung. Er begibt sich zu einem Kuraufenthalt in ein mondänes venezianisches Bad. Erst die Erscheinung seines neunjährigen Ichs erlöst ihn aus seiner Krise und führt ihn zur Reifung seines Charakters: Er erkennt, dass seine Frau Luisa die wahre Liebe seines Lebens ist. Das Musical, 1982 mit 5 Tonys ausgezeichnet, kommt in Baden zur Österreichische Erstaufführung. Drew Sarich schlüpft in die Rolle des Guido Contini, neben Sarichs Ehefrau Ann Mandrella singt auch Carin Filipčić.

Bei Franz Lehárs Operettenrarität „Eva“ führt Michael Lakner Regie. Das arme Waisenkind Eva, dargestellt von Sieglinde Feldhofer, ist der Augenstern ihres Pflegevaters, des Werksführers einer französischen Glasfabrik. Der Dandy Octave Flaubert übernimmt die Fabrik von seinem Vater und fühlt sich zur unschuldigen Eva hingezogen. Er führt sie zu einem großen Ball aus, versucht, sie zu verführen und bringt dadurch die gesamte Belegschaft, die die Patenschaft über Eva innehat, gegen sich auf. Als Eva merkt, dass Octave nur auf eine Affäre aus war, flüchtet sie nach Paris. Wie in einer perfekten Operette üblich, bekommt Cinderella am Ende aber doch noch ihren Prince Charming… Wunderschöne Musik durchzieht dieses Lehár-Märchen für Erwachsene, das zuletzt in der Saison 1955 / 1956 in Baden zu erleben war.

„Seit Thespis im antiken Hellas mit seinem Karren Theateraufführungen unter freiem Himmel organisiert hat, ist Theater aus den Köpfen der Menschen nicht mehr wegzudenken“, sagt Michael Lakner. „Gerade in Krisenzeiten hat Kultur immer ihren großen Stellenwert als moralische Stütze einer Gesellschaft unter Beweis gestellt: als Hort der Unterhaltung, wo man auf andere Gedanken kommen kann und die Sorgen an den Nagel hängt. Der Wegfall des gemeinsamen Erlebens einer Theateraufführung fühlt sich an wie Freiheitsentzug.“ Diesen zu beenden, setzt die Bühne Baden spannende erste Schritte.

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1. 6. 2020

Volksoper: Robert Meyer präsentiert die Saison 2020/21

Mai 27, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Wir lassen uns von #Corona nicht entmutigen“

Bild: © Volksoper Wien

„Am 10. März um 11 Uhr Vormittag haben wir noch ,My Fair Lady‘ vor einem begeisterten jungen Publikum gespielt. Doch während der Vorstellung erreichte uns die Nachricht, dass ab sofort sämtliche Veranstaltungen mit mehr als einhundert Personen untersagt sind. Es war ein

Schock für uns alle – Solistinnen, Solisten, Chor, Orchester und Bühnenarbeiter waren wie gelähmt. Aber niemand hätte geglaubt, dass diese Vorstellung die letzte der Spielzeit sein würde“. Mit diesen Worten beginnt Volksopern-Direktor Robert Meyer seine Präsentation der Saison 2020/21. Fest entschlossen, sich von Ungewissheiten nicht entmutigen zu lassen, ist Meyer bereit, das Haus „zum ehestmöglichen Zeitpunkt“ wieder zu öffnen. Vorgesehen ist dafür fürs Erste der 6. September – mit Volksopernfest und Eröffnungskonzert.

„Müssten wir unsere Produktionen für 2020/21 unter ein Motto stellen, würde dieses wohl lauten: ,Die Hoffnung stirbt zuletzt'“, so Meyer weiter. „Es ist fast beängstigend, zeugt aber von der dauernden Gültigkeit großer Bühnenwerke, wie der Reigen unserer Premieren Antworten auf die gegenwärtige Krisensituation gibt, ohne dass wir diese zum Zeitpunkt der Planungen voraussehen konnten.“ Worauf sich Meyer bezieht, sind die Highlights des vielfältigen Programms: „Dort irgendwo draußen wartet die Welt …“, so träumt das Mädchen Charity Hope Valentine, in deren Namen sich Mitgefühl, Hoffnung und Liebe vereinen, in dem Musical „Sweet Charity“.

Am 13. September soll Broadway-Ikone Bob Fosses Vision nach Federico Fellinis Film „Die Nächte der Cabiria“ Premiere haben, ein Projekt, für das Fosse einerseits keinen Geringeren als den populären Dramatiker Neil Simon, andererseits den bis dahin relativ unbeachteten Komponisten Cy Coleman gewann. Dessen farbenreich-mitreißende Partitur, die zwischen klassischem Broadway-Sound, Jazz, Gospel und frühem Pop oszilliert, attestiert der Legende Fosse bis heute ein glückliches Händchen. Cy Colemans größter Hit dieses Musicals „Big Spender“ führt in jenes New Yorker Halbwelt-Milieu, dem die Titelheldin Charity Hope Valentine entspringt – eine junge Frau, die trotz herber Enttäuschungen den Glauben an das Gute im Menschen nie aufgibt.

Mit „Sweet Charity“ begeht die Volksoper ihre Saisoneröffnung 2020 und gleichzeitig die Erstaufführung des Werks am Haus. Mit Lorenz C. Aichner am Pult und in der Regie von Johannes von Matuschka schlüpft Lisa Habermann in die Rolle der süßen Charity. Pamina und Tamino stellen sich in Mozarts Meisterwerk „Die Zauberflöte“ gemeinsam allen Prüfungen. Nun laden zur Premiere am 17. Oktober Henry Masons Neuinszenierung und die musikalische Neueinstudierung durch Anja Bihlmaier zu einem frischen Blick auf diesen Fixstern des Volksopern-Repertoires ein. In der Verdi-Oper, die konzertant in Franz Werfels deutschsprachiger Nachdichtung präsentiert wird, unterliegen die Hauptpersonen hingegen in tragischer Weise der „Macht des Schicksals“.

Werfel hat nicht nur eine höchst poetische Übertragung geschaffen – Alvaros große Arie, „La vita è inferno all’infelice“, beginnt hier mit den Worten „Die Welt ist nur ein Traum der Hölle“ -, sondern auch wirkungsvoll in den Ablauf eingegriffen: So erklingt die berühmte Ouvertüre erst nach dem schicksalhaften Pistolenschuss, der Leonores Vater tötet und sie von ihrem Liebsten trennt. Von ihrem rachsüchtigen Bruder Carlos gehetzt, flüchtet Leonore in ein Kloster und wird erst im Sterben wieder mit Alvaro vereint sein. Premiere wird am 7. November, der Dirigent Jac van Steen sein. Die Leonore singt Melba Ramos.

Die Macht des Schicksals: Melba Ramos. Bild: © Johannes Ifkovits

Sweet Charity: Lisa Habermann. Bild: © Andrea Peller

Into the Woods: Juliette Khalil. Bild: © Johannes Ifkovits

Kaum eine menschliche Gabe ist zur Bewältigung schwieriger Zeiten wichtiger als der Humor – und der wird in Franz von Suppés Operette „Der Teufel auf Erden“ großgeschrieben. Als Nachtrag zu den Feierlichkeiten von Suppés 200. Geburtstag bietet das Haus nun ab 5. Dezember diese reizvolle Rarität: Der Teufel ist aus der Hölle verschwunden! Höllenknecht Ruprecht wird beauftragt, ihn auf Erden zu suchen. Dort gesellt sich mit dem Engel Rupert ein ungleicher Weggefährte zu ihm. Ein Nonnenkloster im 17. Jahrhundert, eine Kaserne im 19. Jahrhundert und eine Tanzschule im Heute sind die Stationen der atemlosen Fahndung nach dem Höllenfürsten.

Um dem, wie Suppé-Biograf Hans-Dieter Roser schreibt, „fröhlichen, musikalisch-anspruchsvollen Ganzen“ neue Prägnanz zu verleihen, hat Alexander Kuchinka den ursprünglichen aktuell-zeitkritischen Ansatz pointiert ins Heute übertragen. Der mit fantasievollen Produktionen mehrfach Volksopern-bewährte Ausstatter-Regisseur Hinrich Horstkotte inszeniert, am Pult Alfred Eschwé, als Ruprecht und Rupert sind Robert Meyer und Christian Graf zu sehen. Stephen Sondheims Musical „Into the Woods“ erzählt von Mut und Zusammenhalt in der Grenzsituation des gefahrenreichen dunklen Waldes, von Urängsten, verkörpert in Hexen und Riesen. Im März 2020 vollendete Stephen Sondheim sein 90. Lebensjahr. Nach „Die spinnen, die Römer!“ und „Sweeney Todd“ nimmt die Volksoper nun am 13. März zum dritten Mal ein Musical des Giganten in den Spielplan.

Auch in dem 1987 uraufgeführten „Into the Woods“ vereinen sich Klugheit, Witz und musikalische Eleganz in ganz besonderer Weise. Es sind Großteils wohlbekannte Figuren, die man in den Märchenwald begleitet: Rotkäppchen begegnet auf dem Weg zur Großmutter dem Wolf, Aschenputtel verliert den Schuh und findet ihren Prinzen. Der Bäcker und seine Frau kämpfen gegen den Fluch der bösen Hexe an, um ihren Herzenswunsch nach einem Kind zu erfüllen. Die Geschichten verschränken sich, allgemeine Zufriedenheit führt … in die Pause. Doch was passiert mit Märchengestalten eigentlich nach dem Happy End? Das erfahren die Zuschauer im zweiten Teil dieses modernen Meisterwerks, … denn auch Erwachsene brauchen Märchen! Dirigent ist James Holmes, die Regie von Olivier Tambosi, Robert Meyer tritt als Erzähler/Geheimnisvoller Mann auf – und DrewSarich als böser Wolf.

Das Thema von Brittens letzter Oper, „Death in Venice“, das Über/Leben in Zeiten einer Cholera-Epidemie, muss nicht weiter auf Aktualität untersucht werden. Thomas Manns 1912 erschienene Novelle, dieser Erzählung von Genie und ästhetischem Empfinden, Obsession, Homoerotik und Tabu faszinierte nicht nur Luchino Visconti, der den Stoff 1971 verfilmte, sondern auch Benjamin Britten, der 1973 mit seiner letzten Oper eines seiner dichtesten und abgründigsten Werke schuf. In einer Inszenierung des schottischen Regisseurs David McVicar, die in atemberaubender Weise die Atmosphäre Thomas Manns aufnimmt und meisterhaft widerspiegelt, wird das Werk nun erstmals an der Volksoper aufgeführt. Am Pult wird Gerrit Prießnitz stehen, den Gustav von Aschenbach singt Rainer Trost. Premiere ist am 17. April

Auch das Wiener Staatsballett, ab sofort unter der Leitung von Martin Schläpfer, präsentiert drei Premieren an der Volksoper, von denen Meyer eine besonders herausgreift: „In Brahms’ ,Ein Deutsches Requiem‘ singt die Solistin Worte, die uns Mut geben: ,Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.'“ Johannes Brahms schuf mit seinem op. 45 eine der ungewöhnlichsten Versionen der Totenmesse: Über alle Grenzen von Religionen, Konfessionen und Nationen wollte er sich erheben und hätte im Titel entsprechend „recht gern auch das ‚deutsch‘“ fortgelassen und „einfach den ‚Menschen‘ gesetzt“. Mit Martin Schläpfers Ballett kommt eines der international erfolgreichsten Werke des neuen Wiener Staatsballett-Direktors am 30. Jänner an die Volksoper.

Hollands Meister: Fitzka, Pokorný, Severi und Yuko Kato. Bild: © Tillmann Franzen

Der Teufel auf Erden: Robert Meyer und Christian Graf. Bild: © Johannes Ifkovits

Promethean Fire: Yuko Kato und Calogero Failla. Bild: © Tillmann Franzen

Davor vereint unter dem Titel „Hollands Meister“ die erste Premiere des Wiener Staatsballetts am 20. September drei Werke der ehemaligen Leiter des Nederlands Dans Theaters, mit dessen Gründung 1959 in der Geschichte des Balletts ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde. „Skew-Whiff “ bedeutet so viel wie „windschief“ und setzt der Fantasie, verschiedenste Fortbewegungen spielerisch auszuprobieren oder aus unsanften Stürzen erhebend komische Situationen zu machen, keine Grenzen: ein großer Spaß des Choreographenduos Sol León & Paul Lightfoot. Hans van Manens Beethoven-Ballett „Adagio Hammerklavier“ ist dagegen in seiner Konzentration und Klarheit ein sublimes Meisterstück. Und Jiří Kylián schuf mit seiner „Symphony of Psalms“ zu Strawinskis gleichnamiger Komposition ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts. In seiner charakteristischen temporeich-fließenden Bewegungssprache entfaltet er eine faszinierende spirituelle Architektur.

Mit der Premiere „Promethean Fire“ präsentiert das Wiener Staatsballett am 15. Mai zwei herausragende Künstler des American Modern Dance: Paul Taylor und Mark Morris. Taylors „Promethean Fire“ soll als direkte Reaktion auf die Anschläge von Nine-Eleven entstanden sein. Und wenn der Choreograph diese konkrete Assoziation später auch wieder zurückzog, so liegt doch eine katastrophische Grundstimmung im Raum: Konflikte brechen aus, Emotionen stoßen aufeinander – am Ende siegt jedoch die Hoffnung in diesem bewegenden Tanzdrama.

Mark Morris bringt dagegen mit seinem wunderbaren Humor neun Beaux auf die Bühne: schöne Männer, echte Kerle, aber auch Kumpel, Kavaliere und unschuldige Engel. Zugleich ist „Beaux“ aber auch ein in seiner Leichtigkeit höchst anspruchsvolles, luzides „Musizieren mit dem Körper“. Der kräftigen Modern Dance-Sprache der beiden Amerikaner antwortet Martin Schläpfer mit zwei Miniaturen: subtile, in feinen Farben leuchtende Bewegungsstudien, ein Programm, das an den äußeren Rändern des Prometheus-Motivs angesiedelt ist, zwischen Hybris und Menschlichkeit, Katastrophe und Schönheit, Schöpfung und Vergänglichkeit.

Im Kasino am Schwarzenbergplatz zeigt die Volksoper am 14. Juni die Österreichische Erstaufführung der berühmtesten Liebesgeschichte der klassischen arabischen Literatur: „Leyla und Medjnun“ in einer Inszenierung von Ruth Brauer-Kvam. Leyla liebt den melancholischen Dichter Medjnun, doch dieser liebt die Liebe an sich. Trennung, Verbannung, eine erzwungene Heirat und ewige Sehnsucht sind ihr Los. Und so ahnt Leyla, dass sie als Geliebte in der Welt von Medjnuns Versen keinen Platz haben wird … Detlev Glanerts Oper wurde 1988 bei der Münchner Biennale für zeitgenössisches Musiktheater uraufgeführt.

Die Komposition besticht – inspiriert von ihrem Sujet – durch ihre lustvolle Synthese von Orient und Okzident, ergänzt sie doch ein klassisches Kammerorchester durch das orientalische Saiteninstrument Ud. Literarische Basis des Werkes ist die gleichnamige Erzählung des persischen Autors Nizami aus dem 12. Jahrhundert. Sagt Glanert: „Es hat einmal jemand behauptet, die Musik ließe sich unterscheiden in Kopf-, Herz- und Bauchmusik. Darf ich in Anspruch nehmen, alle drei zu wollen?“, und Robert Meyer abschließend: „Liebe, Hoffnung, Zusammenhalt – das sind, ohne übermäßiges Pathos zu bemühen, die Botschaften unseres Spielplans.“ Seine Herzensangelegenheit für diese so nahe-ferne Zukunft: „Möge das Publikum, das ist mein inständiger Wunsch, in den Genuss dieses Spielplans kommen!“

Direktor Robert Meyer. Bild: © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

TIPP: Heute Abend stellt Volksopern-Chef Robert Meyer auf ORF III, 19.45 Uhr, in „Kultur Heute Spezial“ der Spielplan der Saison 2020/21 vor. Statements zu den geplanten Produktionen geben Regisseurin Ruth Brauer-Kvam und Regisseur Henry Mason, Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz, Dirigent Alfred Eschwé sowie der künftige Leiter des Wiener Staatsballetts Martin Schläpfer. Lisa Habermann, Julia Koci und Caroline Frank singen außerdem „There’s gotta be something better than this“ aus der Eröffnungspremiere „Sweet Charity“.

www.volksoper.at           Video: www.youtube.com/watch?v=WgFINKhqJ78

27. 5. 2020