Leopold Museum: WOW! The Heidi Horten Collection

Februar 9, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Vom deutschen Expressionismus bis zur US-Pop-Art

Marc Chagall, Les Amoureux, 1916 © Courtesy Heidi Horten Collection. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection © Bildrecht, Wien, 2017

Mit der Ausstellung „WOW! The Heidi Horten Collection“ wird ab 16. Februar eine der beeindruckendsten europäischen Privatsammlungen erstmals öffentlich gezeigt. Die Präsentation im Leopold Museum folgt dem lang gehegten Wunsch der Sammlerin, die seit den 1990er-Jahren sorgfältig zusammengetragenen Meisterwerke von Gustav Klimt über Andy Warhol bis Damien Hirst einem breiten Publikum zugänglich zu machen. So zeigt die Ausstellung mehr als 150 Werke aus 100 Jahren Kunstgeschichte und bietet zugleich einen individuellen Blick auf das Spektrum an Kunst, das Heidi Goëss-Horten unter einem Dach vereinen konnte.

Der deutsche Expressionismus sowie die amerikanische Pop-Art bilden dabei die größten Werkgruppen. Mit Exponaten von MarcChagall, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Gustav Klimt, August Macke, Franz Marc, Henri Matisse, Joan Miró, Edvard Munch, Pablo Picasso, Egon Schiele, Francis Bacon, Georg Baselitz, Jean-Michel Basquiat, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Lucian Freud, Damien Hirst, Alex Katz, Yves Klein, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Gerhard Richter, Mark Rothko, Andy Warhol und andere mehr.

Die Schau zu Beginn des Jahres 2018 sieht Direktor Wipplinger als die Fortsetzung eines Epochen überschreitenden Weges in der Programmierung. „Nicht nur, dass es uns durch die Initiative von Agnes Husslein-Arco gelungen ist, die erstmalige Präsentation einer der beeindruckendsten europäischen Privatsammlungen in unserem Haus zeigen zu können, ergeben sich in dieser Schau auch schöne Querblicke zur Sammlung von Rudolf Leopold.“ Agnes Husslein-Arco erwähnt, dass es der Sammlerin besonders wichtig ist, Kinder und Jugendliche an die Kunst heranzuführen, und sie sponsert deswegen großzügig das Kunstvermittlungsprogramm wie den freien Eintritt jeden Donnerstagabend von 18 bis 21 Uhr.

Francis Bacon, Study for Portrait of Henrietta Moraes, 1964 © Courtesy Heidi Horten Collection. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection The Estate of Francis Bacon, All rights reserved © Bildrecht, Wien, 2017

Aandy Warhol, Four-Foot Flowers, 1964 © Courtesy Heidi Horten Collection. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Bildrecht, 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

www.leopoldmuseum.org

9. 2. 2018

Albertina: Das Wiener Aquarell

Februar 9, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Virtuosen der Wasserfarbenmalerei

Moritz Michael Daffinger: Porträt Marie Daffinger, 1828. Privatbesitz

Leichtigkeit, Transparenz, Unmittelbarkeit und Strahlkraft der Farben sind besondere Qualitäten der Wiener Aquarellmalerei des 19. Jahrhunderts. Virtuose Stadtansichten und Landschaften, Porträts, Genrebilder und Blumenstücke ergeben den reichen Motivschatz, der mit künstlerischem Virtuosentum vorgetragen wird. Die Albertina zeigt nun ab 16. Februar in der Ausstellung „Das Wiener Aquarell“ einen Bilderreigen von mehr als 200 Werken aus den eigenen Sammlungen, bereichert durch wertvolle Leihgaben.

Den Höhepunkt erreicht die künstlerische Ausdrucksform der Aquarellmalerei, die so leicht wirkt und doch so schwer zu erzielen ist, im Biedermeier. Die wichtigsten Auftraggeber sind das Kaiserhaus und die Hocharistokratie, zunehmend aber auch das vermögende Bürgertum.

Jakob Alt, Matthäus Loder, Thomas Ender, Peter Fendi und Moritz Michael Daffinger zählen zu den bedeutendsten Künstlern dieser Zeit, später sind es Anton Romako und August von Pettenkofen. Sie alle aber überragt Rudolf von Alt, in dessen 45-jähriger Schaffenszeit die erlesensten Beispiele der Aquarellmalerei entstehen. Er behauptet sich mit seiner Kunst auch noch in der Welt der Wiener Ringstraße und der Secession. Seine Werke spannen so den weiten Bogen vom Biedermeier bis zur Kunst um 1900.

Peter Fendi: Die Prinzessinnen Elise und Fanny Liechtenstein mit ihrer Erzieherin, 1838. Albertina, Wien

Rudolf von Alt: Blick in die Alservorstadt, 1872. Albertina, Wien

Mit der Ausstellung „Das Wiener Aquarell“ sollen nun anhand besonders aussagekräftiger Werke die Entwicklung und die unterschiedlichen Anwendungsmethoden dieser Kunst veranschaulicht und der hohe Stellenwert belegt werden. Die Wahl des Titels liegt darin begründet, dass die meisten Künstler der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Blüte gelangten Wasserfarbenmalerei in Wien geboren wurden oder für ihre Ausbildung aus den Kronländern der Monarchie oder aus deutschen Fürstentümern in die Hauptstadt kamen:

Carl Schütz aus Laibach, Heinrich Friedrich Füger aus Heilbronn, Karl Postl aus Bechin in Böhmen, Jakob Alt aus Frankfurt am Main. Fast alle besuchten die Wiener Akademie oder waren dort lehrend tätig. In der kaiserlichen Residenzstadt fanden sie ihre Auftraggeber und die Möglichkeit der künstlerischen Entfaltung.

Die Schau ist in sechzehn Kapitel gegliedert: Übung mit Farbe, Wie Malerei, Heinrich Friedrich Füger, Ereignisbilder, Künstler im Dienst von Erzherzog Johann, Im Sonnenlicht, Rudolf von Alt und Wien, Das Wiener Genre, Moritz Michael Daffinger – Das Wiener Porträt und die Blumenmalerei, Künstler auf Reisen, Im Auftrag des Kaisers – die Guckkastenserie Kaiser Ferdinands I., Thomas Ender – Landschaft mit Bravour, Rudolf von Alt – Ein Beitrag zur Weltkunst, August von Pettenkofen, Anton Romanko sowie Rudolf von Alt – Ein Beitrag zur Weltkunst. Die Präsentation belegt einmal mehr, dass neben der englischen Aquarellkunst des 18. und 19. Jahrhunderts zu Recht alleine diejenige Wiens Weltgeltung erlangt hat.

www.albertina.at

9. 2. 2018

Bank Austria Kunstforum Wien: Man Ray

Februar 9, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Grenzgänger der „schönen“ Künste

Man Ray: Noire et Blanche,1926 (um 1970). Privatbesitz, Courtesy Galerie 1900-2000, Paris © Man Ray Trust/Bildrecht, Wien, 2017/18

Ab 14. Februar zeigt das Kunstforum der Bank Austria die Ausstellung „Man Ray“: Man Ray (geboren als Emmanuel Radnitzky 1890 in Philadelphia, gestorben 1976 in Paris) wurde stets vor allem als Fotograf rezipiert. Weitreichende Berühmtheit erlangte er für seine Künstler-Fotoporträts und seine kameralos aufgenommenen Rayografien der 1920er Jahre. Dass Man Ray jedoch malte, zeichnete, designte, Filme drehte, Objekte entwarf, Schriften verfasste.

Sich auch für Typografie, Buch- und Magazingestaltung begeisterte und eine veritable Karriere als experimenteller Modefotograf bei Harper’s Bazaar und Vogue verfolgte, will die aktuelle Schau vor Augen führen. Während Man Rays Fotografie in keiner Überblicks-Ausstellung zu Dadaismus und Surrealismus fehlt, ist er bis dato im deutschsprachigen Raum als Universal-Künstler nur wenigen ein Begriff. Sein Grenzgängertum bezieht sich dabei nicht nur auf die verschiedensten Medien, sondern auch auf die zwei Kunst-Metropolen des 20. Jahrhunderts – Paris und New York – wo Man Ray abwechselnd lebte.

Die Ausstellung des Bank Austria Kunstforum Wien wird sich „dem ganzen Man Ray“ widmen und sich kritisch mit lebenslangen Themen auseinandersetzen, die sein Werk durchwegs kennzeichnen wie etwa die Nähe und Distanz zwischen männlicher und weiblicher Körperlichkeit und Kreativität und ihre Inszenierung im Werk. Die Schau wird auch Man Ray als „friend to everyone who was anyone“ zeigen, der in den glamourösesten gesellschaftlichen Zirkeln verkehrte und so als Prototyp des künstlerischen Netzwerkers und Impulsgebers fungierte.

Man Ray: Autoportrait, 1937/71. Sammlung Marion Meyer, Paris © Galerie Eva Meyer, Paris. © Man Ray Trust/Bildrecht, Wien, 2017/18

Man Ray: Violon d’Ingres, 1924 (1990). Courtesy Galerie Johannes Faber © Man Ray Trust/Bildrecht, Wien, 2017/18

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Auswahl von 200 Schlüsselwerken aus der ganzen Welt, darunter Gemälde, Fotografien, Objekte, Papier- Arbeiten, Collagen, Assemblagen und experimenteller Film, wird die gleichsam enigmatische wie komplexe Künstlerpersönlichkeit Man Rays umreißen und zeigen, wie er – in kongenialer künstlerischer Komplizenhaftigkeit mit Marcel Duchamp – den Grundstein legte für wie und was wir heute als „Kunst“ betrachten.

www.kunstforumwien.at

9. 2. 2018

Bruno Gironcoli: In der Arbeit schüchtern bleiben

Februar 1, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

mumok: Der Bildhauer als Maler und Zeichner

Bruno Gironcoli: Ohne Titel, ca. 1964. Privatsammlung, Wien © Bruno Gironcoli Werk Verwaltung GmbH / Estate Bruno Gironcoli / Geschäftsführerin Christine Gironcoli

Die groß angelegte Retrospektive „Bruno Gironcoli: In der Arbeit schüchtern bleiben“, ab 3. Februar im mumok zu sehen, stellt erstmals den Maler und Zeichner Gironcoli in den Mittelpunkt. Auf zwei Ausstellungsebenen treten Papierarbeiten von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre in einen Dialog mit herausragenden Beispielen der Drahtplastiken, Polyesterobjekte, Installationen und Monumentalskulpturen des großen österreichischen Künstlers. Im Zwiegespräch erschließen sie neue Perspektiven auch auf Gironcolis bildhauerisches Werk.

In der Konfrontation von grafischem und plastischem Werk zeigt sich, dass Gironcoli seine Konzeption von Bildhauerei – von Dinglichkeit und Materialität – entscheidend auf Papier verhandelt: Er reflektiert dort beispielsweise die Eigenschaften von unterschiedlichen Aggregatzuständen und Werkstoffen oder auch das Verhältnis von gleichen und ungleichen Körpern zueinander sowie zum umgebenden Raum. Modi des Verbindens, Verknüpfens und Verkettens spielen eine zentrale Rolle. Auffällig ist die Faszination des Künstlers für das Schematische: für eine Ausdruckshaftigkeit, die nicht aus der Tiefe, sondern in der Fläche wirkt.

Dies zeigt sich in einem fixen Repertoire von Motiven, die Gironcoli in Reihen variiert und zudem nach langen Unterbrechungen wieder aufgreift, um sie neu zu „formatieren“.  Und im formelhaften Aufeinandertreffen unterschiedlicher Perspektiven und Ausdrucksweisen – von konstruktiven und expressiven Elementen, räumlichen Projektionen und atmosphärischen Effekten, akkuraten Linien und undisziplinierten Gesten. Gironcolis Papierarbeiten werden im Laufe seiner künstlerischen Karriere immer freier und scheinen sich damit vom bildhauerischen Werk zu entfernen. Insbesondere ab den 1980er-Jahren setzen sich kräftige Farben wie Pink, Violett oder Türkis zunehmend über grafische Begrenzungen hinweg und entwickeln ein malerisches Eigenleben. Der exzessive Einsatz der Malmittel – etwa der fast flüssig erscheinenden Metallfarben – verleiht den Großformaten selbst eine plastische Anmutung. Doch bleiben Skulptur und Grafik einander auch im Spätwerk eng verbunden: In beiden Disziplinen beschäftigen Gironcoli Fragen des Anhäufens und Schichtens; in beiden bedient er sich einer bewusst manieristischen Formen – und Materialsprache.

Bruno Gironcoli: Entwurf zur Veränderung von Säule mit Totenkopf, 1971. Courtesy Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © Bruno Gironcoli Werk Verwaltung GmbH / Estate Bruno Gironcoli / Geschäftsführerin Christine Gironcoli

Bruno Gironcoli: Elektrische Welt, ohne Jahr. Courtesy Privatsammlung © Bruno Gironcoli Werk Verwaltung GmbH / Estate Bruno Gironcoli / Geschäftsführerin Christine Gironcoli

Die Themen, die den Künstler zeit seines Lebens beschäftigten, nehmen auf visionäre Weise die Problemstellungen des 21. Jahrhunderts vorweg: das Verhältnis von Natur und Technik; individuelle und gesellschaftliche Zwänge (in den Bereichen Sexualität, politischen Ideologien und Religion); die fetischhafte Aufladung von Dingen und Waren; die Verführung durch Oberflächen …

Die Ausstellung zeigt auf, dass Gironcolis Werk nicht nur im Kontext der österreichischen und internationalen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wegweisende Position besetzt, sondern auch in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche und künstlerische Entwicklungen bemerkenswerte Anschlussmöglichkeiten bietet.

Die mit etwa 150 Werken auf Papier bestückte Retrospektive stellt den Bildhauer Gironcoli als einen Bildschöpfer vor, der abseits des Feldes der Malerei zu bahnbrechenden visuellen Lösungen fand. Als Künstler, der mittels Schablonen, klischeehafter Formeln und Wiederholungen der bildlichen Darstellung ungeahnte Möglichkeiten erschloss.

www.mumok.at

  1. 2. 2018

Belvedere 21: Günter Brus. Unruhe nach dem Sturm

Januar 31, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Umfassende Retrospektive zum 80. Geburtstag

Günter Brus: Portfolio Ana IV, 1964/2004. Bild: Khasaq (Siegfried Klein), © Belvedere, Wien mit Anna Brus

Anlässlich seines 80. Geburtstags würdigt das Belvedere 21 ab 2. Februar das Gesamtwerk von Günter Brus mit einer umfassenden Retrospektive. „Passend zum Jahresmotto ‚Spirit of ’68‘, das 2018 als Klammer für die gesamten Aktivitäten des Hauses fungiert, wird mit dieser Ausstellung Günter Brus als großer Kunstrebell der 1960er-Jahre gewürdigt. Fünfzig Jahre nach der radikalen Aktion ,Kunst und Revolution‘ zeigen wir, dass Brus nie aufgehört hat sich weiterzuentwickeln“, so Generaldirektorin Stella Rollig.

Günter Brus gehört heute zu den wesentlichen internationalen künstlerischen Positionen in Österreich. Als Vertreter des Wiener Aktionismus thematisiert der Künstler in den 1960er-Jahren mit eindringlicher Präsenz die physische und psychische Verfasstheit des Menschen und die Ausgesetztheit des Individuums gegenüber gesellschaftlichen Regelwerken. Mit seinem radikalen, körperbezogenen und performativen Werk gelingt es ihm, sich von der „Marke“ Wiener Aktionismus zu lösen und sich als wesentlicher Wegbereiter der internationalen Aktions- und Performancekunst in die Geschichte einzuschreiben. 1970 wendet sich Günter Brus von der Aktionskunst ab und beschäftigt sich zunehmend mit dem Medium Zeichnung, mit „Bild-Dichtungen“ und Theaterarbeiten.

Ein Anliegen dieser Schau ist die umfassende Präsentation der ausgewählten Serien. Neben den bekannten Aktionsfotos, ergänzt um bisher kaum gezeigtes Material, werden Brus’ serielle Zeichnungen und „Bild-Dichtungen“, darunter der 160-teilige Zyklus „Leuchtstoffpoesie und Zeichenchirurgie“, in ihrer Gesamtheit gezeigt. Insgesamt sind rund 120 Werkzyklen und Werke mit mehr als 700 Einzelobjekten in der Ausstellung zu sehen, darunter Filme und bisher unbekannte Werkserien. „Die Ausstellung  wirft einen Blick auf das gesamte Œuvre des Künstlers und macht Zusammenhänge sichtbar. So sind die Theaterprojekte, die Zeichnungszyklen und die Künstlerbücher genauso wie die frühe gestische Malerei und die bekannten Aktionen Indizien für Brus’ radikale Kunstauffassung einer konsequenten Zerstörung des Kunstwerks, genauer gesagt seiner traditionellen Gestalt als Tafelmalerei“, erläutert Kurator Harald Krejci.

Günter Brus, Portfolio Ana IV, 1964/2004. Bild: Khasaq (Siegfried Klein), © Belvedere, Wien (Bild: Johannes Stoll) mit Anna Brus

Günter Brus, Portfolio Ana IV, 1964/2004. Bild: Khasaq (Siegfried Klein), © Belvedere, Wien (Bild: Johannes Stoll) mit Anna Brus

Die Retrospektive öffnet sechs Themenfelder: Malerei im erweiterten Feld, Günter und Anna Brus, Bild und Narration, Kollaborationen, Theater und Psyche sowie die Berliner Zeit. Einen besonderen Fokus legt die Ausstellung auf Günter Brus’ Zusammenarbeit mit seiner Frau Anna, der Namensgeberin seiner ersten Performance. Aufgezeigt wird Anna Brus’ Anteil an der Erarbeitung der Aktionen. Anders als seine Mitstreiter Mühl oder Nitsch, die in ihren Arbeiten und im Umgang mit ihren Modellen dem Machismus verhaftet waren, hat Günter Brus immer mit seiner Frau kooperiert. Anna Brus sicherte den Lebensunterhalt für ihre Familie und wirkte in ihrer Freizeit bei Aktionen mit – ein Familienmodell, das in den frühen 1970er-Jahren sehr unüblich war. Inwieweit diese Form der Partnerschaft eine bewusste Entscheidung mit emanzipativer Grundhaltung war, bleibt offen. Fakt ist, dass Günter Brus Geschlechterrollen in seinem Werk immer wieder aufgreift und damit stereotype Zu schreibungen und Rollenbilder hinterfragt.

www.belvedere.at

1. 2. 2018