Volkstheater: Das Programm der Spielzeit 2018/19

Mai 3, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Auseinandersetzung mit dem Widersprüchlichen

Anna Badora. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

In der vierten Spielzeit von Anna Badora will das Volkstheater das Publikum dazu verführen, „seinen Überzeugungen untreu zu werden – probeweise“. Mehr denn je wolle die Bühne „als Ort für riskante Wahlmöglichkeiten, Utopien und Grenzüber- schreitungen“ dienen, so Badora bei der Spielplanpräsentation am Donnerstag. Die dabei gestellten Fragen nach Haltungen gehen von Klassikern aus – „Der Kaufmann von Venedig“, „Don Karlos“ (16. November), „König Ottokars Glück und Ende“ (12. Dezember) – ebenso wie von neuen Stücken, Christine Eders Politshow „Verteidigung der Demokratie AT“ (18. Oktober) und Ibrahim Amirs Drama „Rojava“, „Die rote Zora und ihre Bande“ (22. September). „Biedermann und die Brandstifter“ und „Endstation Sehnsucht“ komplettieren die Premieren im großen Haus.

Mit Dušan David Pařízek inszeniert erstmals ein Tscheche in Österreich Grillparzers habsburgisches Königsdrama, als Regisseur von Max Frischs Parabel kehrt auch Victor Bodo ans Volkstheater zurück. Ihre Debüts am Haus geben die polnische Regisseurin Barbara Wysocka – sie arbeitet zum ersten Mal in Österreich – sowie der Musiker und Regisseur Sandy Lopičić.

Robert Gerloff und Pınar Karabulut erweitern die Liste an jungen Kräften, die sich bis dato mit Studioproduktionen empfehlen konnten. Zur Saisoneröffnung am 8. September inszeniert Badora selbst Shakespeares „Kaufmann von Venedig“. Insgesamt stehen in der Saison 2018/19 sieben Ur- und Erstaufführungen auf dem Spielplan, im Volx/Margareten bearbeitet Alexander Charim „Opernball“ von Josef Haslinger für die Bühne, in den Bezirken geht Simon Stephens’ Erfolgsstück „Heisenberg“ (30. November) auf Tournee. Mit der Dramatisierung „Watschenmann“, den partizipativen Stückentwicklungen „Werte Familie“ und „Silver Surfer“ werden weitere Österreich-Bezüge gesetzt. Nestroy-Preisträger Felix Hafner inszeniert „Nach uns das All oder Das innere Team kennt keine Pause“, das neue Stück von Sybille Berg. In den Bezirken stehen außerdem „Der Weibsteufel“ (21. September), „Die Leiden des jungen Werther“ und „Der Raub der Sabinerinnen“ auf dem Programm.

Erfolgreich eingeführte Diskurs-Formate wie die Volkstheatergespräche mit Corinna Milborn und die Matineereihe „Trojanow trifft …“ mit Ilija Trojanow und seinen Gästen sind auch in der neuen Spielzeit im Angebot. „Wir bieten noch mehr Informationen“, so Badora. „Aber nicht als rohen Datenfluss, der die Köpfe überschwemmt und orientierungslos macht. Wir setzen sie in den Kontext unserer Lebenswelten. So hoffen wir, unseren Besucherinnen und Besuchern Bedeutung zu destillieren, im Dialog, in der Auseinandersetzung mit dem Widersprüchlichen, dem Anderen. Und ja, das gefährdet unser aller Überzeugungen. Seien Sie also gewarnt.“

www.volkstheater.at

  1. 5. 2018

Burgtheater: Das Programm der Spielzeit 2018/19

April 28, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Karneval der Wirklichkeit

Florian Hirsch, Hans Mrak, Klaus Missbach, Karin Bergmann, Thomas Königstorfer und Eva-Maria Voigtländer. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

„willkommen beim karneval der wirklichkeit!“ Das Zitat aus Miroslava Svolikovas „europa flieht nach europa“ steht über der nächsten Spielzeit der Direktion von Karin Bergmann, die sie am Freitag im Burgtheater präsentierte. Neben seiner politischen Komponente ist das Zitat ein wunderbares Theatermotto: Das unterhaltsame Spiel mit Schein und Maske, dahinter aber der ungeschminkte Blick auf das Sein, auf die Wirklichkeit. Starke 22 Premieren, darunter sieben Ur-und Erstaufführungen, sowie Projekte mit Josef Haslinger, Joachim Meyerhoff, Harald Schmidt und Michael Niavarani umfasst der letzte Spielplan von Bergmanns Direktion. Der Fokus liegt auf Theaterkunst in ihrer ganzen Vielfalt: große Stoffe und Texte, mit unterschiedlichen Handschriften aus der Perspektive der Gegenwart erzählt.

Eröffnet wird die Spielzeit am 5. September mit „Kommt ein Pferd in die Bar“ nach dem Roman von David Grossman, einer Koproduktion mit den Salzburger Festspielen und dem Deutschen Theater Berlin. Dušan David Pařízek wird Grossmans komisch-schonungslosen Roman auf die Bühne bringen. Im Burgtheater folgt am 7. September „Mephisto“, Klaus Manns scharfe und zeitlose literarische Analyse eines (un)politischen Feiglings, inszeniert von Bastian Kraft mit Nicholas Ofczarek in der Hauptrolle. Am 27. September hat die Inszenierung des aus Serbien stammenden Regisseurs Miloš Lolić „Kampf des Negers und der Hunde“ von Bernard-Marie Koltès im Akademietheater Premiere, eine Auseinandersetzung mit kolonialer Historie und Gegenwart. Und am 29. September wird Michael Thalheimer mit Andrea Wenzl und Merlin Sandmeyer Horváths Totentanz in brüchigen und gefährlichen Zeiten auf die Burg-Bühne bringen: „Glaube Liebe Hoffnung“.

Mit vielfältigen Handschriften von Regisseurinnen und Regisseuren wie Andrea Breth, Claus Peymann, Johan Simons, Georg Schmiedleitner, Barbara Frey, Christian Stückl und erstmalig Nikolaus Habjan werden Klassiker der Moderne aus der Perspektive der Gegenwart befragt: Was verraten Eugène Ionescos „Die Stühle“, Georg Büchners „Woyzeck“, Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“, Werner Schwabs „Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos“ oder, auf humorvolle Weise, Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“ über unsere heutige Gesellschaft? Wie entlarvend ist Sternheims grelle und temporeiche Farce „Der Kandidat“?

„europa flieht nach europa“ von Miroslava Svolikova ist ein akuter wie zeitloser Text über Europa, in dem sich Exzess- und Gewaltbilder zu einem grellen „karneval der wirklichkeit“ vermischen; nach der Uraufführung bei den Autorentheatertagen in Berlin wird die Inszenierung ab Oktober im Kasino zu sehen sein. Und im Vestibül wird „Beben“, das neue Stück von Maria Milisavljevic, erstaufgeführt. Simon Stone bringt seine Bearbeitung von „Medea“ nach Euripides mit dem Ensemble im Dezember im Burgtheater zur österreichischen Erstaufführung und im Akademietheater wird das erste deutschsprachige Stück des hochgelobten Schriftstellers Fiston Mwanza Mujila uraufgeführt: „Zu der Zeit der Königinmutter“. Im März wird Jan Bosse Clemens J. Setz’ Roman „Indigo“ auf die Bühne des Akademietheaters bringen und zu einer vorgezogenen Abschiedsfeier lädt im April Herbert Fritsch mit der Uraufführung seines Projekts „Das Zelt“ ins Burgtheater ein. Als letzte Premiere gibt es im Akademietheater im Mai die Uraufführung des „neuen René Pollesch“.

Auch in der letzten Spielzeit der Direktion Bergmann zeigen junge Regisseurinnen und Regisseure des Hauses ihre Abschlussarbeiten, dadurch wird das Vestibül mit Milisavljevic’ „Beben“, Rainer Werner Fassbinders „Tropfen auf heiße Steine“, „Waisen“ von Dennis Kelly und „Ich rufe meine Brüder“ von Jonas Hassen Khemiri zur großen Bühne aktueller Dramatik. Als diesjähriges Kinderstück wird Kenneth Grahames „Der Wind in den Weiden“, einer der großen englischen Kinderbuch-Klassiker, für Kinder ab 6 Jahren ab November im Kasino gezeigt. Harald Schmidt und Michael Niavarani, beide begnadete Fabulierer und singuläre Publikums-Unterhalter, werden einander einige Male in der kommenden Spielzeit auf der Bühne des Burgtheaters begegnen. Geplant sind auch Projekte von Josef Haslinger und Schauspieler und Bestsellerautor Joachim Meyerhoff.

www.burgtheater.at

28. 4. 2018

Kammerspiele: Der Garderober

April 27, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Souverän im Arbeitsmantel

Garderober Norman und sein schutzbefohlener Star: Martin Zauner und Michael König. Bild: Herwig Prammer

Garderober, das wird einem jeder Bühnenkünstler bestätigen, sind Herz und Seele am Theater. Sie sind es, die Lampenfieber, Vor-Premieren-Verzweiflung und auch die eine oder andere Selbstsucht souverän schultern, und ihren Schützling schließlich wohlangetan und wohlbehütet an die Rampe stellen. Der genialische Dramatiker und Drehbuchautor Ronald Harwood hat diesem ehrwürdigen, in Programmheften allerdings unbedanktem Berufsstand ein ganzes Stück gewidmet.

An den Kammerspielen der Josefstadt ist nun Martin Zauner „Der Garderober“ – und er ist ein Souverän im Arbeitsmantel. Cesare Lievi hat mit gewohnt einfühlsamer Hand inszeniert, er lässt seinen Schauspielern den Raum, den sie brauchen und auch nutzen. Michael König gibt den Sir, changiert dabei zwischen hochfahrend und zutiefst versponnen, erst erschöpft und verstört, dann wieder seine Befehle munter bellend, eine Glanzleistung, wie er da mit langer Unterhose und Lesebrille an einen anderen Großen erinnert, der tatsächlich ein König Lear von schmerzender Heiterkeit war. Einen ebensolchen soll der Sir spielen, nur ist er in einer Schaffenskrise, ein Mann, nicht mehr nur am Rande des Nervenzusammenbruchs, doch die Show muss weitergehen, die Tournee muss brummen. Während, wie drinnen Theaterblitz und -donner, draußen The Blitz tobt.

Harwood hat für seine Tragikömodie eigene Erfahrungen als Garderober des britischen Charakterdarstellers und Leiter einer Shakespeare-Company Sir Donald Wolfit verarbeitet, seinen Text zum einerseits Psychoduell für zwei große Mimen, andererseits Hommage an die Menschen gemacht, die nichts mehr lieben, als die Bretter, die ihnen die Welt bedeutet. Wie Norman, der alles versucht, um seinen ausgebrannten Star doch noch auf die Bühne zu bringen. Zauner stattet seine Figur mit einer von Brandy beflügelten Unerschütterlichkeit aus. Immer gewitzter Therapeut, niemals nur ein Diener, spielt er einen, der den Mächtigen zu nehmen und zu gängeln weiß. Und dabei die Herrschaftsverhältnisse umdreht.

Spielt einen Lear wie anno dazumal: Michael König mit Martina Stilp. Bild: Herwig Prammer

Norman zügelt das Jungtalent: Martin Zauner mit Swintha Gersthofer. Bild: Herwig Prammer

Die anderen Schauspieler, die Inspizientin weiß er zu beschwichtigen und zu beruhigen. Alles wird gut werden! Und wiewohl’s nicht leicht scheint, im Match Zauner vs König Position zu beziehen, brillieren Martina Stilp als desillusionierte, das Theater endlich an den Nagel hängen wollende Milady und Elfriede Schüsseleder als lebenslang liebende Madge. Wobei ihre Zugeigung vor allem dem Protagonisten der Truppe gilt. Swintha Gersthofer ist ein neckisches Jungtalent Irene, das den alternden Chef um den Finger wickeln will. Alexander Strobele und Woja van Brouwer haben ihre Momente als Thornton, der als Lears Narr zu neuer darstellerischer Größe avanciert, und als störrischer „Bolschewik“ Oxenby.

Mit seinem Abend jedenfalls wird Lievi den Kammerspielen den nächsten Publikumserfolg einfahren. Wunderbar Szenen, die hinter eine Theaterwelt der 1940er-Jahre blicken lassen – die Regie verzichtet auf Modernisierungen -, großartig, wie der König einen Lear im vollen Ornat und mit aufgemalter Maske gibt, wie man ihn wohl heute nicht mehr machen würde. Allein der Schluss gerät Lievi ein wenig langatmig, hier dürfte er das Tempo ruhig ein wenig anziehen. Dies ein Jammern auf höchstem Niveau für eine ansonsten rundum geglückte Aufführung.

Video: www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=hwtZm-8tBuQ

www.josefstadt.org

  1. 4. 2018

Bronski & Grünberg: Kabale & Liebe

April 26, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Friedrich Schiller in neuen Rollenbildern

Bild: © Philine Hofmann

Nach seinem überragenden Vorjahrs-„Philoktet“ am Volx/Margareten inszenierte Calle Fuhr nun im Bronski & Grünberg Theater Friedrich Schillers „Kabale & Liebe“.  Und die kleine, feine Bühne, die sich immer mehr zum Wiener Must See mausert, kann auch mit dieser Produktion ihre Erfolgsgeschichte beim Publikum fortschreiben. Fuhr versammelt eine Handvoll hervorragender junger Schauspieler um sich: Johannes Nussbaum, bekannt aus den ORF-„Vorstadtweibern“, „Chucks“-Entdeckung Anna Posch, Luka Vlatkovic, Nanette Waidmann und Laura Laufenberg. Ihnen zur Seite steht Patrick Seletzky als Präsident von Walter.

Mit seinem sehr klaren ästhetischen Konzept setzt Fuhr ganz auf die Wirkmacht des Wortes – und auf die seines Ensembles. Er hat Schiller ins Heute weitergedacht, ein paar Änderungen vorgenommen, so ist Vater Miller, dargestellt von Nanette Waidmann, nun eine liebevoll-emanzipierte Mutter, und immer wieder schleichen die Figuren durch die finsteren (Gedanken-)Gänge der Handlung, die ihnen nur eine Lichtschnur erhellt. „Bösewicht“ gibt es dennoch keinen.

Fuhr arbeitet stattdessen fein differenziert die Zwänge und Nöte von Menschen heraus, die sich ins Umfeld von Staatsgewalt begeben haben, und dort nun ums Überleben, zumindest aber ums eigene Fortkommen kämpfen müssen. So ist Luka Vlatkovic als Sekretare Wurm kein sinistrer Unmensch, sondern ein von Liebe und anderen Dämonen in die Intrige Getriebener, einer davon der Präsident, der ihn deutlich als Werkzeug für seine Machenschaften verwendet. Der Lady Milford darf Anna Posch den großen „Wohltäterin des Volkes“-Monolog angedeihen lassen, auch sie eine Art Gefangene des Hofes, an dem sie um die Reste ihres Rufes rittert. Intensiv ist dieses Spiel, und dass nicht jeder Schillersatz sitzt und sticht, mitunter Emotionen in hysterische Schreierei münden, dann wieder manches wie aufgesagt klingt, wird durch Momente großer Wahrhaftigkeit mehr als wett gemacht.

Für diese sorgt neben Vlatkovic allen voran Johannes Nussbaum als Ferdinand, dessen Verstörtheit ob der Umstände berührt, der Vater-Sohn-Konflikt noch mehr als sonst betont durch die herzliche Beziehung Luises – Laura Laufenberg – zur Mutter Miller. Dass Fuhr dabei niemals moralisch wertet, sondern die Zuschauer behutsam durch ein ambivalentes Figurentableau navigiert, dass er Friedrich Schiller darob mit neuen Rollenbildern versieht, macht den Abend zu einem besonderen. Diese „Kabale & Liebe“ kann wärmstens empfohlen werden.

www.bronski-gruenberg.at/

  1. 4. 2018

Volkstheater/Bezirke: Emilia Galotti

April 23, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Intrigant und die Blutspur an der Wand

Marinelli und der sterbende Appiani: Peter Fasching und Dominik Jedryas. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Zum Schluss endlich gewanden sich die Herrschaften in die Rokoko-Röcke, setzen jene Perücken auf, die das Stück zeitlich vorgibt. 1772, Emilia Galotti. Zuvor zeigt sich Lessings bürgerliches Trauerspiel aber in aktueller Optik, und es ist die große Kunst von Regisseur Lukas Holzhausen, den originalbelassenen Text sprechen zu lassen, als ob er ein modernes Drama wäre. Ein Bravo dafür! Emilia Galotti, 2018 im Volkstheater in den Bezirken.

Da wird vieles im weiß tapezierten Bühnenbild nur durch Andeutungen klar gemacht, man agiert anfangs, als ginge einen das bevorstehende Drama gar nichts an, doch brechen sich erst die Gefühle Bahn, gibt es im Wortsinn ein Hauen und Stechen, das mit der (Selbst-)vernichtung der Familie Galotti endet. Deren Emilia begehrt Prinz Gonzaga, doch will sie den Grafen Appiani ehelichen, also schnell ein paar Mörder für den Zukünftigen gedungen, die Schöne aufs Lustschloss entführt, und …

Kammerherr Marinelli spinnt die Kabale, und Schauspieler Peter Fasching tut sich in dem Interview selbst Unrecht, in dem er sich den Antagonisten der Vorlage nennt. In Holzhausens Interpretation des Stoffes ist er der Hauptakteur, der Aktive in einer Gruppe passiv Abwartender. Er spinnt die Fäden, und niemals weiß man, ob das Unheil Zufall, Schicksal oder sein Marinelli war, der über die von ihm verhasste Welt hereinbricht. Denn Fasching spielt einen Buckelnden, der die Nähe zur Macht sucht, weil er aus ihr Nutzen ziehen kann, und dabei doch den Mächtigen zutiefst verachtet.

Der Prinz Gonzaga begehrt Emilia Galotti: Jan Thümer. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Vater und Tochter: Günther Wiederschwinger und Marlene Hauser. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Die Mutter durchschaut den Mörder: Martina Spitzer und Peter Fasching. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Dieser, der Prinz, wird von Jan Thümer dargestellt. Von Anfang an steht er wie ein Schatten über dem Stück, sucht mit nacktem Oberkörper Ersatz für seine abgelegte Geliebte, und weist im Tonfall eines ennuyierten, verbrecherischen Aufsichtsratsvorsitzenden seinen Untergebenen zurecht. Selbst die Türen sind seiner Hoheit zu niedrig, Holzhausen hat da mit Witz inszeniert, das Herzstück seiner Arbeit die Auseinandersetzungen des Fürsten mit Marinelli, zwei Männer, die sich aneinander reiben, dass kaum Platz für anderes bleibt.

Und da ist die gute Gegenseite: Günther Wiederschwinger als rechtschaffener Odoardo Galotti, Marlene Hauser als Tochter Emilia und Martina Spitzer als Mutter Claudia, die schon beim Gedanken an den Prinzen in Wallung gerät, bis sich das Böse offenbart, und sie die Mordsgeschichte hinter der Räuberpistole erkennt. Spitzer vor allem scheint mit Verve Holzhausens Ideen zum Stoff umzusetzen, wie sie ob der Wahrheit zaudert, zankt, zerstört wird, und auch Max Reinhardt-Seminar-Studentin Hauser spielt eine, die anfangs den Galanterien des Prinzen durchaus zugetan ist.

Was wenig verwundert, gibt Dominik Jedryas doch einen temperamentslosen Bräutigam mit Leierstimme. Das Ensemble rundet Katrin Grumeth ganz wunderbar als ordinäre Gräfin Orsina ab. Das Ganze endet wie vorgegeben. Der Intrigant schleift den sterbenen Appiani über die Wand, bis von diesem nur eine Blutspur übrigbleibt, Emilia zwingt ihren Vater zum assistierten Suizid. Mag man sagen, leicht ist das alles nicht, so wartet doch auf die Bezirke eine bemerkenswerte Aufführung, der man viele Zuschauer wünscht. Bei der Premiere im Volx/Margareten war der Jubel jedenfalls groß.

www.volkstheater.at

  1. 4. 2018