TheaterArche: Crowdfunding für ein Sportstück

Juni 3, 2018 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Herbst heißt es dann „Anstoß“

Performerin Cornelia Scheuer. Bild: Jakub Kavin

TheaterArche bittet einmal mehr zum Crowdfunding. Finanziert werden soll diesmal das Sportstück „Anstoß“, das im Herbst in Wien Premiere haben wird. Ab 12 Euro ist man dabei, für die es als Gegenleistung beispielsweise Yoga-Unterricht mit Schauspielerin Elisabeth Kofler, Personal Training mit Olympionikin Caroline Weber oder auch einen persönlichen Olympiasieg gibt.

„Anhand der zwei sportlichen Großereignisse im Jahr 2018 wollen wir die Faszination Sport hinterfragen: den olympischen Spielen und der Fußball-WM in Russland. Wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Auswirkungen dieser Ereignisse sollen sowohl global als auch lokal unter die Lupe genommen werden“, erklärt Regisseur Jakub Kavin das Projekt. „Teil des Ensembles wird eben Caroline Weber sein. Sie ist Schauspielerin. Ihr erster Beruf war der der Profisportlerin. Als 55-fache österreichische Staatsmeisterin in der rhythmischen Sportgymnastik sowie zweifache Olympiateilnehmerin wird sie im Rahmen der Stückentwicklungsarbeit eine wichtige Impulsgeberin für das gesamte Ensemble sein.“

„Anstoß“, verspricht er weiter, wird ein Stück mit einer gesunden Portion Selbstironie werden. Die Perversion und Faszination des Weltwirtschaftsmotors Profisport wird im kleinen Rahmen der Wiener Theaterszene künstlerisch aufbereitet. Kavin: „Scheitern ist Programm. Mut auch.“ Jeder Abend ein neues Wagnis. 90 Minuten lang.

Zum Crowdfunding: wemakeit.com/projects/anstoss

www.theaterarche.at

3. 6. 2018

Rainer Nikowitz: Altenteil

Januar 23, 2018 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Satire kann auch ein Krimi sein

Der Suchanek ist zurück. Nach „Volksfest“ und „Nachtmahl“, die beide Platz 1 in der österreichischen Bestsellerliste erreichten, lässt Autor Rainer Nikowitz seinen hochgradig unwilligen Ermittler in den nächsten Fall stolpern. In „Altenteil“ wird Suchanek sein Drogenproblem zum Verhängnis, der Richter brummt ihm einen Monat Sozialdienst im Altersheim auf. Nachmittagsbingo, Schnabeltasse, Erwachsenenwindel. Und dazu der endlos graue Wiener Winter. Und natürlich sterben die Leute ohnehin schon wie die Fliegen.

Nur geht das offenbar jemandem nicht schnell genug. „Wer bringt denn bitte Leute um, die sowieso bald von selber sterben?“ Irgendein Angehöriger mit Erbwunsch? Der Pfleger mit dem ebenso illegalen wie unappetitlichen Nebenerwerb? Oder einer von den Alten selbst? Da gibt es ja auch solche und solche. Mit einem seiner Schutzbefohlenen verbindet den Suchanek bald so etwas wie eine Freundschaft. Der Mann bekommt nie Besuch, hasst alte Menschen und wird doch zur treibenden Kraft hinter Suchaneks Ermittlertätigkeit …

„Altenteil“ ist ein gelungener Wien-Krimi mit extraschwarzem, extratrockenem Humor. Nikowitz treibt mit dem Grauen und der menschlichen Grausamkeit seine Scherze, und das so, dass man laut lachen muss. Der Meister der Satire beweist einmal mehr, dass er sein Lieblingsgenre auch auf Krimi umfunktionieren kann. Die Charaktere sind schräg, die Handlung skurril, die Sprache pointiert. Ein Lesevergnügen!

Bild: pixabay.com

Über den Autor:
Rainer Nikowitz, geboren 1964, ist bekannt als Politsatiriker des Nachrichtenmagazins profil. Acht Mal „Kolumnist des Jahres“, seit vielen Jahren Bühnenauftritte mit Florian Scheuba mit dem Lesekabarett „Land in Sicht“. Autor von bisher acht Büchern, vor allem der Kriminalromane „Volksfest“ (2012), „Nachtmahl“ (2014) – und nun eben „Altenteil“.

Rowohlt-Polaris, Rainer Nikowitz: „Altenteil“, Kriminalroman / Reihe: Suchanek ermittelt, 320 Seiten

www.nikowitz.at

www.rowohlt.de

  1. 1. 2018

Isa Hochgerner: Paulas Kampf

Januar 22, 2018 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Stück über Hitlers kleine Schwester

Es ist nicht allgemein bekannt, dass Adolf Hitler eine kleine Schwester namens Paula hatte, das einzige außer ihm das Kindesalter überlebt habende Geschwister, und nach seinem Wunsch gezwungen unter seinem Spitznamen „Wolf“ zu leben – ein „Führer“ hat keine Familie. Bereits 1930 allerdings bekam sie die Wirkung des Bruders zu spüren, als sie ihre Arbeitsstelle in der Bundesländer-Versicherung verlor, weil man befürchtete, sie würde geheime Informationen an die Partei weitergeben. So lebte sie finanziell unterstützt von Hitler erst in Wien, schließlich in Berchtesgaden, wo er sie zu ihrem Schutz unterbrachte.

Ebendort soll Paula Wolf 150 Seiten unter dem Titel „Jugenderinnerungen“ verfasst haben. Die gelangten nie an die Öffentlichkeit, das Manuskript gilt als verschollen. Und ebenda setzt Isa Hochgerners Theaterstück „Paulas Kampf“ an, das sie nun gemeinsam mit Angela Schneider im Café Korb präsentierte. Hochgerner verschränkt darin Paulas Geschichte mit der ihrer Großkusine Aloisia Veit, die an Schizophrenie erkrankt am Steinhof lebte. In der Fiktion bitten Verwandte Paula sich um Aloisia zu bemühen, würden doch immer mehr „Irre“ einfach verschwinden – umsonst, auch Aloisia wird als Teil der Aktion „T4“ 1940 im Lager Hartheim vergast.

Hauptverantwortlicher, weil Gutachter, ist der Psychiater Dr. Erwin Jekelius. Paula verliebt sich und verlobt sich mit ihm, doch Hitler höchstpersönlich verbietet die Verbindung, lässt Jekelius erst verhaften, dann an die Ostfront befördern … Das alles nimmt Paula in Berchtesgaden durch den Schleier der Vergangenheit wahr. Mit ihrem Buch will sie lieber daran arbeiten, ihren „Dolferl“ jenseits von Kriegserklärung und Euthanasiebeschluss zu rehabilitieren: „Er kann sich ja nicht wehren, gegen diese verlogenen Anschuldigungen von unseren Feinden! Von dieser Saubande! Jetzt geht es um die Familienehre, ich muss seine Zukunft retten für die Nachwelt“, heißt es dazu im Text.

Hochgerner montiert geschickt Fakten und Fiktion, in Träumen lässt sie die „erlöste“ Aloisia aus dem Jenseits auftreten, und auch den im sowjetischen Arbeitslager an Krebs umgekommenen Jekelius, er die Schnittstelle der beiden Frauenschicksale. Paulas Zwiegespräche mit einem der beiden zählen zu den stärksten Momenten des Stücks. „Paulas Kampf“ ist ein Text in bester Volkstheatertradition, so „scheußlich“ wie sarkastisch, der durch seine scharfe Charakterzeichnung und die prägnanten Dialoge besticht. Angelegt ist das Stück für acht Schauspieler in 17 Rollen. Die Rechte liegen beim Thomas Sessler Verlag.

www.sesslerverlag.at

www.isahochgerner.at

22 1. 2018

Volkstheater: Zwei zusätzliche Produktionen

Januar 17, 2018 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Der neue Zeitplan zur Generalsanierung macht’s möglich

Anja Herden spielt Milo Raus Theatertext „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“: Bild: © Götz Schrage / Volkstheater

Zwei zusätzliche Neuproduktionen ergänzen das Repertoire im Volkstheater: Am 8. März hat die Österreichische Erstaufführung von Milo Raus Theatertext „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“ im Volx/Margareten Premiere. Anja Herden verkörpert beide Rollen des Doppel-Monologs: die der Frau mit schwarzer und die mit weißer Hautfarbe.

Der Schweizer Theatermacher, Autor und Aktivist Milo Rau schrieb das Stück auf der Grundlage von Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa. Regie führt der diesjährige Max-Reinhardt-Seminar-Absolvent Alexandru Weinberger-Bara. Im Haupthaus bereichert eine Komödie den Spielplan: Am 11. April findet die Premiere von Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln“ statt. Thomas Frank spielt in der rasanten Verwicklungskomödie die Rolle des jungen Bildhauers Brindlsey Miller, der zu einem Trick greift, um Karriere und Liebesbeziehung zugleich auf die Sprünge zu helfen.

Um Eindruck bei seiner Einladung eines reichen russischen Kunstmäzens und seinem Schwiegervater in spe zu schinden, will er kurzerhand einige stilvolle Möbelstücke aus der Wohnung seines Nachbarn entwenden. Doch dann taucht ein Stromausfall das komplette Haus ins Dunkle und das Chaos nimmt seinen Lauf … Regie führt Christian Brey, der bereits an großen deutschsprachigen Häusern inszenierte und von 2009 bis 2011 zum Team der Late-Night-Show von Harald Schmidt gehörte.

„Da wir aufgrund des neuen Zeitplans der Generalsanierung das Haupthaus doch bis Ende der Spielzeit zu Verfügung haben, ist die ,Komödie‘ eine sinnvolle Ergänzung im Spielplan“, kommentiert Volkstheater-Intendantin Anna Badora. „Unser Ensemble freut sich schon auf dieses rasante Stück. Und mit ,Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs‘ verfolgen wir unsere traditionsreiche Kooperation mit dem Max Reinhardt Seminar weiter.“

www.volkstheater.at

17. 1. 2018

Art Carnuntum: Das London Globe Theatre kehrt zurück

Januar 14, 2018 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Und das Publikum wählt diesmal das Stück aus

Die neue künstlerische Leiterin Michelle Terry geht wieder auf Tour, so kommt das Globe Theatre aus London auch nach Österreich. Bild: Sarah Lee

Dieser Tage gab Shakespeare’s Globe Theater in London das diesjährige Programm unter der neuen künstlerischen Leitung von Michelle Terry bekannt. Sie bringt das Globe im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf Tour. Und dies gleich mit drei Stücken, interpretiert von einem spielfreudigen Ensemble großartiger Schauspieler unter der Regie von Brendan O’Hea.

Nach einer Pause im Vorjahr kommt das Theater auch wieder exklusiv für Österreich zu Art Carnuntum – und zwar mit “Der Kaufmann von Venedig”, “Der widerspenstigen Zähmung” und „Was ihr wollt“ (“Twelfth Night”), die vom 29. Juni bis 1. Juli zu sehen sein werden. „Was ihr wollt“ ist gleichzeitig das Motto der Dreifach-Produktion – so kann das Publikum mit einem Stimmzettel bei einer Matinee am Samstag selbst wählen, welches der möglichen Shakespeare-Stücke an diesem Nachmittag gespielt werden soll.

Two Gentlemen of Verona, 2016: Launce mit seinem Hund Crab: Charlotte Mills und Musiker Fred Thomas. Bild: Barbara Pálffy

Hamlet, 2016: Jennifer Leong: Ophelia verfällt dem Wahnsinn. Bild: Shakespeare’s Globe Theatre

„Art Carnuntum ist seit mehr als zehn Jahren – von Anbeginn an – Partner und ,Part of the Game‘ des erfolgreichen Konzeptes Shakespeare auf ursprüngliche Art einem heutigen Publikum näher zu bringen: Protagonisten sind die hervorragenden und vielseitigen Schauspieler. Und dies trifft sich auch mit dem Ziel von Art Carnuntum, das europäische Kulturerbe in ursprünglicher Form zeitgemäß zu beleben – von Aischylos über Sophokles, Euripides, Aristophanes und Plauto bis Shakespeare…“, so Art-Carnuntum-Mastermind Piero Bordin.

Als sensationell kann die Resonanz der britischen und internationalen Presse bezeichnet werden. Bordin: „Die Idee das Publikum wie zu Shakespeares‘ Zeiten abstimmen zu lassen, welches Stück gezeigt werden soll, wurde sehr positiv aufgenommen – Kultur-Headlines gab’s unter anderem bei der Times und beim Guardian.

Das Programm: Freitag, 29. Juni: Der Kaufmann von Venedig, Samstag, 30. Juni: Der widerspenstigen Zähmung,  Sonntag, 1. Juli: Twelfth Night / Was ihr wollt, Matinee am Samstag: „Was das Publikum will”. Eine komplette Programmvorschau für Art Carnuntum 2018 folgt im Frühjahr.

www.artcarnuntum.at

14. 1. 2017