Rabenhof-Feeling in Donaustadt, Floridsdorf & Liesing

September 9, 2022 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER-MEHMOOD

Erfolgsshows und Publikumslieblinge in den VHS

Katharina Straßer & Band. Bild: © Pertramer / Rabenhof

Gemeinsam mit den Wiener Volkshochschulen bringt das Rabenhof Theater ab Oktober ausgewählte Rabenhof-Publikumslieblinge in die Bezirke: Katharina Straßer, Maschek, Christoph Grissemann, Dirk Stermann, Ernst Molden und Andreas Vitásek freuen sich, erstmals mit ihren Gemeindebau-Erfolgsshows in den VHS-Veranstaltungszentren in der Donaustadt, in Floridsdorf und Liesing auftreten zu können.

Den Anfang in den VHS-Veranstaltungszentren Liesing, Floridsdorf und in der Donaustadt/Kulturgarage Seestadt machen Rabenhof-Säulenheilige mit ihren Erfolgen aus dem Gemeindebautheater: Katharina Straßer und Band mit ihrem Liederabend „Keine Angst zu 50+2 Jahren Austropop“, Maschek mit ihrer legendären Politsatireshow „XX — 20 Jahre Drüberreden“, Christoph Grissemann und Dirk Stermann mit ihrem Kulthit „Gags, Gags, Gags“, der Wiener Liedermacher Ernst Molden mit dem Frauenorchester sowie Andreas Vitásek im umjubelten Nachkriegsklassiker „Der Herr Karl“ von Carl Merz und Helmut Qualtinger.

Stermann & Grissemann. Bild: © Udo Leitner

Ernst Molden & Das Frauenorchester. Bild: © Stephan Musil

Andreas Vitàsek: Der Herr Karl. Bild: © Valerie Loudon

„Rabenhof-Feeling in den Bezirken“ ist der Titel der neuen Reihe, in welcher ausgewählte Rabenhof-Produktionen und -Shows mit Rabenhof-Künstlerinnen und -Künstlern jenseits von Gürtel und Donaukanal präsentiert werden. „Es ist mir als Wiener Vorstadtkind seit ewigen Zeiten schon eine Herzensangelegenheit auch dorthin zu kommen, wo nicht die hippen, glitzernden Hochkulturspots zu finden sind“, so Rabenhof-Direktor Thomas Gratzer. „Ab sofort zeigen wir einige unserer hochwertigsten künstlerischen Hits an der Peripherie der Stadt, um den Rabenhof-Spirit, den Gemeindebautheater-Schmäh so nah wie möglich den kulturinteressierten Wienerinnen und Wienern anbieten zu können. Mit den Volkshochschulen, die seit 135 Jahren Bildung und Kultur vermitteln, haben wir ideale Partner, die auch über die entsprechenden Locations und das Know-how verfügen – eine Win-win-win-Situation, wie es neudeutsch so schön heißt.“

Das neue Veranstaltungsformat soll die VHS-Veranstaltungszentren als kulturelle Häuser der Begegnung etablieren – erweitert um ein breiteres, hochwertiges Kulturangebot aus dem Rabenhof-Spektrum mit Schauspiel, Musiktheater-Aufführungen und in weiterer Folge auch Lesungen und Lecture Performances.

Maschek. Bild: © Alexi Pelekanos

Rabenhof Theater

Das Rabenhof Theater versteht sich seit nunmehr 19 Jahren als kultureller Brückenkopf in die Wiener Vorstadt. In einer historischen Gemeindebauanlage gelegen gibt es an diesem außergewöhnlichen Kulturstandort vom „Wellmade Play“ bis zur Postdramatik, vom Protestsongcontest bis zum SchubertLiederabend kulturelle Nahversorgung jenseits der großen Kulturtempel der Stadt. Die GemeindebauBühne in der Wiener Vorstadt präsentiert jährlich knapp 60 verschiedene HighClass Kulturveranstaltungen in etwa 300 Vorstellungen.

Infos, Termine & Tickets: www.rabenhoftheater.com

9. 9. 2022

Queerfilmfestival/Slash. Festival des fantastischen Films

August 28, 2022 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER-MEHMOOD

Männer, Musical und unheimliche Mütter

Rex Gildo – Der letzte Tanz. Plakat: © missingFILMs Verleih

Vom 8. bis 14. September findet mittlerweile zum dritten Mal das Queerfilmfestival im Votiv Kino und Kino de France statt. In Kooperation mit der Buchhandlung Löwenherz und der Edition Salzgeber werden wieder die besten queeren Filme des Jahres gezeigt. Zur Eröffnung des Festivals hat „Peter von Kant“ von François Ozon, der Eröffnungsfilm der Berlinale 2022, seine Österreich-Premiere. Das ist aber nicht das einzige Festival-Highlight:

Mit dabei ist auch „Rex Gildo – Der letzte Tanz“, der erstmalig in einem österreichischen Kino zu sehen sein wird (Filmstart: 29. 9., Trailer: www.youtube.com/watch?v=O0KVsyZC-6Y ), außerdem zahlreiche internationale Produktionen wie der israelische „Der Schwimmer“, zu sehen am 10. 9., Trailer: www.youtube.com/watch?v=8u7bLo2IPQI, oder der finnische „Girls Girls Girls“ am 12. 9.

Einen Blick in die queere Filmgeschichte wird mit Ozons Klassiker „Tropfen auf heiße Steine“ geworfen, zu sehen am 9. 9. auf 35mm, und mit Fred Halsteds „L.A. Plays Itself“ aus dem Jahr 1972, zu sehen am 10.9.

Mit Spannung erwartet werden darf auch „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?“, ein Film von Mohammad Shawky Hassan: Auf Basis seines eigenen Liebestagesbuchs erschafft Hassan eine metareflexive queere Variante von „Tausendundeine Nacht“: Ein nicht-heteronormatives Musical, das arabische Volkssagen mit ägyptischer Popmusik kombiniert und Lieder und Gedichte multimedial zu neuer, leuchtender Entfaltung bringt. Sein Film, betitelt nach Shakespeares 18. Sonett, entwirft nicht weniger als einen überzeitlichen Safe Space, in dem persönliche und kollektive Erinnerungen mit unseren gegenwärtigen Hoffnungen und Träumen zusammenklingen. Trailer: www.youtube.com/watch?v=DsmveLmRq4E

Der Schwimmer. Bild: © Ingenue Productions

L.A. Plays Itself – The Fred Halsted Coll. Bild: © Eight of Clubs

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen? Bild: © Tarea Fina

The Schoolmaster Games. Bild: © Northern Fable

Auch zahlreiche Gäste haben sich angekündigt, darunter die Regisseurin Eva Beling („Vorurteil und Stolz“ 8. 9.), Regisseurin Ylva Forner („The Schoolmaster Games“ 9. 9., Trailer: www.youtube.com/watch?v=ioqU06V1jF4), Regisseur Adam Kalderon („Der Schwimmer“ 10. 9.) und Schauspieler Kilian Albrecht („Rex Gildo“13. 9.). Das ganze Programm des Queerfestivals hier: QFF-Programm

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Slash – Festival des fantastischen Films

Das Slash findet 2022 von 22. September bis 2. Oktober statt. Eröffnen wird das Slash heuer Andrew Semans‘ „Resurrection“, ein dunkler Psychothriller, in dem eine junge, erfolgreiche Frau, gespielt von Rebecca Hall, vom Schrecken der Vergangenheit eingeholt wird. Die Eröffnungsnacht wird wie immer im Gartenbaukino und natürlich begleitet von Live-DJ-Musik und viel guter Laune stattfinden.

Von Sundance nach Cannes bringt das Publikum Ruben Östlunds „Triangle Of Sadness“, der bereits zweite Palme d’Or-Gewinnerfilm des schwedischen Regisseurs: Darin bringt ein Schiffsunglück etablierte Hierarchien gehörig ins Wanken. Ebenfalls in Cannes – in der Kategorie Un Certain Regard – gezeigt wurde die norwegisch-schwedische Produktion „Sick Of Myself“ von Kristoffer Borgli, in der der Narzissmus zweier Freunde ein zutiefst verstörendes Level erreicht.

Wie jedes Jahr wird auch heimischen Genrefilmen eine Bühne geboten: In Paul Ertls „Der Riss“ mit Berta Kammer, Philipp Hochmair, Markus Schleinzer und Eva Maria Marold nimmt das Unheimliche Einzug ins traute Eigenheim: Frau Pospisil lebt allein in einer Wiener Altbauwohnung. Die zunehmende Vergesslichkeit der älteren Dame nimmt ihr Sohn zum Anlass, ihr den Umzug in ein Pflegeheim nahezulegen. Doch dann tut sich plötzlich ein Riss in einer Wand ihrer Wohnung auf, durch den etwas in Frau Pospisils Welt dringt, das ihr Leben für immer verändern wird. Paul Ertls hocheffizienter und bildschöner Film ist eine psychologisch unterfütterte Gruselminiatur in Mittellänge, die sich in eine so lässige wie originelle wie sanft verstörende Utopie wandelt und letztlich auch wuchtiges Plädoyer für die Autonomie älterer Menschen ist.

Alice Marie Wolfszahns „Mater Superior“ mit Isabella Händler, Inge Maux, Jochen Nickel und Tim Werths beleuchtet in schaurigen Bildern die Nähe von Faschismus und Esoterik. 1975: Sigrun tritt in der Villa Rosenkreuz, einem ausladenden Anwesen, ihre Stelle als Betreuerin der exzentrischen Baroness Heidenreich an. Während die junge Frau dort auf Spuren ihrer Herkunft stößt, ist die kinderlose Adelige auf der Suche nach einer Nachfahrin bereit, dafür bis zum Äußersten zu gehen. Regisseurin Wolfszahn gelingt mit ihrem ersten Spielfilm eine in der Gothic-Tradition verwurzelte Schauerminiatur: Schwebeteilchen der Vergangenheit gleiten durchs museale Gemäuer, in dem sich Faschismus und Esoterik verzahnen, auf dass die unheiligsten Gespenster angerufen werden können. Slash übernimmt die Weltpremieren der beiden österreichischen Produktionen.

Der Riss. Bild: © Paul Ertl

Mater Superior. Bild: © 2022 Crocodilopolis. All rights reserved.

Pussycake. Bild: © Donaufilm

Saloum. Bild: © Lacmé Studios/Rumble Fish Productions

In einem Sonderscreening werden die ersten beiden Episoden der neuen Staffel von Lars von Triers Kult-Krankenhausserie „The Kingdom Exodus“ aus den Neunzigern gezeigt. Ein Wiedersehen mit Stig Helmer, Frau Drusse und Co gibt es zwar nicht, der Fluch, der auf der Kopenhagener Klinik lastet, sorgt aber einmal mehr für mächtig bizarre Szenen.

Neben den vielen prestigeträchtigen Festivalhits dürfen natürlich auch einige wildere Beiträge im Programm nicht fehlen: Der belgische Regisseur Karim Ouelhaj lässt in seiner kontroversen Blutorgie „Megalomaniac“ ein besonders brutales Geschwisterpaar sein Unwesen treiben. In „Deadstream“ schicken die beiden Regisseure Vanessa Winter und Joseph Winter ihren Protagonisten, gespielt von Joseph Winter selbst, auf eine ungustiöse Haunted-House-Tour. Und im argentinischen Splatterfest „Pussycake“ muss sich eine Girl-Rockband gegen Gift spuckende Zombies verteidigen. Kurzerhand greifen die Mädchen zu allem, was sich als Waffe eignen könnte und nehmen den Kampf auf … Trailer: www.youtube.com/watch?v=LNu_YO_tHa0

www.mottingers-meinung.at – Filmtipp:

„Saloum“ ist ein Krimi-Horror-Fantasy-Southern von Jean Luc Herbulot aus dem Senegal und der Demokratischen Republik Kongo. Teilweise wird Wolof gesprochen. Inhalt: Während sich im Jahr 2003 vor ihren Augen in Guinea-Bissau ein Staatsstreich ereignet, wollen Chaka, Rafa und Minuit, ein Trio, das als Banguis Hyänen bekannt ist, den Drogenboss Felix ausfindig machen. Als bei der Flucht ihr mit einer Menge Gold beladenes Flugzeug eine Kugel abbekommt und der Treibstofftank ausläuft, müssen sie am Sine-Saloum-Delta notlanden. Ein „freundlicher“ Mann namens Omar bietet ihnen in seinem Ferienrefugium Zuflucht …

„Saloum“ mixt Italo-Western und Full-Tilt-Monsterfilm zu einer spannenden, eindeutig afrikanischen Geschichte. Es gibt im afrikanischen Kino nicht viel Vergleichbares. Am beeindruckendsten ist Herbulots Fähigkeit, die Geschichte stetig voranzutreiben, während er den Ton vom Action-Thriller zum stimmungsvollen Krimi über gruseligen Folk-Horror und wieder zurück wechselt. Hauptdarsteller Yann Gael strotzt in der Rolle des Anführers Chaka nur so vor Charisma und Pathos; die Chemie mit seinen Partnern Rafa und Minuit lässt eine Fortsetzung wünschen. Originell und bloody cool! Trailer: www.youtube.com/watch?v=JmnrrPqsOgw

www.votivkino.at/festival/queerfilmfestival          slashfilmfestival.com

  1. 8. 2022

Österreichisches Filmmuseum: Martin Scorsese

August 26, 2022 in Film, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER-MEHMOOD

Eine Retrospektive für den Ehrenpräsidenten des Hauses

Martin Scorsese am Set von Shutter Island, 2010. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Martin Scorsese zählt zu den bedeutendsten lebenden Filmkünstlerinnen und -künstlern. Zum einen hat er als Regisseur über sechs Jahrzehnte hinweg einen originären, vielschichtigen und enorm kraftvollen Stil entwickelt, dessen Einfluss auf das Weltkino unschätzbar ist: Seine gefeierten Hauptwerke wie „Taxi Driver“, „Raging Bull“, „Goodfellas“ oder „Casino“ zählen längst zu den großen Klassikern des Hollywoodkinos.

Zum anderen ist Scorsese als begeisterter Cinephiler zu einer internationalen Galionsfigur für die Beschäftigung mit und Erhaltung von Filmgeschichte geworden – nicht zuletzt als Ehrenpräsident des Österreichischen Filmmuseums, das ihm ab 1. September anlässlich seines am 17. November 2022 anstehenden 80. Geburtstags eine umfassende Retrospektive widmet.

Kein lebender US-amerikanischer Filmemacher kann sich in seiner Bedeutung mit Martin Scorsese messen. Scorseses flammende Liebe zum Kino übersetzt sich direkt in die Form seiner Produktionen: Seine kinetischen und sinnlichen filmischen Innovationen entspringen auch dem eifrigen Studium seiner Vorbilder. „My whole life has been movies and religion“, so der 1942 in New York geborene, in katholisch-italoamerikanischem Umfeld aufgewachsene Scorsese. Als junger Mann ging er aufs Priesterseminar, geworden ist er dann doch Filmemacher, aber die Idee der Spiritualität pulsiert durch sein Schaffen, augenscheinlich kulminierend in seinen außergewöhnlichen Filmen über Jesus – „The Last Temptation of Christ“, den Dalai Lama – „Kundun“ oder zuletzt über Jesuiten im Japan des 17. Jahrhunderts – „Silence“.

Mean Streets, 1973, Martin Scorsese, Bild: Park Circus © Warner Bros. Pictures

Raging Bull, 1980, Martin Scorsese, Bild: Park Circus © Metro-Goldwyn-Mayer

Goodfellas, 1990, Martin Scorsese, Bild: Park Circus © Warner Bros. Pictures

The King of Comedy, 1982, Martin Scorsese, Bild: Park Circus © Walt Disney Pictures

Aber auch Scorseses andere Hauptfiguren sind auf der Suche nach Erlösung, fast ausnahmslos Getriebene, Außenseiter und Schmerzensmänner, gleichermaßen ikonisch und gebrochen – vom neurotischen Macho in seinem SpielfilmdebütWho’s That Knocking at My Door“ über die getarnten Spitzel inThe Departed“, der ihm 2007 endlich den Oscar für die beste Regie einbrachte, bis zu den ein ganzes Lebensalter durchlaufenden Kriminellen in seinem jüngsten EposThe Irishman“.

Scorseses Protagonisten erfüllen ihre Mission – um jeden Preis: der amoklaufende Vietnam-Veteran Travis Bickle inTaxi Driver“, der Möchtegern-Komiker Rupert Pupkin inThe King of Comedy“, der Boxweltmeister Jake La Motta inRaging Bull“ oder der zweifelnde Kleingangster Charlie inMean Streets“, wo Scorsese zum ersten Mal filmisch in die Welt jener Mafiosi eintauchte, die ihn als Kind in Little Italy fasziniert hatten.

InMean Streets“ gehen die psychologisch reiche Schilderung des Gewissenskonflikts und die atmosphärisch detaillierte Konstruktion des Milieus bereits Hand in Hand mit energischer Virtuosität: Die Widersprüche der Charaktere reizen Scorsese ebenso wie die sozialen; seine Filme reiben sich und wachsen daran, sind packend, physisch, dabei paradox reflexiv, erzählen zugleich vom Innen und Außen, von der Welt und vom Kino. Schon als kränklicher Bub hat Scorsese im Fernsehen die Genrefilme der Hollywoodstudios zusammen mit dem neorealistisch geprägten Kino Italiens aufgesaugt, unter diesen Einflüssen zeichnet sich bereits in den ersten Kurzfilmen sein spezielles audiovisuelles Genie ab: der intuitive Umgang mit Musik, die aggressive Intensität der Inszenierung und die Gabe für griffige Metaphorik.

Bringing Out the Dead, 1999, Martin Scorsese, Bild: Park Circus © Walt Disney Pictures

Taxi Driver, 1976, Martin Scorsese. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

The Wolf of Wall Street, 2013, Martin Scorsese. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

The Departed, 2006, Martin Scorsese. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Scorseses fünfminütiger „Vietnamkommentar“The Big Shave“ zeigt nur einen jungen Mann, der sich das Gesicht zerschneidet – zu einer fröhlichen Swingnummer: Gewalt und Komik schließen sich bei Scorsese keineswegs aus, das belegen gerade die Komödien. 35 Jahre später umschreibt im gewaltigen GründerzeiteposGangs of New York“ eine atemberaubende Kamerafahrt die große Fehlstelle des Films, den US-Bürgerkrieg, der im Landesinneren tobt: Soldaten werden auf ein Schiff verfrachtet, während Särge zurückkommen.

Scorseses Kino ist auch ein persönlicher Spiegel amerikanischer Film-/Geschichte:Die subtile Schilderung des soziokulturellen Gefängnisses von New Yorks Upperclass des 19. Jahrhunderts – im meisterhaften MelodramThe Age of Innocence“ – steht in seiner Filmografie neben dem angemessen ambivalenten Abgesang auf den American Dream im Las Vegas der 1970er und -80er Jahre  – im Opus magnumCasino“- und dessen perverser Wiederauferstehung als betrügerische Hochfinanz-Farce im atemberaubenden AlterswerkThe Wolf of Wall Street“, dessen explosive Energie die Alterslosigkeit von Scorseses Schaffen belegt.

Der persönliche Zugang prägt auch die Dokumentarfilme, die Scorsese zwischen seinen großen Erzählungen dreht. Neben der Gesamtschau seiner Spielfilme zeigt das Filmmuseum drei ausgewählte Beispiele seines dokumentarischen Schaffens, die auf 35mm- Kopien zugänglich sind und Scorseses Liebe zur populären Musik untermauern: Große Konzertfilme mit The Band – „The Last Waltz“ – und den Rolling Stones – „Shine a Light“ – sowie eine Spurensuche zu den Wurzeln des Blues-Idioms in „Feel Like Going Home“. Die Musik liefert stets den Herzschlag für Scorseses Filme, dem Zusammenspiel von Bild und Ton gewinnt er stets neue Facetten ab.

The Color of Money, 1986, Martin Scorsese. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

The Aviator, 2004, Martin Scorsese. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Cape Fear, 1991, Martin Scorsese. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

Casino, 1995, Martin Scorsese. Bild: © Österreichisches Filmmuseum

So erweist er inNew York, New York“ dem klassischen Musical seine Reverenz, durchmisst inGoodfellas“ emblematisch die Zeit vom perlenden Popsound der Fifties zur psychedelischen Paranoia der Seventies, bevor Sid Vicious mitMy Way“ den Punk-Schlussstrich zieht, oder orchestriertRaging Bull“ auch als große Oper, vom Trommelrhythmus der von Tierfauchen begleiteten Faustschläge bis hin zu Schreiduell-Arien in Duetten und Terzetten.

Langjährige fruchtbare Partnerschaften, am prominentesten wohl mit Schauspielstar Robert De Niro und Cutterin Thelma Schoonmaker, haben Scorseses exzeptionelle Laufbahn begleitet. Doch seine Handschrift ist letztlich so unverwechselbar wie seine Obsessionen – und so steckt auch ein Selbstporträt im zwanghaften Howard Hughes, den Scorsese 2004 inThe Aviatorentwirft. So wie dessen Flugzeuge oder die Autos von Chevrolet, wie die musikalische Poetik Bob Dylans oder die Kunst von Andy Warhol ist die „Scorsese Machine“ zu einem essenziellen Bestandteil der US-Kulturgeschichte geworden.

Tickets können ab sofort online reserviert und gekauft werden.

www.filmmuseum.at

26. 8. 2022

Circus Roncalli 2022: All For ART For All

August 23, 2022 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER-MEHMOOD

Bernhard Paul spricht über sein neues Programm

Der Circus Roncalli kommt wieder nach Wien. Bild: © Rene Huemer

The Show Must Go On! Zweimal musste Roncalli seine Tournee absagen, zweimal fieberten 120 Künstler und Künstlerinnen, Musiker und Musikerinnen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und das Publikum einem Start entgegen. Nun ist es soweit – nach zwei Jahren Pause kehrt Roncalli endlich zurück in den „Tournee-Circus“ und gastiert 2022 mit neuem Programm und wie immer tier- und

plastikfrei von 14. September bis 9. Oktober in Wien. „Wir vermissen unser Publikum schon so lange. Wir haben nach diesen unwirklichen Zeiten so viel nachzuholen: 45 Jahre Roncalli, das neue Programm „All for ART for All“ und die von mir erdachte und neu inszenierte 300-Grad-Holografie, mit der wir bereits auf unserer letzten Tournee weltweit für Aufmerksamkeit sorgten. Das neue Programm ist meine ganz persönliche Hommage an die Kunst und ihre großen Maler, Musiker und Filmschaffenden. Wir haben die vergangenen zwei Jahre genutzt, das neue Programm zu perfektionieren und gleichzeitig wurden viele Circuswagen liebevoll restauriert. Wir freuen uns auf Wien und sind wieder da!“, so Roncalli-Gründer und -Direktor Bernhard Paul.

Mit einem kreativen „Geniestreich“ verbindet „All for ART for All“ Malerei, Film, Musik und natürlich die Circuskunst zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. Kostüme inspiriert von Piet Mondrian, Andy Warhol oder Frida Kahlo wechseln sich ab mit einem exakt nachempfundenen Triadischen Ballett Oskar Schlemmers. Musik von Charlie Chaplin über David Bowie bis zu den Beatles – perfekt arrangiert von Orchesterleiter Georg Pommer – begleitet die Weltklasse-Artistinnen und -Artisten in poetisch modernen Choreografien unter der Circuskuppel.

Unser aller Gensi. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Pferde-Holografie. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Krissie Illing, Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Golden Dreams. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

„Im Programmtitel steckt so viel drin. Im Wort Artistik versteckt sich auch das Wort ART, wie Kunst. Auch unser Umgang mit Tieren, auf die wir in unseren Shows verzichten – ist ARTgerecht, denn unsere Tiere sind als fantastische Hologramme schon seit Jahren ,roncallisiert‘. 2018 gab es bei Roncalli als erstem Circus der Welt Holographie in der Manege. Dies war eine Weltnachricht! Mehr als 150 Länder berichteten in den Abendnachrichten darüber“, so Bernhard Paul.

Artistische Höhepunkte, liebenswerte Clowns und Roncalli’s weltweit einzigartige 300-Grad-Holografie im Circusrund – ein circensisches Spektakel zwischen Nostalgie und Moderne. Wenn das Publikum zu Roncalli kommt, dann will es auch bekannte Gesichter sehen. Deswegen macht Roncalli mit den besten Künstlerinnen und Künstlern der vergangenen Jahre weiter und bringt sie mit neuen Talenten und Innovationen zusammen.

Paolo Carillon & Nox. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Maria Sarach. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Yesterday Boys. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

„All for ART for All“ ist auch mein Bekenntnis dazu, dass Kunst für alle Menschen zugänglich sein sollte. „Was heute selbstverständlich ist, hat bereits vor Jahrhunderten vor allem der Circus liberalisiert. Circuskunst war stets nah bei den Menschen – davon haben auch die ,elitären‘ Künste gelernt und machen es heute besser. Wir lieben unser Publikum und wissen, was es von uns erwartet“, so Bernhard Paul.

80 historische Wagen, historische Foodtrucks, 120 Mitwirkende und Mitarbeitende – was mit einem Traum begann, hat sich bis heute zu einem der größten Circus-Unternehmen entwickelt. Verzaubert werden die Gäste in einem der schönsten Circuszelte der Welt, das mit mehr als 10.000 raffiniert konstruierten energiesparenden LED- und Messinglampen beleuchtet wird und die ganze Roncalli-Stadt in nostalgisches Licht taucht. Schon am Eingang begrüßen Künstlerinnen und Künstler in fantasievollen Kostümen beim Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln zu Live-Musik die Zuschauer. Ein einzigartiges Gesamtkunstwerk, das vom ersten bis zum letzten Moment in eine poetische Zauberwelt entführt.

Ulik Robotic & Paul Herzfeld. Bild: © Mathijs te Kiefte/C. Roncalli

Vioris Zoppis. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Fratelli Caveagna. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Circus-Atmosphäre. Bild: © Mathijs te Kiefte/Circus Roncalli

Nachhaltigkeit

Seit Jahren verabschiedet sich Roncalli schrittweise von Plastikverpackungen und -besteck. Neben der klassischen Bio-Bratwurst und der Bio-Zuckerwatte gibt es auch Smoothies und vegane Gerichte. Von Beginn an transportiert Roncalli fast die gesamte Circusstadt und seine historischen und aufwendig restaurierten Holzwagen nachhaltig und klimaneutral per Bahn – mittlerweile einzigartig in der gesamten Entertainment-Branche. „Schon lange bevor es ins kollektive Bewusstsein Einzug hielt, waren wir bestrebt, stets nachhaltiger zu werden und verstehen dies auch als einen Auftrag gegenüber der Gesellschaft“, so Bernhard Paul.

Tickets in Vorverkaufsstellen, unter der Roncalli-Hotline: 01 / 3 555 666 und unter www.roncalli.at. Die Circus- kasse auf dem Rathausplatz ist ab Spielbeginn täglich von 10-20 Uhr geöffnet. Preise zwischen 18 und 84 Euro.

www.roncalli.at

Rezension früherer Programme – „Storyteller. Gestern – Heute – Morgen“: www.mottingers-meinung.at/?p=29759, „Reise zum Regenbogen“: www.mottingers-meinung.at/?p=23073

23. 8. 2022

Wiener Saisonstart 2022/23: Das wird eine heiße Woche

August 19, 2022 in Bühne, Klassik, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Sechs Premieren in vier Tagen, eine mit Harald Schmidt

Theater in der Josefstadt: Silvia Meisterle als Anna Karenina und Claudius von Stolzmann als Wronski. Bild: © Moritz Schell

Die neue Wiener Theatersaison steht ins Haus und zumindest auf dem Papier scheint sie eine überaus spannende zu werden. Schon die erste Woche präsentiert sich mit modernen Klassikern, Romanadaptionen, Bekanntem, neu zu Entdeckendem und Performativen. Sechs Premieren in nur vier Tagen – das ist es, was das Publikum erwartet.

Den Auftakt macht am 1. September das Theater in der Josefstadt mit „Anna Karenina“. Amélie Niermeyer und Armin Petras haben den Stoff nach Leo Tolstoi bearbeitet. „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ So beginnt dies Stück Weltliteratur: Tolstoi beschreibt in seinem Roman nicht nur das Einzelschicksal der verheirateten Titelfigur, die mit ihrem alten Leben radikal bricht; vielmehr gelingt dem Autor die präzise Darstellung patriarchaler Denkmuster:

Die Frau, die um ihrer Selbstverwirklichung Willen ihre Familie verlässt, wird nach wie vor als egoistisch und verantwortungslos angesehen. Niermeyer, die mit ihrer radikalen Inszenierung von „Der Kirschgarten an der Josefstadt erfolgreich war (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=36654),

geht der Frage nach, wie es möglich ist, innerhalb der Gesellschaft alternative Lebensmodelle anzustreben. Anna Karenina wird geächtet, weil sie den Konventionen offen trotzt. Silvia Meisterle in der Titelrolle zu sehen, die zwischen Raphael von Bargen (als Karenin) und Claudius von Stolzmann (als Wronski) steht, dazu Alma Hasun (Kitty) und Alexander Absenger (Lewin).

Es folgt am 2. September „Das weite Land“ am Akademietheater. Regisseurin Barbara Frey inszeniert Schnitzlers großes Ensemblestück als Panorama einer privilegierten und atemlosen Gesellschaft, die ihren Untergang als „self-fulfilling prophecy“ lachend heraufbeschwört. Zu erleben sind neben Katharina Lorenz als Genia Hofreiter und Michael Maertens als Friedrich Hofreiter auch Bibiana Beglau, Dorothee Hartinger, Sabine Haupt, Felix Kammerer, Branko Samarovski, Nina Siewert sowie Itay Tiran. Bühnenbild: Martin Zehetgruber.

Am 3. September gilt es zwischen drei Premieren zu wählen: Die Eröffnungspremiere der Direktion Lotte de Beer an der Volksoper ist die selten gezeigte Operette „Die Dubarry“ von Carl Millöcker und Theo Mackeben. Das Werk erzählt in biografischen Stationen den sozialen Aufstieg des Arbeitermädchens Jeanne Beçu zur wohlhabenden Mätresse Ludwigs XV. und wirft dabei noch immer aktuelle Fragen auf: Welche Verluste erlebt sie auf „dem Weg nach oben“ und wie weit korrumpiert sie sich? Als Jeanne vor die Wahl gestellt wird zwischen der Liebesbeziehung zu dem Künstler René und der Möglichkeit, die Geliebte des Königs zu werden, ist das nicht nur die Entscheidung für den einen oder anderen Mann, sondern auch für ein jeweils vollkommen anderes Leben.

Um Weiblichkeitszuschreibungen im Wandel der Zeit zu befragen, haben Regisseur Jan Philipp Gloger und sein künstlerisches Team für diese Neuproduktion eine theatrale Zeitreise über vier Jahrhunderte erfunden, die in großen Bildern aus unserer Gegenwart bis in das Frankreich Ludwigs XV. zurückführt. Kai Tietje dirigiert, Starsopranistin Annette Dasch kehrt als Dubarry Hans aus zurück. Als Seine Majestät Ludwig XV. gibt niemand geringerer als Comedy- und Talkshow-Legende Harald Schmidt sein Volksoperndebüt.

Ebenfalls am 3. September zeigen die Kammerspiele der Josefstadt Edward Albees „Die Ziege oder Wer ist Sylvia?“ in einer Übersetzung von Alissa und Martin Walser. Albee, der Altmeister des US-amerikanischen Theaters, hat mit seinem letzten bedeutendem, vielfach ausgezeichneten Stück einen großen Wurf gelandet: „Die Ziege oder Wer ist Sylvia?“ ist kein Sodomie-Schocker, sondern zwanzig Jahre nach seiner Uraufführung nach wie vor ein provokanter Anschlag auf das bürgerliche Eifersuchtsdrama, sehr witzig und respektlos, aber gleichzeitig auch abgründig und tragisch.

Akademietheater: „Das weite Land“ mit Beglau, Kammerer, Maertens und Hartinger. Bild: © Andreas Pohlmann

Kammerspiele der Josefstadt: „Die Ziege oder Wer ist Sylvia?“ mit Sandra Cervik und Joseph Lorenz. Bild: © Moritz Schell

Burgtheater: „Ingolstadt“ mit Jan Bülow, Tilman Tuppy und Lukas Vogelsang. Bild: © Matthias Horn

Volksoper: „Die Dubarry“ Annette Dasch mit Harald Schmidt als König Ludwig XV. Bild: © Volksoper Wien/Screenshot

Volkstheater: NV / NIGHT VATER / VIENNA von und mit Paul McCarthy und Lilith Stangenberg. © Paul McCarthy. Courtesy the artist and Hauser & Wirth. Bild: © Ryan Chin

Martin, erfolgreicher Architekt, liebt eine Ziege. Allerdings nicht so, wie die meisten Menschen für gewöhnlich ihre Hunde und Katzen lieben. Diese außereheliche Beziehung belastet sein Verhältnis zu seiner Frau und seinem Sohn. Die Grenzen zwischen Komik, Tragik und Entsetzen sind fließend. Edward Albee lässt die heile Welt seiner Figuren von einer Sekunde auf die andere zerbrechen, lässt sie an ihre Toleranzgrenzen stoßen und führt so die Story ihrem vordeterminierten Ende entgegen. Regie: Elmar Goerden; mit Sandra Cervik, Joseph Lorenz, Michael Dangl und Julian Valerio Rehrl.

Last, but not least präsentiert das Volkstheater am 3. September die PerformanceNV / NIGHT VATER / VIENNA“. Seit 2017 arbeiten der US-amerikanische Künstler Paul McCarthy und sein Sohn Damon am Projekt NV / NIGHT VATER – ausgehend vom berühmt-berüchtigten, in Wien gedrehten Film „The Night Porter“ (1974) der italienischen Regisseurin Liliana Cavani. Der Film thematisiert die sadomasochistische Beziehung des ehemaligen SS-Offiziers Max mit seinem Opfer Lucia, einer KZ-Insassin. Max tauchte nach dem Krieg unter und arbeitet als Nachtportier in einem Wiener Hotel. Dort begegnen er und Lucia sich zufällig wieder – und sie sind sich immer noch verfallen, so dass ihr Verhältnis neu auflebt.

McCarthy machte daraus zuerst neuerlich einen Film, mit sich als Max, einem alternden Hollywood-Produzenten, der von Faschismus und Kontrolle besessen ist. Lilith Stangenberg spielt eine junge Schauspielerin, die nach Los Angeles kommt, um für einen Film vorzusprechen, der von Max gedreht wird. Nun wird das Wiener Publikum die seltene Gelegenheit haben, einer Performance von McCarthy in Form von öffentlichen Dreharbeiten beizuwohnen. Über vier Tage hinweg werden sowohl improvisierte, als auch im Skript fixierte Aktionen eine geschlossene Erzählung bilden, wobei jeder Tag eine andere Episode darstellt. Die Aufführungen sind für Besucherinnen und Besucher unter 18 Jahren nicht zugänglich.

Am Burgtheater schließlich wird die Saison am 4. September mit „Ingolstadt“, nach „Fegefeuer in Ingolstadt“ und „Pioniere in Ingolstadt“, von Marieluise Fleißer eröffnet. Die Koproduktion mit den Salzburger Festspielen inszeniert Ivo van Hove. Der international erfolgreiche Regisseur gibt mit dieser Arbeit, nach mehreren großen Gastspielen bei den Wiener Festwochen (2017 beispielsweise stand Hollywoodstar Jude Law in van Hoves Visconti-Adaption „Obsession“ auf der Bühne im MuseumsQuartier), sein Regiedebüt in Wien. Es sind die heißesten Tage eines langen Sommers in der drückenden Enge der katholischen Provinz, die sich ihre Ventile mit grausamer Gesetzmäßigkeit an den schwächsten Stellen sucht. Roelle ist ein Außenseiter – ein selbsternannter Auserwählter und Heiliger von eigenen Gnaden, zu dem „die Engel kommen“. Mit seinem Wissen um die ungewollte Schwangerschaft der Klosterschülerin Olga hofft er, ihre Nähe erpressen zu können.

Fabian hat sich in Berta, das Dienstmädchen seines Vaters, verliebt, die ihrerseits von dem Pionier Korl fasziniert ist, dem sie die kaltschnäuzigen Beteuerungen seiner Gleichgültigkeit nicht glauben mag. Ihre Freundin Alma versucht Unabhängigkeit zu erlangen, indem sie sich auf eigene Rechnung zu prostituieren versucht. Der Feldwebel, der Pioniere kommandiert, die in Ingolstadt sind, um eine Brücke über die Donau zu bauen, wird Opfer eines Anschlags seiner Untergebenen und ertrinkt in der Donau. Die Gewalt in Marieluise Fleißers „Ingolstadt“ trägt die Masken der Religion, der Familie, der militärischen Ordnung, der Sexualität. Ihr Medium aber ist die Sprache. Es spielen unter anderem Marie-Luise Stockinger, Jan Bülow, Rainer Galke  und Elisabeth Augustin.

www.josefstadt.org           www.burgtheater.at            www.volksoper.at           www.volkstheater.at

  1. 8. 2022