aktionstheater ensemble: Immersion. Wir verschwinden

November 23, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Nach dem Nestroy-Preis gleich die nächste Uraufführung

Bild: Gerhard Breitwieser

Bild: Gerhard Breitwieser

Sie schimpfen auf „die da oben“ und empfinden sich als „die da unten“. Martin Gruber, das eben mit einem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnete aktionstheater ensemble und „Tanz Baby!“-Mastermind Kristian Musser widmen sich in ihrer neuesten Uraufführung „Immersion. Wir verschwinden“ den am gesellschaftlichen Kuchen Zukurzgekommenen, für die Aufmerksamkeit alles bedeutet und doch in ihrer Einsamkeit verloren gehen.

Selbstverständlich darf auch hier wieder der ironische Blick auf die eigene Theaterarbeit nicht fehlen. Premiere ist am 24. November im Werk X – Eldorado. Inhalt: Michaela entrüstet sich über das mangelnde Können einer Darstellerin aus einem Werbeclip für eine Provinzstadt. Das hätte sie wirklich besser gemacht. Andreas darf während einer Gala vor internationalen Finanzmogulen seine Gedichte vortragen. Eine Karriere als gefeierter Poet scheint sich aber doch nicht abzuzeichnen. Martin träumt vom großen Durchbruch als Schauspieler in einer französischen Filmproduktion. Bei den Dreharbeiten am Mount Everest wird er aber zum Statisten degradiert. Sein einziger Satz wird gestrichen. Von nun an geht’s bergab. Zurück in der Realität bleibt für alle ein Engagement beim Aktionstheater. Anlässlich eines drohenden Rechtsruckes, entschließt man sich nur noch Komödien zu machen. Das hat in früheren Zeiten auch schon einmal funktioniert …

Bild: Gerhard Breitwieser

Bild: Gerhard Breitwieser

Bild: Gerhard Breitwieser

Bild: Gerhard Breitwieser

Um die Grenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit vergessen zu machen, konterkarieren die Sängerin Sonja Romei und Kristian Musser das Geschehen mit minimalistischen Interpretationen vergangener Hits und sphärische Neukreationen. Eine poetische Intervention mit den Darstellern Susanne Brandt, Michaela Bilgeri, Martin Hemmer und Andreas Jähner.

Trailer: vimeo.com/189901179

www.aktionstheater.at

Wien, 23. 11. 2016

KlezMore Festival Vienna: Drei Tipps aus dem Programm

November 4, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Sogar Esther Bejarano kommt nach Wien

Afenginn. Bild: Soeren Solkaer

Afenginn. Bild: Soeren Solkaer

Am 5. November startet die diesjährige Ausgabe des KlezMore Festival Vienna. Im Zentrum stehen diesmal Konzerte, die eine breite Bestandsaufnahme lokaler und globaler Auslegungen des Genres und der Musikkultur des Klezmer erlauben, mit Platz für Traditionspflege ebenso wie für Innovation. Denn wie stets spannt KlezMore-Mastermind Friedl Preisl einen packenden programmatischen Bogen durch die Szene.

Drei Programmtipps:

Afenginn. 9. November, Reigen. Die 2002 gegründete dänische Band kommt  mit einem ganz speziellen Album im Gepäck nach Wien: „Opus“. Schon mit „Lux“ im Jahr 2013, wandten sich Afenginn um Bandleader Kim Nyberg von ihrem angestammten Sound ab, dem international gefeierten „Bastard Etno“. Nyberg konzipierte „Opus“, mit vielen Gastmusikern eingespielt, wie eine klassische Sinfonie – vier Sätze, jeweils zwanzig Minuten lang, verbunden durch wiederkehrende Motive und Rhythmen. Anspruchsvoll und mitreißend bewegt „Opus“ mit leisen Tönen ebenso wie mit seinen wilden, überbordenden oder hymnischen Momenten. www.afenginn.dk

Sasha Lurje & Daniel Kahn. 16. November, Kirche am Gaussplatz. Als ausgewiesene Spezialisten für Sehnsucht und deren musikalische Manifestationen haben diese beiden umtriebigen Künstler ein eigenes Programm zusammengestellt. Schöne, böse Lieder, voller Liebeskummer, Wollust, Mord und Angrenzendem, zum Totlachen, in Deutsch, Englisch, Jiddisch, Ukrainisch und Russisch. Von Nick Cave-Klassikern bis hin zu russischen Balladen. sashalurje.wixsite.com/sasha

Sasha Lurje & Daniel Kahn. Bild: Sanguisugus

Sasha Lurje & Daniel Kahn. Bild: Sanguisugus

Nikitov. Bild: Dordrecht

Nikitov. Bild: Dordrecht

Nikitov. 17. November, Sargfarik. Als „chilliger Jiddpop“ wurde der Sound von Nikitov um Sängerin Niki Jacobs beschrieben, was der vergnüglichen Klang-Kunst des Quintetts durchaus gerecht wird. Nikitov können Traditionelles, „Tumbalalaika“ oder „Bay mir bistu sheyn“, ebenso wie pfiffig-poppige Eigenkompositionen. Eine Köstlichkeit sind Nikitovs Übertragungen von Klassikern, „Stairway to Heaven“ wird zu „A Fisbank im Himl“ oder „Ain´t no Sunshine“ zu „Nit keejn zoensjain“. www.nikitov.com

Das Festival-Highlight:

Esther Bejarano & Microphone Mafia. Bild: Kutlu Yurtseven

Esther Bejarano & Microphone Mafia. Bild: Kutlu Yurtseven

Wird die Gala am 19. November im HdB Rudolfsheim mit Esther Bejarano & Mircophone Mafia. Mit diesem Abend meldet sich Esther Bejarano, 91-jährige Auschwitz-Überlebende – sie spielte im dortigen „Mädchenorchester“ – nachdrücklich zu Wort. Zum Auftakt liest sie, anmoderiert von Christian Schüller, aus ihren Über/Lebens-Erinnerungen. Danach tritt sie mit ihrem Sohn Joram und der aus Köln stammenden Rap-Truppe Microphone Mafia auf. 2009 veröffentlichte die Familie Bejarano gemeinsam mit den HipHoppern das Album „Per La Vita“, 2013 folgte „La Vita Continua“, eindrucksvolle musikalische Manifestationen davon, wie wichtig es ist, der Unmenschlichkeit in all ihren Formen Widerstand zu leisten, nicht zuletzt durch das Bewahren von Lebensfreude und Optimismus. „Es ist Zeit für einen Aufschrei von uns allen, einen unüberhörbaren, lauten Aufschrei, der bis in den letzten Winkel unseres Landes und der ganzen Welt widerhallt. Der Satz ,Wehret den Anfängen!‘ ist längst überholt! Wir sind mittendrin!“ www.microphone-mafia.com

klezmore-vienna.at

Wien, 4. 11. 2016

Salam.Orient 2016: Drei Tipps aus dem Programm

Oktober 4, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Musik, Tanz und Poesie aus orientalischen Kulturen

Vardan Hovanissian & Emre Gültekin Quartett: Adana. Bild: © Musique Publique

Türkei meets Armenien: Vardan Hovanissian & Emre Gültekin Quartett: Adana. Bild: © Musique Publique

Am 13. Oktober beginnt Salam.Orient 2016. Festivalleiter Norbert Ehrlich hat ein buntes Programm mit Künstlerinnen und Künstlern aus Syrien, dem Irak und Iran, aus Palästina, der Türkei und Österreich zusammengestellt, dazu spannende Begegnungen zwischen Indien und dem Westen, eine Lesung des palästinensischen Autors Atef Abu Saif, Vorträge zur aktuellen Lage, Tänzer und Derwische … Motto: Ex oriente lux – aus dem Orient kommt das Licht.

Drei Tipps aus dem Programm:

14. Oktober, Porgy & Bess: Vardan HovanIssian & Emre Gültekin: „Adana“. Türkei meets Armenien. Die Stadt Adana an der Mittelmeerküste galt als einer der blühendsten Orte in der ottomanischen Türkei, um zu leben und zu arbeiten. Muslime und armenische Christen kamen halbwegs gut miteinander aus. Der Genozid vor hundert Jahren änderte alles: die Stadt wurde teilweise zerstört, die armenische Gemeinde in alle Welt zerstreut.

Die beiden Musiker Vardan HovanIssian und Emre Gültekin wählten daher den Namen dieser Stadt als Symbol für ein einstmals gutes Leben und gaben ihrem gemeinsamen Programm diesen Namen. So vermischt sich heute die uralte Musik der Armenier erneut mit derjenigen der Türken. Das ist keine Frage der „Fusion“, sondern eines möglichen Zusammenlebens. So wie an den Ufern des Mittelmeeres seit der Antike Menschen miteinander Handel trieben, Feste feierten und heirateten. „Adana“ dokumentiert dieses Überleben alter Traditionen, die Lieder über das Land und seine Leute besitzen die Kraft, die Trauer der Menschen zu überwinden und neu zu beginnen.

24. Oktober, Dschungel Wien: Diyar Dance Theatre aus Bethlehem: „Out of Place“. Eine Reise durch die Herzen und Köpfe junger palästinensischer Künstlerinnen und Künstler, die ihrer gegenwärtigen Realität entfliehen und sich auf die Suche nach einer lebenswerter Existenz und ihrer Identität begeben. Sie lernen sich durchzusetzen, gegen die eigene innere aber auch äußere Wut und gegen Vorurteile, um so gemeinsam über die Mauern der Unterdrückung hinauszuwachsen und die neu entdeckte Freiheit zu zelebrieren. Schauplätze des Stücks sind unterschiedliche palästinensische Städte wie Bethlehem, Ramallah und Jenin, aber auch andere Länder wie Jordanien, Spanien, Deutschland, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA. Die ausgewählten Tänze zeigen unterschiedliche Formen der Angst: Angst vor Veränderung, Angst vor der Enthüllung des Selbst und Angst vor dem Alleinsein – Ängste, die allen Jugendlichen über kulturelle Grenzen hinweg gemein sind. Das Diyar Dance Theatre glaubt an Kultur, nicht nur um Mut zu machen, sondern auch um Brücken zu schlagen, lokal wie international. Inszenierung: Mohammad Awwad, Choreographie: Shadi Kassis. Mit: Maher Mena Mickel, Hala A. N. Alkoury, Lord K. I. Khair, Lana K. I. Hawash, Ala M. H. Jubran, Yazan und Hanna Elias Elyateem.

Das Diyar Dance Theater aus Bethlehem: Out of Place. Bild: © Diysar Dance

Das Diyar Dance Theater aus Bethlehem: Out of Place. Bild: © Diysar Dance

Noureddine Khourchid & die tanzenden Derwische von Damaskus. Bild: © Dragan Tasic

Noureddine Khourchid & die tanzenden Derwische von Damaskus. Bild: © Dragan Tasic

 31. Oktober, Theater Akzent: Noureddine Khourchid & Die tanzenden Derwische von Damaskus: Sufi-Ritual. Innerhalb der islamischen Welt stellt die mystische Richtung des Sufismus eine – wenn auch bedeutende – Minderheit dar. Die volksnahen Sufis verwenden die jahrhundertealten Traditionen von Musik, Gesang und Tanz dazu, um einen Trance-Zustand zu erreichen, in welchem die mystische Vereinigung mit Gott erfahrbar wird. Die Stadt Damaskus war immer eines der Zentren der arabischen Welt. Hier haben sich seit dem Altertum viele Kulturen gekreuzt, viele Einflüsse vermischt. So haben auch die wandernden Derwische ihre Spuren hinterlassen. An den islamischen Schreinen entwickelte sich das Ritual des Drehtanzes, begleitet von religiösen Gesängen. Noureddine Khourchid, geboren 1966 in Damaskus, ist der Sohn von Abu al-Nur, einem Sheikh des syrischen Shadhiliyya Sufi-Ordens. Nach dem Studium des Koran und der Ordensregeln erhielt er eine Ausbildung in religiösem Gesang und Koran-Rezitation. Er leitet die Zeremonie des Sufi-Rituals, welches bei diesem Ensemble aus der Verbindung dieser Musiktradition mit zwei Tänzern aus dem Mevlevi/Mawlawi-Orden steht. Der Mevlevi-Orden seinerseits führt seinen Ursprung auf den berühmten Jaladdin al-Rumi (1207-1273) zurück, der als Begründer und spiritueller Meister der Mevlevis in der türkischen Stadt Konya gilt.

salam-orient.at

Wien, 4. 10. 2016

Sasha Waltz eröffnet im Festspielhaus St. Pölten

September 19, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit „Sacre“ beginnt ein Strawinsky-Schwerpunkt

Sasha Waltz & Guests: L'Apres-midi d'un Faune. Bild: Bernd Uhlig

Sasha Waltz & Guests: L’Apres-midi d’un Faune. Bild: Bernd Uhlig

Das Festspielhaus St. Pölten startet am 24. September mit der Berliner Choreografin und Opernregisseurin Sasha Waltz in die neue Saison. Sie präsentiert einen dreiteiligen Abend bestehend aus „L’après-midi d’un faune“, der „Scène d’amour“ aus ihrem Ballett „Roméo et Juliette“ sowie dem Finale von Igor Strawinskis „Le Sacre du Printemps“.

Die Kreation von Waltz versieht Strawinskis archaisch anmutende, spannungsreiche und kantige Komposition mit einer fulminanten Choreografie. In einer todestanzartigen Spirale aus akrobatischen Windungen und Verrenkungen begehrt das von der Gruppe auserwählte Frühlingsopfer ein letztes Mal auf, bis eine überdimensionale Dolchspitze unter hochdramatischen Klängen – live interpretiert vom Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Titus Engel – dem Kampf ein Ende setzt.

In „L‘après-midi d‘un faune“ mit Musik von Claude Debussy erzählen die Tänzerinnen und Tänzer von Geistern und Träumen und verleihen der Kraft des Animalischen vor einer knalligen Pop-Art-Szenerie neue Bildwelten. Mit betörender Leichtigkeit beflügelt schließlich das Liebesduett „Scène d‘amour“ aus „Roméo et Juliette“ mit Musik von Hector Berlioz romantische Fantasien und hinterlässt einen überschwänglich euphorischen Nachgeschmack. „Seit Langem interessieren mich archaische Mythen und Riten, die die Macht und erhabene Ordnung der Natur beschwören“, sagt Sasha Waltz. So erforschte sie mit „Continu“, der Festspielhaus-Eröffnungsproduktion 2015, die archaischen Momente im Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft. Wenn nun mit 26 Tänzern dem Wesen und der Position des Opfers in der Gesellschaft auf den Grund gegangen wird, setzt sich die Reihe fort, in der Waltz nach den Kräften und Dynamiken forscht, die zwischen Gruppen und Einzelnen entstehen können.

Sasha Waltz & Guests: Le sacre du printemps. Bild: Bernd Uhlig

Le sacre du printemps. Bild: Bernd Uhlig

Sasha Waltz & Guests: Scene d'Amour. Bild: Stylianos Tsatsos

Scene d’Amour. Bild: Stylianos Tsatsos

Der Abend eröffnet neben der startenden Saison außerdem den Themenschwerpunkt zu Igor Strawinskis „Le Sacre du Printemps“, der sich durch mehrere Produktionen der ganzen Saison zieht. So verbindet José Montalvo in seiner Performance „Y Olé!“ am 26. November Flamenco-Rhythmen mit Strawinskis monumentaler Komposition und Marie Chouinard stellt mit ihrer Interpretation des Stoffes am 9. Juni einmal mehr die Brisanz ihrer Kreationen unter Beweis.

www.festspielhaus.at

Wien, 19. 9. 2016

Circus Roncalli: Reise zum Regenbogen

September 17, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Sehen, was Sie noch nie gesehen haben!

Paolo Carillon hüllt die Welt in sanft schillernde Seifenblasen. Bild: Circus Roncalli

Paolo Carillon hüllt die Welt in sanft schillernde Seifenblasen. Bild: Circus Roncalli

Roncalli, das ist Gesamtkunstwerk auf dem Rathausplatz, das sind Fantasiewesen und skurrile Geschöpfe, die das Publikum schon lange vor dem Einlass abholen und in ihre Welt entführen, das ist der Kindheitsgeruch nach Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Roncalli, das sind die Clowns, die Pierrots, die Colombinen, die dummen Augusts, sie wie immer das Herz der Show.

„Reise zum Regenbogen“ heißt die, die Roncalli-Gründer Bernhard Paul zum 40-Jahr-Jubiläum seines Circus erdacht hat, und bis man endlich drinnen ist im Zelt, ist man dort längst angekommen, längst verzaubert, längst im Zirkusfieber. Minutenlang werden sie mit Applaus bedacht, der Herr Direktor und sein Spektakel. Beide sind sie Wiener. Beide nun bis 16. Oktober in Wien zu sehen. Für das hochkarätige Programm, durch das Clown-Conférencier Gensi und seine Kollegen Anatoli Akerman und Ramon, der sich mit seiner spaßigen Art durch die Nummern crasht, führen, hat Bernhard Paul sich sozusagen neu erfunden. Die Nostalgie früherer Shows ist natürlich da, das Sentiment und die leise Melancholie gehören zur Roncalli-Melange. Etwa, wenn Paolo Carillon und seine verrückten Maschinen mit sanft schillernden Seifenblasen jede harte Realität weichzeichnen. Oder das Duo Pykhov. Seiltänzerin Yana, die auf einer von ihrem Mann sanft geschaukelten Mondsichel, Richtung Himmel schwebt.

Ai'Moko bezauberte das Publikum mit dem Cyr-Rad. Bild: Circus Roncalli

Clown-Akrobat Ai’Moko bezaubert das Publikum mit dem Cyr-Rad. Bild: Circus Roncalli

Jongleur Ty Tojo hebt eine alte Kunst auf eine völlig neue Stufe. Bild: Circus Roncalli

Jongleur Ty Tojo hebt eine alte Kunst auf eine völlig neue Stufe. Bild: Circus Roncalli

Doch diesmal sorgen auch viele junge, vielfach bereits preisgekrönte Artisten mit ihren temperamentvollen Nummern für Tempo und modernes Flair. Schauen heißt Staunen, und Stimmung ist vom ersten Moment an. Neben der Poesie der Bilder besticht auch die akrobatische Leistung. Sehen Sie, was Sie noch nie gesehen haben! Etliche Darbietungen in dieser Form tatsächlich zum ersten Mal. Ty Tojo, der 18-jährige Amerikaner mit japanischen Wurzeln, in Monaco bereits mit dem Newcommerpreis ausgezeichnet, hebt die Kunst der Jonglage auf eine neue Ebene. Scatman Robert Wicke beweist, dass man Beatboxen, Singen und Kekse essen gleichzeitig kann – und freilich fordert der Comedian die Zuschauer auf, es ihm gleich zu tun. Ohne mitzumachen kann man bei Roncalli nicht dabei sein.

Vivi Paul begeisterte das Publikum im Luftring. Bild: Circus Roncalli

Vivi Paul begeistert das Publikum im Luftring. Bild: Circus Roncalli

Lili Paul zeigte zum ersten Mal ihre Kontorsionsakrobatik. Bild: Circus Roncalli

Lili Paul zeigt Kontorsionsakrobatik. Bild: Circus Roncalli

Und mitten drin die beiden Töchter. Vivi Paul als Harlekina mit keckem Hütchen am Luftring und Lili Paul mit ihrer Kontorsionsakrobatik. Die Erstgeborene präsentiert sich mit Anmut und einem Augenzwinkern, ganz „alte Häsin“, das 17-jährige Nesthäkchen der Familie zeigt seine Kunst zum ersten Mal in der Manege. Nach dem Schlussapplaus zu schließen der Liebling des Publikums ist das Wunderwesen Ai’Moko, eine Erfindung des venezolanischen Clown-Akrobaten Aime Morales, das im surrealen Raum eines Cyr-Rads lebt und mit diesem einen anmutigen Konflikt um die eigene Daseinsberechtigung austrägt. Was der bereits hoch dekorierte Künstler da zeigt, ist etwas auch für Zirkuserfahrene völlig Neues.

Gleich dem Foucault'schen Pendel schwebt Lift durch die Luft. Bild: Circus Roncalli

Gleich dem Foucault’schen Pendel schwebt Lift durch die Luft. Bild: Circus Roncalli

Das Duo Pykhov balanciert auf der Mondsichel. Bild: Circus Roncalli

Das Duo Pykhov: Yana balanciert auf der Mondsichel. Bild: Circus Roncalli

Ebenso wie die Darbietung des fliegenden Quartetts namens Lift. Gleich einem Foucault’schen Pendel schwingen die beiden Herren ihre Partnerinnen durch die Luft, lassen sie, selbst nur von einem Hüftgurt gehalten, bis unter die Kuppel abheben. Das kanadisch-südamerikanische Kleeblatt hat mit dem Porteur Parallele ein neues Genre entwickelt und wurde dafür beim Paris Nachwuchszirkusfestival mit Silber belohnt. Die vier sind ein rasanter, ein atemberaubender Schlusspunkt der Show. Zu Recht bejubelt, bevor sich die Zuschauer mit bunten Luftballons beschenkt glücklich nach Hause träumen.

Nach Wien ab Oktober in Graz und ab November in Innsbruck.

www.roncalli.de

Wien, 16. 9. 2016