Weihnachtswassermusik auf dem Donaukanal

Dezember 13, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Ensemble 29er Blech sorgt für Advent-Stimmung

„Wien leuchtet“ sorgt auch bei den Wiener Brücken für Weihnachtsstimmung. Bild: © Brückenbau und Grundbau-MA29

Schon das zweite Jahr steht die Vorweihnachtszeit im Schatten der Pandemie. Mit weihnachtlichen Klängen von einem Boot auf dem Donaukanal aus wollen die beiden Fachabteilungen der Stadt Wien Brückenbau-MA 29 und Wiener Gewässer-MA 45 ein wenig Advent-Zauber zu den Menschen bringen.

Am 13. Dezember werden unter mehreren festlich beleuchteten Brücken am Donaukanal traditionelle Weihnachtslieder vom Wasser aus zu hören sein.

Das Ensemble 29er Blech, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Wien, wird auf einem Boot den Donaukanal entlangfahren und an mehreren Stationen Halt machen. Die von der Fachabteilung Wien leuchtet-MA 33 besonders stimmungsvoll beleuchteten Brücken am Donaukanal sorgen für ein weihnachtliches Ambiente.

Termin: 13. Dezember, 16.15 Uhr bis etwa 17.30 Uhr, an verschiedenen Stationen entlang des Donaukanals, Start: Franzensbrücke, 1020 Wien, Ende: Heiligenstädter Brücke, 1190 Wien.

Das 29er Blech

Ensemble 29er Blech. Bild: © Brückenbau und Grundbau-MA29

Gegründet wurde das 29er Blech im Jahr 2014 von Hermann Papouschek, Abteilungsleiter der Stadt Wien – Brückenbau und Grundbau. Die Idee war die musikalische Vernetzung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Wien, die bei Bedarf auch bei offiziellen Anlässen zur Verfügung stehen.

Mittlerweile gab es schon zahlreiche Auftritte im Rahmen verschiedenster Veranstaltungen und Konzerte. Auch bei Eröffungsfeiern und bei der Ausrufung des Beethovenjahres 2020 wirkte das 29er Blech im Wiener Rathaus mit. Seit 2015 ist das 29er Blech fixer Bestandteil des traditionellen weihnachtlichen Turmblasens auf dem Rathausplatz.

13. 12. 2021

Die Wiener Staatsoper streamt Sven-Eric Bechtolfs Ring

November 23, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Hochkarätiges, kostenloses Lockdown-Programm

Das Rheingold: Jochen Schmeckenbecher und Sorjana Kuschpler. Bild: © Wiener Staatsoper

In der Zeit des neuerlichen Lockdowns wird die Wiener Staatsoper wieder ein kostenloses Streaming-Programm auf play.wiener-staatsoper.at anbieten. Ein besonderes Highlight bildet dabei die Premiere von „Don Giovanni“ in der Regie von Barrie Kosky und unter der musikalischen Leitung von Musikdirektor Philippe Jordan am 5. Dezember, die im ORF III-Hauptabendprogramm sowie auf play.wiener-staatsoper.at live übertragen wird. www.mottingers-meinung.at wird berichten.

Für die erste Woche wurde ein Programm aus dem digitalen Archiv des Hauses zusammengestellt – mit dem Highlight der Ring-Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf aus dem Jahr 2016. Beginnend mit „Das Rheingold“ unter Adam Fischer und unter anderem mit Tomasz Konieczny, Norbert Ernst, Jochen Schmeckenbecher und Michaela Schuster wird ab sofort täglich eine Opern- oder Ballettvorstellung gezeigt.

Mit Ausstrahlungen von „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ unter Adam Fischer wird in dieser Woche nicht nur Wagners „Ring des Nibelungen“ komplett gezeigt.

Außerdem stehen noch eine Vorstellung von „L’elisir d’amore“ aus dem Jahr 2016 unter Marco Armiliato und unter anderem mit Stephen Costello, Valentina Nafornita und Erwin Schrott, der Ballettklassiker „Don Quixote“ sowie „Der fliegende Holländer“ von 2014 unter der musikalischen Leitung von Graeme Jenkins und unter anderem mit Bryn Terfel, Ricarda Merbeth und Peter Rose auf dem Online-Spielplan.

Die Streams starten jeweils um 19.00 Uhr und sind 24 Stunden lang abrufbar.

www.wiener-staatsoper.at

23. 11. 2021

Die Walküre: Michaela Schuster und Tomasz Konieczny. Bild: © Wiener Staatsoper

Siegfried: Herwig Pecoraro. Bild: © Wiener Staatsoper

Götterdämmerung: Christian Franz und Juliette Mars. Bild: © Wiener Staatsoper

 

Öffentliche Ausschreibung für den Neubau von Dagobert Ducks Geldspeicher

November 10, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Neuer Glanz für Entenhausens Stadtbild

Bild: © Disney

Seit 70 Jahren thront er unverändert als Wahrzeichen über der Stadt: der Geldspeicher von Dagobert Duck, der reichsten Ente der Welt. Doch nun soll Entenhausens berühmtestes Gebäude einem moderneren Neubau weichen. Der beste Entwurf wird mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 EUR honoriert, der Zweitplatzierte erhält 1.000 EUR und der dritte Platz 500 EUR. Teilnehmen können alle immatrikulierten Studierenden der Fachrichtung Architektur und verwandter Studiengänge.

Was sich wie eine kleine Revolution des Stadtbildes von Entenhausen anhört, ist ein schwer erkämpfter Kompromiss zwischen Dagobert Duck, dem notorisch sparsamen Eigentümer des Geldspeichers, und der Stadt Entenhausen, die auf die energetische Sanierung ihrer Gebäude drängt. Beide Parteien haben sich nun als gemeinsame Auftraggeber dazu entschlossen, die Neugestaltung des Geldspeichers in einem öffentlichen Wettbewerb unter Architektur-Studierenden auszuschreiben – mit folgenden Anforderungen: Der Bauherr ist auf einen kostengünstigen Neubau aus, der gleichzeitig keinerlei Abstriche in Bezug auf die Stabilität und Sicherheit des

Gebäudes bedeuten darf. Auch die berühmten Initialen des Eigentümers „DD“ sollen weiterhin prominent auf dem Geldspeicher zu sehen sein. Der Stadt Entenhausen hingegen ist wichtig, dass sich der neue Geldspeicher an modernen baulichen Standards orientiert und möglichst energieeffizient ist, wobei vor allem nachhaltige Rohstoffe zum Einsatz kommen sollen. Die Vereinigung dieser Interessen gilt als Voraussetzung für alle Bewerberinnen und Bewerber. Der Kreativität der Gestaltung des neuen Geldspeichers sind keine Grenzen gesetzt, solange die Entwürfe des Gebäudes weiterhin mit dem Stadtbild Entenhausens harmonieren.

Das Gebäude befindet sich auf dem Glatzenkogel in Entenhausen und hat aktuell eine nahezu quadratische Würfel-Form mit je 37 Metern Länge und Breite und 39 Metern Höhe. Der Aufbau des Tresorraums ist und bleibt geheim – gesagt sei nur, dass er Herrn Ducks Barvermögen in Höhe von etwa 500 Trillionen und 254 Billiarden Talern fasst. Und das soll auch so bleiben.

Für alle interessierten Bewerberinnen und Bewerber hat die Stadt Entenhausen offizielle Ausschreibungs- unterlagen erstellt, welche unter egmont.de/presse zu finden sind. Berücksichtigt werden ausschließlich Entwürfe, die fristgerecht bis zum 9. Januar 2022 per E-Mail bei folgender Adresse eingegangen sind: geldspeicher@micky-maus.de. Die Ausführung des Neubaus ist für den Zeitraum Jänner bis März 2022 angesetzt. Darüber hinaus wird der Gewinner duckifiziert seinen colorierten Entwurf im eigens dafür produzierten Comic dem Bauherren Dagobert Duck vorstellen: Veröffentlichung im Micky Maus Magazin #12/22, Mai 2022. Zudem werden alle drei Gewinnerentwürfe als Postermotive im Magazin präsentiert.

10. 11. 2021

WUK: On The Edge #9 – experimentelle Zirkuskunst

November 3, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Männer in Pferdegeschirren und Omas in luftigen Höhen

Un loup pour l’homme: Cuir. Bild: © Edouard Barra

Wer heutzutage Zirkus sehen will, findet sich nicht mehr zwangsläufig in einem Zelt zwischen Tieren, Popcorn und Wohnwagen wieder. Die zeitgenössischen Formen des Zirkus sind mittlerweile international und – insbesondere europaweit – bestens etabliert. Und so zeigt das WUK von 5. bis 13. November das Festival für experimentelle Zirkuskunst „On The Edge #9“. Das Festival öffnet einen Raum für Zirkuskunst, die sich an der Schnittstelle zu Performance

und Bildender Kunst bewegt. „On The Edge“ zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die die eigene Praxis abstrahieren oder dekonstruieren und den Raum, die experimentelle Ausdrucksform oder die Rolle des Publikums neu denken. Das Festival fördert mutige künstlerische und politische Positionen und einen reflektierten Umgang mit Genderrollen auf der Bühne.

„On The Edge #9“ wird von den Residenz-Künstlerinnen und -künstlern eröffnet: Vier Artistinnen und Artisten aus Österreich, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz wurden im Rahmen des circus re:searched Programms eingeladen ihre aktuellen Projekte und Forschungen während zwei-wöchigen Studio-Residenzen zu vertiefen oder bestehende Arbeiten zu präsentieren. Nachwuchskünstlerinnen und -künstler treffen auf etablierte Zirkusschaffende und frische Experimente auf bereits bestehende Stücke. Die Performances von Anne Kugener und Julian Vogel beschäftigen sich beide mit der Schnittstelle von Zirkus und Bildender Kunst – von Vogel ist auch die Installation „China Series #11“ zu sehen. Das Duo Maja Karolina Franke und Ralph Öllinger untersucht das Geschlechterverhältnis und die Rollenverteilung in der partnerakrobatischen Praxis.

Hier schließt auch die Künstlerin Kathrin Wagner an, die ihre Rolle und Erfahrungen als Frau und Performerin in der Zirkuswelt reflektiert. Aus persönlichen Erfahrungen mit Sexismus und Berichten anderer Performerinnen entstand das Slam-Gedicht „I was told“, das zusammen mit dem Text „Love Letter to myself“ Ausgangspunkt für die aktuelle Kreation ist. Nachdem Jonglage und Poetry Slam von der Künstlerin als separate Disziplinen erlernt wurden, entstand der Drang, eine tiefere Verbindung zu schaffen. In der Kombination aus gesprochener Sprache und Jonglage bereichern sich nun beide gegenseitig und verändern die Wahrnehmung des Publikums auf die einzelnen Genres.

I was told. Bild: © Jan Ole Laugesen

Grand Mère. Bild: © Alexandre Fray

Anne Kugener. Bild: © Natali Glisic

„In the maze of your perception, I resonate …“ von Tänzerin Elena Lydia Kreusch und Straßenkünstler Andrea Salustri ist eine interdisziplinäre Rauminstallation: Kleine Publikumsgruppen können sie gemeinsam begehen und Klanginstallationen, Videokunst und interaktive Skulpturen eigenständig erkunden. Die präsentierte Auswahl ist Teil eines langfristigen Forschungsprojekts, im Rahmen dessen das Duo mit alternativen und nicht-performativen Formaten für zeitgenössischen Zirkus experimentierte. Zirkuskörper und -disziplinen werden dekonstruiert und Zirkusgesten und -objekte werden in einen neuen Kontext gesetzt. Die Infragestellung etablierter Blickwinkel eröffnet neue Perspektiven auf ein vertrautes Genre.

Als „Acrobalance: Extreme Symbiosis“ präsentieren das schwedische Künstlerpaar Henrik Agger und Louise von Euler Bjurholm eine intime 55-minütige dokumentarische Lecture Performance. In „Extreme Symbiosis“ geben sie dem Publikum einen Einblick in ihre Arbeit, Praxis und ihr Leben als Paarakrobaten. Indem sie die Bedeutung eines konstanten geistigen und körperlichen Trainings in ihrer Kunstform zeigen und hervorheben, hoffen sie, das Verständnis für diese Kunstform zu erweitern. „Was geschieht in der Interaktion zwischen uns, wenn wir unsere Praxis ausüben? Eine Zusammenarbeit zwischen Körper und Geist, individuellen Systemen und gemeinsamen Sinnen. Eine langjährige PartnerInnenschaft, die auf extremem Vertrauen basiert und in der Praxis täglich herausgefordert wird.”

Zwei Männer, zwei Ledergeschirre. Das ist „Cuir“ der Compagnie „Un loup pour l’homme“. Was wie ein Spiel um Dominanz und Unterwerfung aussieht, entpuppt sich als subtiles Duett, das das menschliche Verlangen nach gegenseitigem Verständnis erforscht. „Un loup pour l’homme“ benutzt die Geschirre – die normalerweise von Zugpferden getragen werden – um die Seele des Menschen zu durchpflügen und die Zerbrechlichkeit persönlicher Beziehungen aufzudecken. „Cuir“ ist eine akrobatische Tour de Force bei der die Energie in jeder Sekunde auf’s Publikum überspringt.

Der flämische Akrobat Toon Van Gramberen setzt sich seit einigen Jahren mit dem alternden Körper auseinander. Sein Vater erklärte sich bereit, ihn in einem gemeinsamen Prozess zu begleiten. Er ist sechzig Jahre alt und hat keinerlei akrobatische Vorkenntnisse. Dies war der Anfang von „Carrying my father“, einem Bühnenstück, das mittlerweile vier Akrobaten und ihre Väter involviert. Begleitend zum Kreationsprozess von „Carrying my father“ entstand die Fotoausstellung, die einen intimen Einblick in den Probenprozess gibt.

Un loup pour l’homme: Cuir. Bild: © Edouard Barra

Maja Karolina Franke und Ralph Öllinger. Bild: © Claude Hofer

Acrobalance: Extreme Symbiosis. Bild: © Arts printing house

In the maze of your perception … Bild: © Kreusch & Salustri

Wenn der alternde Körper in den Mittelpunkt der akrobatischen Forschung gestellt wird, werden die Vorstellungen von körperlicher Virtuosität notwendigerweise dekonstruiert und neu definiert. So verschieben sich zwangsläufig auch Perspektiven auf den Körper des Akrobaten und auf die gesamte Disziplin. Der Dokumentarfilm „Vaders Dragen – Carrying fathers“ zeigt den Entstehungsprozess einer Zirkusproduktion in der sich vier Akrobaten die Bühne mit ihren Vätern teilen.

Das „Projet Grand Mère“ des Akrobaten Alexandre Fray, Mitglied von „Un Loup pour l’Homme“, untersucht die Geste des Tragens im Rahmen einer Recherche mit älteren Menschen: Tragen als Symbol des „Sich Kümmerns“. Es geht Fray darum, sich Zeit zu nehmen, miteinander in Beziehung zu treten, viel zuzuhören und eine Atmosphäre zu schaffen, die Vertrauen und Verbundenheit fördert. Dies ist die Basis für die Entwicklung einer gemeinsamen körperlichen Arbeit. Ziel ist das Finden einer Intimität, die von einer großen Zartheit durchdrungen ist. Gemeinsam mit älteren Frauen, welche nie oder selten getragen wurden, hinterfragt der Akrobat die Herausforderungen einer Disziplin, die vom Horizont der Höchstleistungen oft in den Schatten gestellt wird.

Was bedeutet es, sich den Gesetzen des Gleichgewichts und der Schwerkraft zu widersetzen, wenn Gelenke rosten und Muskeln schmelzen? Wie kann man „loslassen“, wenn der Körper dies verlernt um sich selbst zu schützen? Was bedeutet Virtuosität für den alternden Körper – kann auf einem Bein stehen mit 80 Jahren dasselbe Risiko kommunizieren wie ein Rückwärtssalto? Die Foto-Ausstellung „Projet Grand Mère“ dokumentiert die besonderen Begegnungen des Akrobaten mit Frauen im Alter von „Großmüttern“ von 2016 bis heute, die den Schritt ins Leere wagen und sich in die Luft heben lassen.

Arne Mannott, Choreograf, Zirkusperformer und Kurator, beschließt die Woche mit der Videoinstallation „circus“. Dafür wurden zehn Akteurinnen und Akteure verschiedenen Alters, verschiedener Herkunft und mit verschiedenen künstlerischen Hintergründen zu ihrer Sichtweise zu Zirkus befragt. Im Fokus der Interviews steht die Frage nach dem „Was ist eigentlich Zirkus?“ – und damit auch danach, wodurch sich die Kunstform Zirkus selbst definiert und welche besonderen Merkmale dabei zustande kommen. Die Porträtierten sind alle seit Jahren oder Jahrzehnten in der Zirkuskunst tätig und treten für dieses Video in einen ganz persönlichen Dialog mit sich selbst.

Mehr Infos und alle Termine: www.wuk.at

3. 11. 2021

Das Schauspielhaus Wien ist nun ein Hotel

Oktober 4, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Jetzt schnell ein Zimmer buchen!

Bild: © Matthias Heschl

Im Schauspielhaus Wien ist seit diesem Wochenende alles, aber auch wirklich alles anders: Das gesamte Haus wurde nicht nur innen-/architektonisch radikal verändert, sondern wird auch völlig anders bespielt. Das Schauspielhaus Wien wird für fünf Monate ein neuer künstlerischer Begegnungsort, ein Schauspielhaus, eine Herberge, ein Hotel. Genauer gesagt: Kein Hotel. Irgendetwas dazwischen. Ins Schauspielhaus Hotel sind

mehr als 55 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, einzelne Zimmer zu beziehen, den Schauspielhaus Hotel-Saal, einzelne Zimmer oder das gesamte Gebäude zu bespielen – sie entwickeln Performances, Ausstellungen, Aufführungen, Radiosendungen und TV Programme, sie geben Workshops und Konzerte, laden zu intimen Begegnungen, zu Therapie, Massage, Workouts und in ein Tattoo Studio. Work in Progress ist im Schauspielhaus Hotel keine Begleiterscheinung, sondern die zentrale Devise: Die Grenzen von Arbeitsprozess, Recherche, Try out und fertigen künstlerischen Arbeiten verschwimmen, denn es werden nicht nur Ergebnisse präsentiert, sondern auch Produktions- und Probenprozesse nach außen hin geöffnet.

Das Schauspielhaus Wien macht so nach einer langen Zeit der Schließung für zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, aber auch für die Gäste seine Räume bis in den letzten Winkel neu zugänglich und öffnet sich umfassend. Das Schauspielhaus Hotel wird Mittwoch bis Sonntag jeweils ab 16 Uhr geöffnet sein. Für dieses neue und experimentelle Programm wurde ein eigenes Ticketsystem entwickelt: man bucht keine einzelnen Veranstaltungen, sondern Nachmittags- und Abendslots, Tagestickets oder man bucht sich sogar ein eigenes Hotelzimmer und übernachtet freitags bis sonntags im Schauspielhaus Hotel. Mehr Infos: issuu.com/schauspielhaus_wien/docs/magazin_01_2122_hotel

Bild: © Patrick Wally

Bild: © Matthias Heschl

Bild: © Patrick Wally

Bild: © Patrick Wally

Am Eröffnungswochenende zogen die ersten in ihre Zimmer ein: die Musikerin und Medienkünstlerin Rosa Anschütz blieb vorerst für eine Nacht, während sich die Autorin und bildende Künstlerin Miroslava Svolikova (unvergesslich unter anderem – Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23816) für einen längeren Aufenthalt einrichtet. Mit der Regisseurin und Performerin Lisa Lie erwartet einen Besuch aus Norwegen – man erinnere sich an ihre Produktion „Kaspar Hauser oder die Ausgestoßenen könnten jeden Augenblick angreifen!“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23913) oder das Gastspiel „I Cloni“. Auch der Hallimasch Komplex – ein Netzwerk um die Regisseurin Rieke Süßkow – beginnt bereits, sich rhizomartig im gesamten Gebäude auszubreiten. Der hotelinterne Radio-Sender, betrieben vom Schauspielhaus Hotel-Ensemble, geht mit unterschiedlichen experimentellen, informativen und unterhaltsamen Features in Betrieb. On Air – in der Lobby und in allen Fluren. In den Hotelzimmern läuft das exklusiv produzierte oder kuratierte Kabelfernsehprogramm.

Highlights dieser Woche:

Frida Robles: It also goes dark. Die mexianische Künstlerin über die mehr als 700 Frauen, die an der Grenze zu den USA verschleppt, vergewaltigt, ermordet wurden. Hybrid Dessous: Nachtwäsche. Die Installation setzt sich mit Dresscodes der Nacht auseinander. Menschen brezeln sich nachts auf, schminken sich, legen sich Masken auf, setzen sich bewusst in Szene und schlüpfen in Rollen. Gleichzeitig ist die Nacht voller roher Natürlichkeit, in ihrem Schatten werden gesellschaftliche Hüllen fallen gelassen. Dieser Kontrast spiegelt sich in den Textilien der Nacht wider: ausgebeulte, verwaschene Kuschelshirts, Plüschdecken und bequeme Unterwäsche stehen paillettenbesetzter Spitze, Latex, Transparenz und Glitzer gegenüber. Konzert: Das Trojanische Pferd. Das Trojanische Pferd serviert seit 2007 inbrünstigen Chanson-Punk mit Ecken und Kanten. Mit der Veröffentlichung von „Gunst“ 2020 wurde der Ton etwas sanfter, aber weiterhin gilt: „Ich würde ums Verrecken keinen belanglosen Scheiß singen“ wie Sänger, Gitarrist & Pianist Hubert Weinheimer schon 2009 im Falter klarstellte. Bass & Backing-Vocals: Judith Filimónova.

Bild: © Matthias Heschl

Bild: © Matthias Heschl

Bild: © Matthias Heschl

Bild: © Matthias Heschl

#BOOKAROOM
Jeweils von Freitag auf Samstag und von Samsatg auf Sonntag kann man im Schauspielhaus Hotel übernachten. Zu buchen gibt es eines der freien Zimmer oder eine der gemütlichen Schlafkojen im zweiten Stock. Einfach die gewünschte Zimmerkategorie und den gewünschten Tag reservieren und spätestens innerhalb von 24 Stunden melden sich die freundlichen Rezeptionistinnen und Rezeptionisten telefonisch bei Ihnen, um Details und Bezahlung zu besprechen. Bei gebuchter Übernachtung ist ein Tagesticket für den Tag des Check-ins bereits enthalten. Check-in ab 16 Uhr, Check-out bis 11 Uhr. Auf Wunsch und gegen Aufpreis gibt es ein kleines Frühstück. Selbstverständlich hat das Schauspielhaus Hotel-Restaurant Usus Mittwoch bis Sonntag von 16 bis 23 Uhr geöffnet und sorgt für kulinarische Genüsse. Eine kleine Bar in der unteren Schauspielhaus Hotel-Ebene bietet alkoholische und antialkoholische Erfrischungen.

Das gesamte Programm: hotel.schauspielhaus.at

4. 10. 2021