Gärtnerplatztheater Live-Stream: Viktoria und ihr Husar

Januar 18, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Reinprecht, Prohaska, Lesiak und Ellers

Viktoria und ihr Husar: Ensemble und Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Bild: © Christian POGO Zach

Am 23. Jänner, 19 Uhr,  wird die Operette „Viktoria und ihr Husar“ in der Inszenierung von Staatsintendant Josef E. Köpplinger als Live-Stream aus dem Münchner Gärtnerplatztheater zu sehen sein. Das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz wird dirigiert von Tobias Engeli, in den Hauptrollen sind die Gastsolisten Daniel Prohaska und Alexandra Reinprecht zu erleben.

Der Live-Stream der Spielzeitpremiere ist kostenfrei auf der Website des Theaters www.gaertnerplatztheater.de abrufbar. Zum Inhalt: Der ungarische Husarenrittmeister Stefan Koltay befindet sich nach dem Ersten Weltkrieg in russischer Kriegsgefangenschaft und wartet auf seine Hinrichtung. Doch es gelingt ihm die Flucht, und über Japan will er zurück in seine Heimat und zu seiner Geliebten Viktoria gelangen. Viktoria, die Koltay tot glaubt, ist mittlerweile jedoch die Gattin des amerikanischen Gesandten Cunlight, mit dem sie in Tokio lebt. Dort trifft das einstige Liebespaar wieder aufeinander …

Als am 21. Februar 1930 die Uraufführung von „Viktoria und ihr Husar“ am Hauptstädtischen Operettentheater Budapest über die Bühne ging, war die große Operettenära bereits vergangen, Revue-Theater und Kinofilm hatten sich das Unterhaltungsmonopol gesichert. Mit einer gekonnten Synthese zwischen Exotismus, ungarischem Kolorit, teils filmischer Dramaturgie und amerikanischen Jazz-Klängen gelang es Paul Abraham und seinen Librettisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda, die Gattung neu zu beleben.

Peter Lesiak und Susanne Seimel. Bild: © Christian POGO Zach

Josef Ellers und Katja Reichert. Bild: © Christian POGO Zach

Alexandra Reinprecht und Daniel Prohaska. Bild: © Christian POGO Zach

Mit Daniel Prohaska als Stefan Koltay und Alexandra Reinprecht als Viktoria sind als wienbekannte Solistinnen und Solisten zu sehen: Peter Lesiak als Graf Ferry, Josef Ellers als Janczy, Gunther Gillian als Leutnant Petroff und Erwin Windegger als Cunlight.

 www.gaertnerplatztheater.de

18. 1. 2021

KHM: Virtuelle 3D-Tour zu Bruegels Meisterwerken

Januar 16, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Welt berühmteste „Wimmelbilder“

Bruegel-Saal (Saal X). In der Gemäldegalerie des KHM Wien © KHM-Museumsverband

Das Kunsthistorische Museum lädt gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Visit Flanders zu einer virtuellen Tour durch eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt: Mit zwölf Werken von Pieter Bruegel d.Ä. beherbergt das Kunsthistorische Museum die weltweit größte und bedeutendste Bruegel-Sammlung, darunter die berühmten Meisterwerke

„Bauernhochzeit“, „Kinderspiele“, „Die Jäger im Schnee“ und natürlich den „Turmbau zu Babel“. Mit dem neuen digitalen Angebot Bruegel begegnen – Only in Vienna macht das Kunsthistorische Museum den so genannte Bruegel-Saal (Saal X) der Gemäldegalerie nun für Kunstfans auf der ganzen Welt jederzeit zugänglich und virtuell erlebbar. Mittels 3D-Technologie wird sowohl der Eindruck der Bewegung direkt im Raum vermittelt als auch die Betrachtung der Gemälde aus nächster Nähe ermöglicht. Das Besondere an der qualitativ hochwertigen Umsetzung ist eine spezielle Zoom-Funktion, die nahes Betrachten wie bei einem echten Museumsbesuch ermöglicht und sogar noch mehr Details entdecken lässt.

Der virtuelle Raum kann sowohl über mobile als auch über Desktop-Geräte besucht werden. Einen großen Stellenwert nimmt bei diesem 3D-Erlebnis die Kunstvermittlung ein: In sechs Sprachen können virtuelle Museumsbesucherinnen und -besucher viel Wissenswertes über Bruegels Werk und Leben erfahren. Die virtuelle Tour ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Niederländisch, Russisch, Chinesisch/Mandarin und Japanisch verfügbar. Mit diesem neuen und kostenlosen digitalen Angebot erweitert das Kunsthistorische Museum seine breiten und innovativen Online-Aktivitäten und bietet Museumsfans weltweit in Zeiten von Lockdowns und Reisebeschränkungen Kunstgenuss und Abwechslung ganz bequem von zu Hause aus.

Pieter Bruegel d. Ä.: Bauernhochzeit. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Der Turmbau zu Babel. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Die Jäger im Schnee. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Kinderspiele. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Nur knapp mehr als vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten. Dass das Kunsthistorische Museum die weltweit größte Sammlung an Bruegel-Gemälden besitzt, liegt darin begründet, dass Habsburger Sammler schon im 16. Jahrhundert die außerordentliche Qualität und Originalität der Bildwelten Bruegels zu schätzen wussten und sich bemühten, prestigeträchtige Werke des Künstlers zu erwerben. Das Werk Pieter Bruegels des Älteren, der die Landschafts- und Genremalerei revolutionierte, ruft immer noch vielfältige und kontroverse Deutungen hervor. Der Reichtum seiner Bilderwelt sowie seine scharfsinnige Beobachtungsgabe der menschlichen Spezies üben bis heute eine besondere Faszination auf die Betrachter aus … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=29718

www.khm.at/bruegel-begegnen           www.khm.at

16. 1. 2021

Ayad Akhtar: Homeland Elegien

Januar 15, 2021 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Hin- und hergerissen zwischen zwei Wutwelten

Bei den Notizen zum berühmten ersten Satz einer Rezension steht 1. „Mein Vater lernte Donald Trump in den frühen Neunzigerjahren kennen, als beide Mitte vierzig waren“, 2. „Mahfuz‘ Reaktion verwies auf eine fest im muslimischen intellektuellen Leben verankerte Tatsache, dass der Prophet sakrosankt ist“, 3. eine Begebenheit am Tag 9/11, als Ayad Akhtar Blutspenden wollte, und sich mit dem vor ihm stehenden Mann dieser Dialog ereignete:

„Woher kommst du?“ – „Uptown.“ – „Bist du Moslem?“ – „Und ist das ein Problem, Sir?“ – „Dieser verdammte arabische Einstein hier fragt, ob wir ein Problem haben. Wir wollen dein arabisches Blut nicht, du verdammter Terrorist!“

Man kann also auf unterschiedliche Weise einen Bericht über Ayad Akhtars „Homeland Elegien“ beginnen, dies der Titel des aktuellen Romans des US-pakistanischen Autors – von wegen „arabisch“. Akhtar, bekannt durch seine Stücke „Geächtet“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23688) und „The Who and the What“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28977), legt damit ein hochintelligentes Buch über den zerrütteten Zustand des heutigen Amerikas und gleichsam eine Familienbiografie vor.

Beginnend von der Schlechterstellung muslimischer Staatsbürger nach dem Attentat auf das World Trade Center bis zum Trump’schen Muslim travel ban, mit dessen Verhängung Akhtars Vater, ein überintegrierter amerikanischer Vorzeige-Patriot, als einer der letzten seiner Art vom Glauben ans Gelobte Land abfällt. Auf beinah 500 Seiten verweigert Akhtar die Demuts- und Bescheidenheitsgesten, die Muslimen in der westlichen Welt üblicherweise abverlangt werden. Vielmehr kreuzt er die manchmal komische, manchmal konfliktreiche, aber immer anrührende Einwandererstory mit der Geschichte einer USA, die die Ideale der Demokratie den Göttern der Finanzindustrie geopfert und einen gefährlichen Clown zum Präsidenten gemacht hat.

Sikander Akhtar, dessen Ehefrau Fatima, sie seit 1968 Migranten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sich selbst, Ayad 1972 auf Staten Island geboren, und unzählige Verwandte schickt der Autor in seinem Memoir auf die Suche nach Möglichkeiten einer westlich-muslimischen Identität. Last, but not least erzählt Akhtar mit großem Esprit und aus ungewohnter Perspektive globale Zeitgeschichte, vom Konflikt zwischen Pakistan und Indien über den ersten Afghanistan Krieg bis hin zu Osama bin Laden und dem islamistischen Terror der jüngsten Gegenwart, den Wien erst am 2. November 2020 erleben musste.

„Homeland Elegien“ ist trotz der Real-Person-Fiction ein Heimatroman über alle US-No- und Everybodys, Akhtar überblendet dafür die Sichtweise immer wieder vom „Wir“ auf „wir alle“, ändert sie von der persönlichen zur kollektiven Niederlage. Denn als solche werden die Akhtars ihr lebenslanges Ausharren am für sie falschen Ort empfinden. Das Home of the Brave and Land of the Free, das unterm Star-Spangled Banner den Tapferen Heimat, Schutz und Freiheit geben wollte, hat sein Glücksversprechen-Roulette, als sich hinters Homeland der Begriff Security reihte, auf antisolidarisch gedreht – et rien ne va plus. Gewinner sind jene Individualisten, denen das eigene Wohl vor dem einer Gemeinschaft geht. „Die Schleifung aller Bollwerke gegen gottgefälligen Reichtum?“ – neokapitalistische Konsumgesellschaft nennt man das.

Wie Ayad später mit Börsengeschäften beherrscht Sikander diese Spielregeln des Aufstiegs, der erfolgreiche Kardiologe mit dem Punjabi-Akzent, der über Immobilienhandel noch reicher wird, seines Patienten Trump „The Art of the Deal“ griffbereit im Bücherregal, im Weinkeller die Harlans, Far Nientes, Opus Ones. Liebhaber einer großbusigen Blondine, was Ayad knapp vorm hinteren Buchdeckel eine Halbschwester beschert, ein Trump-Süchtiger von euphorisch über enttäuscht bis erschöpft, der von dessen Ansinnen, alle Muslime in einer Datenbank zu erfassen, denkt, dass es ihn nicht beträfe, weil … a: Arzt, b: gutsituiert. Für den Sohn ist dies Denken „Durchfall, eine Infektion des politischen Bewusstseins“.

Die Mutter das genaue Gegenteil. Eine X-mas-Kauforgien-Verweigerin, eine antiimperialistische, nicht islamische (!) Fundamentalistin, die in den USA nie auch nur annähernd Entschädigung für den Verlust Pakistans fand. Der Sohn steht beiden Extremen skeptisch gegenüber, dem Vater, der für ein amerikanisches Ich sein pakistanisches zurückgelassen hatte, der Mutter, einer lebenslangen Exilantin, die keine neue Heimat erobert, sondern lediglich die alte verloren, Fatima, die bei der Trennung Pakistans von Indien unfassbare Gräueltaten gesehen hatte: „Wie Pakistan war sie im Feuer dieser Todesangst geschmiedet worden. Und sie fürchtete nicht nur die Hindus. Überall lauerte Lebensgefahr, und jede Erinnerung daran konnte sie aus der Bahn werfen.“

An einer der provokantesten Stellen des Buches geht Ayad Akhtar der Ähnlichkeit zwischen den USA und Pakistan auf den Grund, zumindest der mit den amerikanischen Südstaaten. Beide Weltenteile, schreibt er, seien larmoyant und aggressiv aus selbst empfundener Rückständigkeit. „Die Konturen jener Dilemmata“, die in den Vereinigten Staaten zur Wahl Trumps führten, hätten in Pakistan lange vorher existiert: „irrationale Paranoia, die sich als politischer Durchblick ausgab“, „kochende Wut“, „offene Feindseligkeit gegenüber Fremden und Menschen, deren Ansichten nicht mit den eigenen übereinstimmten“, „Verachtung für Nachrichten aus zuverlässigen Quellen“, „eine zur Pose gewordene reaktionäre Moral“ …

Bild: pixabay.com

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Ayad Akhtar, als sich selbst umkreisende Hauptfigur seines Romans, lebt im Mahlwerk paranoider Systeme und der Frage, welches das Recht habe das andere wie zu kritisieren: ein Mann, hin- und hergerissen zwischen zwei Wutwelten. Akhtar aktiviert alle greifbaren Assoziationsketten. Von der Jugendliebe seiner Mutter, Latif, zunächst ebenfalls Arzt in den USA, später als solcher und „amerikanischer Brückenkopf“ für die afghanischen Mudjahedin tätig, 1998 vom CIA in Peschawar hingerichtet: „Die gerade Linie, die von den durch die USA unterstützten Mudjahedin zu al-Qaida führte, ist noch immer eine selten erzählte und wenig verstandene Geschichte; Latifs Schicksal ist auf seine Weise sinnbildlich dafür.“

Über Onkel Shafat, der bierselig in einer Bar in Virginia erzählt, er hätte mal Mullah Omar getroffen – der Onkel, weil er den Mudjahedin als Verbündeten der USA zwei Kisten voll Dollars brachte, der spätere Taliban im TV, weil gerade von einer amerikanischen Bombe getroffen -, was mit einem Polizeieinsatz, gebrochenen Rippen und einem künstlichen Schultergelenk endete. Und Shafats Konvertieren zum Christentum, um sich fortan „sicher“ zu fühlen. Bis zur Universitätsprofessorstante, der rationalen Intellektuellen Asma, die explodiert, als der Neffe erklärt, er lese eben Salman Rushdies „Satanische Verse“.

Ayad Akhtar lehnt sich in solchen Episoden aus dem Fenster bis in Schussweite. „Die Angst hinter der enervierenden Dummheit meiner pakistanischen Verwandten war verständlich“, schreibt er nach einem Besuch in Abbottabad, wo bin Laden keinesfalls ohne direkte Unterstützung der pakistanischen Armee hätte leben können, und einer Dinner-Diskussion mit Offiziersonkel Naseem über die verbrecherischen USA. „Sie fürchteten, sie könnten die nächsten Leidtragenden eines imperialistischen Gemetzels sein, die zukünftigen Opfer dieses neuen Zeitalters endloser amerikanischer Rache.

(Vater Sikander, der zuvor – ohne es zu wissen – mit dem Auto nur Meter an bin Ladens Haus vorbeifuhr, im Zuge dieser Auseinandersetzung immer erboster: „Aber die Medikamente, die ich euch aus Amerika mitbringe, nehmt ihr gerne!“)

Auch damit hätte man diese Rezension beginnen können: „In den schrecklichen Wochen nach 9/11 – als eine simple Handlung wie in den Bus zu steigen und einen Fahrschein zu kaufen eine von den anderen Passagieren mit ängstlichen, misstrauischen Blicken verfolgte Provokation war – hatte ich mich zu dieser Strategie bei der Frage nach meiner Herkunft entschlossen. Ich sagte dann einfach: ,Aus Indien‘.“ Indien, das mit köstlichen Aromen, Yoga und Bollywood verbunden wird, nicht wie Pakistan mit „dem Terror, dem Morden und der Wut“.

Homeland Elegien“ ist die Geschichte eines Mannes, der sich rettet, indem er schreibt, auch über an den eigenen Mann gerichtete Fragen nach dem „Araber-Sein“, nach dem Warum „die“ „uns“ so hassen, die Wahnsinnsidee beider Seiten, Akhtar dabei immer ein Querdenker, wenn er das Unverständnis über Bikinis und Miniröcke, über den bizarren Wunsch nach gebräunter Haut, über die Vorstellung von Sauberkeit, „wenn man sich den Hintern mit einem Stück Papier abwischte“, und übers Christentum auflistet: die Heilige Dreifaltigkeit, die unbefleckte Empfängnis, das Ostereier-Färben, den Rentierschlitten.

Im Gegensatz zum westlichen Empfinden Mohammeds als Kinderschänder, da er doch mit Aischa bint Abi Bakr eine Neunjährige ehelichte. Traumdeutung als Mittel, selbst hervorgebrachtes Material zu bearbeiten, ein dramaturgisches Wiederaufführen schlimmster Erlebnisse zu Analysezwecken und die Eindämmung persönlichen Schmerzes auf der Suche nach höherem Zusammenhang – all das formt diesen Roman.

Bild: pixabay.com

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Der Blick aufs Allernächste ist dabei der schonungsloseste: Akhtar thematisiert nicht nur die eigenen aggressiv-sexuellen Obsessionen als werdender Stardramatiker, sondern auch die Alkohol- und Spielsucht seines Vaters. „Homeland Elegien“ ist am Ende das Buch eines „spirituell versehrten Amerikaners“. Akhtar schildert seine „Weigerung so zu tun, als hätte ich kein Problem mit meinem Land oder meinem Platz darin“ – was zu „Geächtet“ und 2013 zum Pulitzer Preis führt. Zu einem gefakten Poster von Akhtar vor den einstürzenden Türmen mit dem Spruch: „Proud of 9/11“ und der Frage, wo Fiktion aufhört und Fakt beginnt.

Des Anwalts Amir Kapoors Satz in „Geächtet“, die Amerikaner hätten 9/11 verdient, ist einer aus Fatima Akhtars Zornesrede nach dem Tod Latifs, und Ayad näher als ihm lieb ist. Vor diesem Hintergrund lautet die Ausgangsbehauptung von Ayad Akhtar, dass das berühmte, auch mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnete Theaterstück so häufig böswillig verdreht, missverstanden und instrumentalisiert wurde, dass dem Autor im Grunde gar nichts anderes übrig blieb, als via Roman ein paar klärende Worte an die Leserin, den Leser zu richten, bevor die Diskussion vollends aus dem Ruder läuft. Es ist sicher nicht die schlechteste Pointe des Buches, dass diese erzählerische Geste natürlich zutiefst amerikanisch ist.

Die westlich-weiße Mehrheitsgesellschaft teilt die Muslime unter ihren Staatsbürgern in der Regel in moderate und radikale Vertreter des Islams, um sie im nächsten Schritt voneinander zu trennen, und die einen zu integrieren und die anderen zu isolieren. Akhtars Roman entblößt nun den Generalverdacht, der dieser Logik zugrunde liegt, indem er seine Muslime je nach Stimmungslage beides sein lässt: moderat und radikal, pro- und antiamerikanisch, säkular und zutiefst gläubig. Wie das Leben eben so spielt, mal Marschmusik, mal Trauermarsch.

Akhtar rechnet ab mit „westlichen Werten“ und gleichzeitig mit der sinnlosen Ablehnung derselben, mit strukturellem wie Alltagsrassismus, aber auch einer selbstbestimmten Andersartigkeit. Obwohl er in den USA geboren wurde, heißt es an einer Stelle, „hatte auch ich einen willentlichen Anteil an meiner Ausgrenzung, denn ich war, nachdem ich über vierzig Jahre in Amerika gelebt hatte, noch immer bereit, mich als ‚anders‘ zu betrachten“, er rechnet ab mit einer Identitätspolitik, die Muslime als bedingt fähig zum selbstbestimmten, reflexiven Individualismus ansieht.

An Halloween 2017 steht Ayad Akhtar in einem Coffeeshop im New Yorker West Village, Polizeiautos rasen mit Sirene und Blaulicht am Fenster vorbei, einer der Gäste sagt, auf dem West Side Highway hätte es einen terroristischen Anschlag gegeben. „Manche behaupteten, der Täter – dunkelhäutig mit langem Bart – sei aus dem Wagen gesprungen und habe ,Allahu akbar‘ gerufen, bevor er von Polizisten in den Bauch geschossen worden sei. Ich zog mich aus der spontanen Gemeinschaft, die sich bildete zurück. Diese Lektion hatte ich sechzehn Jahre zuvor gelernt, als meine Neugier mich downtown und zu einer Begegnung geführt hatte, von der sich mein amerikanisches Ich wahrscheinlich nie ganz erholen würde …“

Über den Autor: Ayad Akhtar, geboren 1970, wuchs als Sohn pakistanischer Einwanderer in Milwaukee, Wisconsin auf. Er ist der meistgespielte US-amerikanische Dramatiker der Gegenwart, Akhtars Stücke werden auch an allen großen deutschsprachigen Bühnen gegeben, so „Geächtet“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23688) und „The Who and the What“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28977) am Burgtheater. Sein Debüt „Geächtet“ gewann zahlreiche wichtige nationale und internationale Preise, darunter den Pulitzer Theaterpreis und 2017 den Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie Bestes Stück-Autorenpreis für „Geächtet“ am Burgtheater und am Schauspielhaus Graz. „Homeland Elegien“ ist nach „Himmelssucher“ (2012) sein zweiter Roman.

Claassen Verlag, Ayad Akhtar: „Homeland Elegien“, Roman, 464 Seiten. Übersetzt aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren.

www.ullstein-buchverlage.de           www.ayadakhtar.com

  1. 1. 2021

Streaming: American Gods, Staffel drei

Januar 13, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Grotesk-komisch, grausam und nach wie vor großartig

Shadow und Mr Wednesday unterwegs mit Betty the Barbarian: Ricky Whittle, Ian McShane und ein zum Wohnmobil mutierter Cadillac. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

Seit 11. Jänner streamt Amazon die dritte Staffel der Starz-Television-Serie „American Gods“ nach der Vorlage von Neil Gaiman, jeden Montag eine neue der zehn Folgen, deren Anfang nun „A Winter’s Tale“ machte. Lange genug musste man drauf warten, hinter den Kulissen gab es Streit, bis „Dexter“- und „Dark Angel“-Mastermind Charles H. Eglee Jesse

Alexander als Showrunner ersetzte und Season 3 nach seinen Vorstellungen adaptierte. Die Story folgt Shadow, Ricky Whittle vor der Rache der Neuen Götter nun mit Haupthaar und Vollbart getarnt, der versucht, sich von den Machenschaften Mr Wednesdays loszureißen. Als Mike Ainsley verdingt er sich in Milwaukee als Stahlarbeiter, doch trotz seines trotzigen „Ich folge deinen Geboten nicht mehr“, erscheint der Allvater vor Ort, um ihn – im Wortsinn: Gott weiß warum – nach Lakeside, einem Kaff in the Middle of Nowhere von Wisconsin zu verfrachten.

[Spoiler – Im Weiteren wird sich der Odinssohn dort mit seiner eigenen Göttlichkeit auseinandersetzen müssen, viele Fans halten ihn ja für Balder, man weiß es nicht – eine spirituelle Reise, auf der ihn die Orishas aus der Heimat seiner Mutter begleiten … – Spoiler Ende]

Bis dahin chauffiert ihn Mr Wednesday mit der vom schnittigen Cadillac zum schäbigen Wohnmobil mutierten, da reinkarnierten Betty the Barbarian rund um den nomen-est-omen Spirit Lake. In der ersten Szene sieht man Ian McShane mit irritierend strahlenden Dritten, heißt: neuem Gebiss, angetan mit Wotans Walleumhang, beim Stagediving während eines Konzerts der Viking-Metal-Band „Blood Death“ – deren Leadsänger Johan Wengren kein Geringerer als Marilyn Manson ist. Ein nordischer Musikberserker mit der AC/DC-Parole „Let There Be Blood“, der bei Gaiman nicht vorkommt, und aus dessen Shows Mr Wednesday Kraft schöpft.

Die Welt wird weiblich …: Dominique Jackson als Ms World. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

… kann bei Bedarf aber auch als Mann inkarnieren: Danny Trejo. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

Blythe Danner als Göttin Demeter mit „Shadow“ Ricky Whittle. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

Für die immer noch ausstehende Schlacht mit den „Parasiten der menschlichen Selbstzerstörung“, mit deren Vollzug es auch für Odin und Konsorten mit der Verehrung Essig wäre, den Neuen Göttern also, deren Reihen um so illustre Namen wie „Viral“ und „Trending“ erweitert wurden. Die globalisierte Welt ist höchst zeitgemäß eine weibliche Person of Color, Dominique Jackson als Ms World noch mächtiger, noch gefährlicher, noch gewalttätiger, die sich in Gestalt von Danny Tejo aber auch als Mann zeigen kann.

„American Gods 3“ ist unverändert grotesk-komisch, grausam und nach wie vor großartig. Das verschmitzte Schlitzohr und der mürrische Sohnemann sind, alldieweil Ms World mit „Technical Boy“ Bruce Langley und der ihm verpflichteten Königin von Saba, Yetide Badaki als Bilquis, an ihren sinistren Plänen zur Unterwerfung der Menschheit werkt, unterwegs zu Whiskey Jack – ideal besetzt mit All-Time-Indianer und Kind der irokesischen Oneida Graham Greene. Er natürlich in Wahrheit der Gott Wisakedjak, der Kranich Manitu, und wie alle Götter auf Wednesday nicht gut zu sprechen. Haben doch dessen Gläubige, siehe Leif Eriksson, weiland die seinen abgeschlachtet.

Marily Manson als Johan Wengren, Sänger der Viking-Metal-Band „Blood Death“. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

Laura und Mad Sweeney teilen sich ein Leben: Emily Browning und Pablo Schreiber. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

Salim muss ohne seinen Dschinn auskommen: Omid Abtahi (re.) mit Mousa Kraish. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

Graham Greene (li.) als Whiskey Jack aka Wisakedjak, der Kranich Manitou. Bild: © 2020 Starz Entertainment, LLC

Whiskey Jack hat ergo kein Interesse am Kampf, umso mehr an Wednesdays bestem Kämpfer Shadow, in den surreal-schönen Bildern eines Zauberwalds fordert er ihn auf (erster Hinweis!) sein Schicksal zu erforschen und seine Mission anzunehmen, dazu der bewährte Country-Soundtrack von Nelson, Strait, Cash & Young. Und apropos, Wednesday: In Zeiten von „Fridays for Future“ wird es Zeit für den Auftritt von Demeter, Blythe Danner als griechische Göttin der Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides, der Saat und der Jahreszeiten, die Hüterin von Wald und Flur und – welche Schönheit denn nicht? – eine ehemalige Odin-Geliebte.

An Menschen neu ist Ashley Reyes als Wednesdays „Verlobte“ Cordelia, Eric Johnson als Lakeside-Sheriff Mulligan und Julia Sweeney ebendort als Gemischtwarenladenbesitzerin. Die untote Laura Moon, Emily Browning, muss sich mit dem mausetoten Mad Sweeney, Pablo Schreiber, herumschlagen, der ja Odins Speer Gungnir, mit dem sie diesen niederstrecken will, kurz vorm Sterben in seinem geheimen Hort versteckt hat; Salim, Omid Abtahi, sich ohne seinen Lover-Dschinn durchschlagen, da Mousa Kraish ebenso seinen Job verlor, wie „Mr. Nancy aka Gott Anansi“ Orlando Jones.

Darüber gab’s in den Social Media allerhand böse Posts, die Fans entsetzt, dass zwei ihrer liebsten Stars aus dem Cast gestrichen wurden, Starz erklärend, dass diese Charaktere abgespielt seien – für Jones „die eindeutig falsche Botschaft ans afroamerikanische Publikum“, hinsichtlich Kraish in diesem Sinne keine frohe fürs nahöstliche und die LGBTQ-Community. Mit Rapper Wale als Orisha Chango und Herizen Guardiola als Yoruba-Göttin Oshun geht es nun weiter. Nächste Folge am 18. Jänner, Titel frei nach David Bowie: „Serious Moonlight“. Staffel eins und zwei sind ebenfalls via Amazon abrufbar.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=7Vb8QUqvhWk           www.starz.com/us/en/series/31151          www.amazon.de          Leitfaden für Einsteiger: www.youtube.com/watch?v=-d0XXPkm9Ts

BUCHTIPPS: Neil Gaiman, „Nordische Mythen und Sagen“, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=35531, Neil Gaiman: „Zerbrechliche Dinge. Geschichten und Wunder“, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32704, Neil Gaiman: „Der Ozean am Ende der Straße“, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32704

  1. 1. 2021

Peter Fabjan: Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard – Ein Rapport

Januar 13, 2021 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

„Du musst das halt in meinem Sinn machen …“

„Du musst das halt in meinem Sinn machen“, trägt Thomas Bernhard seinem Halbbruder und gleichzeitig be­handelnden Arzt Peter Fabjan auf, als er spürt, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Und der sieben Jahre Jüngere gehorcht und übernimmt die Verantwortung für das literarische Erbe, „deine zweite Karriere“, wie Bernhard ätzt – wie Fabjan es immer getan hat, von Jugend an, wenn ihn der Ältere brauchte.

Den anderen galt er als „der liebe Bruder“, Fabjan selbst sieht sich eher als „Helfer in der Not“. Oft genug fand er sich in der Rolle des Chauffeurs und dienstbaren Geistes wieder, der am Nebentisch saß, während der Bruder mit Persönlichkeiten aus Politik und Kunst parlierte.

„Einmal sagte er: ,Ich will nicht, dass ihr beide (gemeint waren wir Geschwister, also Susi und ich) nach mir einmal über mich befragt werdet und was erzählt. Darum schreibe ich meine Autobiographie. Man weiß ja sonst nicht, woher bei mir das alles kommt.‘ Dennoch kann ich vielleicht etwas zum ,Woher‘ beitragen“, so Peter Fabjan. Der seine Erinnerungen über ein Dasein, besonders auch eines im

Schatten dieses großen österreichischen Autors nun doch noch in einem Buch zusammengefasst hat. „Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard – Ein Rapport“ erscheint heute, pünktlich zu Thomas Bernhards 90. Geburtstag am 9. Februar. Fabjan berichtet darin von den vielfach belasteten verwandtschaftlichen Verhältnissen, die aus Bernhards Werk bekannte „verwunschene Familie“, über die Fabjan im Unterschied zum Bruder „nie den Druck verspürte, diese Menschen in fiktive Figuren zu verwandeln, um sie ,loszuwerden‘“. Von der Kriegskindheit, vom Großvater mütterlicherseits, dem Salzburger Dichter Johannes Freumbichler, von der ledigen Mutter Herta und Bernhards langanhaltenden Verlassenheitsängsten.

Von Peters Vater Emil Fabjan, der vom anstrengenden Stiefsohn mehr als von den anderen beiden Kindern Gehorsam einforderte, schließlich von Thomas Bernhards Freundin und Vertrauter Hedwig Stavianicek. Von gemeinsamen Reisen in die USA, nach Portugal oder Polen, fabelhaft die Anekdote vom Übernachten auf dem Sofa des Warschauer Lyrikers Stanisław Jerzy Lec im Jahr 1964. Am Ende von seinen Bemühungen um den von langer und schwerer Krankheit gezeichneten Patienten. In dessen letzten Jahren sich Fabjan, Bernhard war zu diesem Zeitpunkt schon von Ohlsdorf nach Gmunden übersiedelt, im Haus gegenüber einquartierte.

Entstanden ist so der intime Einblick eines „lebenslang stummen Begleiters“ ins – so weit möglich – Innerste eines, der von sich einerseits sagte „Ich bin immer ein Störenfried geblieben“, andererseits „Ich bin der kleine Vogel, der im finsteren Wald schreit“. Und schön zu lesen ist, wie dieser vom anderen gewisse Sprachgewohnheiten angenommen hat – „Er würde das wahrscheinlich völlig unnötig finden und dazu überhaupt keinen Bezug haben, nicht“, „Ich schreibe mir auch gar keine künstlerische Ader zu, – eine intuitive schon, denn die brauchen Sie als Arzt auch, nicht.“ Nicht?

„In einem Gespräch mit dem Journalisten Kurt Hofmann im Haus in Ottnang antwortete Thomas Bernhard auf die Frage, was für ein Verhältnis er zu seinem Bruder habe: ,Na, ein brüderliches. Das ist so sporadisch, normal, und dann ist es so konträr. Eigentlich sehr angenehm. Nachdem man so verschieden ist, gibt’s keine Probleme. So ist das‘“, so Fabjan – und zwischen den Zeilen über Bernhards Distanz- wie Schutzbedürfnis meint man durchaus ein Leiden daran zu lesen.

„Wir Geschwister erlebten unseren Bruder früh eifersüchtig und als Meister im Demütigen. Unsere Zuneigung durften wir ihm nicht schenken, sie wurde verlangt und musste ein Leben lang bewiesen werden. Eine schwierige Situation“, formuliert Fabjan, und weiter: „Er war unfähig, Dankbarkeit zu zeigen. Im engeren Freundes- und Familienkreis war er besonders verletzlich und abweisend, wechselte schnell zwischen Zuwendung und eisiger Verachtung. Bisweilen gab er sich mitfühlend, begleitet von Belehrung, dann wieder zeigte er Interesse, ja Neugierde. In heiklen Situationen gab er sich als Kind, das Rücksicht in Anspruch nehmen darf, von einem Gegenüber, das zumeist weiblich war und wesentlich älter. Außerhalb des vertrauten Kreises galten Angriff und Provokation als beste Verteidigung …“

Sagt Fabjan über den „Dichterschauspieler“ und seine „in Gesellschaft gern wechselnden Gesichter“: „Er trat als Clown auf oder war von tiefem Ernst, sein Spektrum reichte von anerkennender Liebenswürdigkeit bis zu tiefem Hohn. Jeder Tag war eine gelebte Inszenierung. Wo immer er sich befand, stand er im Mittelpunkt: unterhaltend durch Witz, Kritik und unerschöpfliches Assoziationsspiel. Er war von sicherem Geschmack … sein Charme war legendär.“ Welch ein Satz von Peter über Thomas, dass das „eigene Leben in ihm schon in frühester Kindheit erstorben“ sei.

Aus dieser Kindheit schildert Fabjan einige Szenen, so auch diese aus dem Jahr 1950: „Mein Aufsatz in Deutsch, der die elende häusliche Situation nach dem Tod der Mutter zum Thema nimmt – ein erster Versuch der Bewältigung von Erlebtem durch Schreiben –, wird vom Lehrer als vorbildlich gesehen und soll von mir vorgelesen werden, was ich ablehnen muss. Thomas sieht ihn als nicht zulässig an.“ Dies Bezwingen mittels Sprache gestand der Argwöhnler, der später seine Kindheit und Jugend in fünf Teilen (Die Ursache, Der Keller, Der Atem, Die Kälte, Ein Kind) verarbeitete, schon damals „naturgemäß“ nur sich selbst zu; Fabjan: „Das bösartige Kind in ihm blieb dabei zeitlebens lebendig.“ Er lernte früh, auf die Thomas’schen Ausbrüche von Jähzorn „keinesfalls mit spontaner Gefühlsreaktion zu antworten“.

Jede Bernhard-Leserin, jeden -Leser werden Peter Fabjans fragmentarisch aneinandergereihte Erinnerungen faszinieren. Er kann berichten, was kein anderer so unmittelbar nah miterleben konnte. Etwa von Telefonaten zwischen dem Vater und „Frau Stavianicek, die auf seinen Wunsch, Thomas zu sprechen, gemeint habe: ‚Worum handelt es sich denn?‘ Er war inzwischen zu ‚ihrem‘ Thomas avanciert. Darauf sein empörtes Insistieren mit erhobener Stimme: ‚Ich möchte den Thomas sprechen !!!'“

Den Thomas, über Thomas Bernhard sprechen – das mutet in manchen Kapiteln gar tragikomisch an. Auf einer allein unternommenen Reise durch Sizilien lernt Peter Fabjan einen dort schon lange ansässigen Deutschen kennen: „Ich werde in die Privatwohnung eingeladen und erzähle bei erlesenem Essen und Wein bis in die tiefe Nacht – von Thomas.“ Letztes Zitat, eine in die Aufzeichnungen aufgenommene, undatierte Notiz, die Bände spricht über die Bruderliebe zum übermächtig-berühmten. Dies soll als Leitsatz fürs Buch gelten: „Wenn Thomas nicht mehr lebt, werde ich meine Zuneigung viel stärker empfinden, als er es mir heute erlaubt.“

Über den Autor: Peter Fabjan, geboren 1938 im bayrischen Traunstein, studierte Medizin in Wien und war bis 2001 als Internist tätig. Nach Thomas Bernhards Tod übernahm er die Betreuung des Erbes seines Halbbruders. Er gründete das Thomas Bernhard Archiv, die Thomas-Bernhard-Privatstiftung und die Internationale Thomas Bernhard Gesellschaft, deren Ehrenpräsident er ist. Peter Fabjan lebt in Gmunden in Oberösterreich.

Suhrkamp Verlag, Peter Fabjan: „Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard – Ein Rapport“, 240 Seiten. Mit zahlreichen, teilweise bisher unveröffentlichten Abbildungen.

www.suhrkamp.de           thomasbernhard.at

  1. 1. 2021